Full text: Neue Stadtentwicklungsgebiete (3)

AK Stadt · Seite 15 wien.arbeiterkammer.at
im Konfliktfall auch schlichtend eingreift“, so 
Thomas Ritt. 
In der Seestadt gibt es zudem einen bun-
ten Mix von Geschäften und Arbeitsplätzen 
in den Erdgeschoßzonen. Deshalb sind die 
Straßen für die Menschen attraktiv, und sie 
halten sich dort gerne auf. Nicht ganz glatt 
läuft das auf den Bombardiergründen, dort 
kommt um 20 Uhr ein Wächter einer Secu-
rity-Firma, der alle Anwesenden wegweist, 
auch die BewohnerInnen des Baus.  
Falsche Erwartungen
Die Ursachen für mehr oder weniger 
Zufriedenheit im Zusammenleben in einer 
Wohnanlage sind oft nicht eindeutig zu 
identifizieren. Es scheint jedoch auch am 
Bewusstsein der einzelnen AkteurInnen des 
Gebietes zu liegen. Und natürlich an deren 
Erwartungen. In das Sonnwendviertel zie-
hen eher BewohnerInnen, die davon aus-
gehen, dass sie in einem urbanen Gebiet 
leben. Bei den Bombardiergründen war 
das möglicherweise anders. Gleich dane-
ben liegt eine Kleingartensiedlung, die 
von hohen Zäunen umgeben ist und sich 
dadurch von allen Problemen des Grätzels 
abschottet. Einige haben sich vielleicht eine 
ähnliche Wohn situation erwartet.
Was viele nicht wissen, ist, dass die drei 
unterschiedlichen Bauträger für die Errich-
tung der Wohnbaugenossenschaftsanlage 
die Auflage hatten, einen gemeinsamen 
Platz zu schaffen. Dafür gab es auch Förde-
rungen von Seiten der Stadt. „Vielen Mit-
bewohnerInnen ist gar nicht bewusst, dass 
sie davon durch billigere Mieten profitie-
ren“, sagt Frau S., „für uns war der güns-
tige Preis doch ein gutes Argument.“
Aktiv mitmachen
Das Jugendzentrum auf der Donau-
felderstraße ist bemüht zu vermitteln. „Wir 
wären kein Jugendzentrum, würden wir 
nicht um die Konflikte am Spielplatz ums 
Eck Bescheid wissen“, konstatiert die 
 Leiterin der mobilen Jugendbetreuung, 
 Birgit Koska. Ihr Bemühen war es immer, 
auf die Kinder beruhigend einzuwirken. 
Mittlerweile jedoch spielen ohnedies nur 
mehr Kinder der direkten AnrainerInnen 
dort. Die anderen Kinder glauben leider, 
so die Jugendbetreuerin, dass sie die 
Anlage nicht betreten dürfen, weil sie 
schon zu oft vertrieben wurden. Um die 
Stimmung im Grätzel zu verbessern, ist ihr 
wichtig, ein Nachbarschaftsfest zu orga-
nisieren. Sie mobilisiert BewohnerInnen, 
die aktiv mitmachen. Eine Mieterin küm-
mert sich darum, dass die Heizbetriebe 
Wien die Hüpfburg zur Verfügung stel-
len, eine andere, dass der Kasperl kommt, 
und viele weitere Menschen der Umge-
bung sind eingebunden. Das Nachbar-
schaftsfest fand bereits das sechste Mal 
statt. Alle finden, es ist ein voller Erfolg. 
Auch Herr B. ist vom Grätzelfest angetan. 
Irgendwie geht’s also doch.
ES SCHEINT EIN ERFOLGSREZEPT ZU SEIN, DASS ES BEI GRÖßEREN 
BAUVORHABEN JEMANDEN GIBT, DEN DIE ANRAINERINNEN ANSPRE-
CHEN KÖNNEN UND DER IHRE PROBLEME ERNST NIMMT
Wem gehört die Stadt? Spielplätze und Fußballkäfige sind für manche eine Lärmbelästi-
gung. Haben Kinder das Recht herumzutoben oder gibt es für Ältere das Recht auf Ruhe?
Was wollen Kinder (und 
Erwachsene)?
Kindern ist es wichtig, 
selbstständig unterwegs 
zu sein. Sie wollen mit 
allem, was Räder hat, ins-
besondere mit Rollern oder 
Scootern, fahren. Die Wege 
müssen breit genug sein, 
damit alle – nicht nur Kinder 
– Platz haben. Kinder wol-
len nicht nur Spielplätze, sie 
eignen sich unterschiedliche 
Orte (zB eine Ecke unter den 
Stiegen) spielerisch an. Aber 
das gilt wahrscheinlich für 
alle Alters gruppen.
        

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