Full text: Wien neu (18)

WIEN NEU 
96  ARBEITERKAMMER WIEN 
ler Organisationen und Institutionen. Die Stadt Brüssel selbst gliedert sich in sechs Stadtteile: das 
Pentagon (Stadtzentrum), Laken, Neder-over-Heembeek, Haren, die Südachse Louise/Louiza-
Roosevelt und das Europaviertel (Quartier Leopold U.E.), die aber im Gegensatz zu anderen Städ-
ten verwaltungs- und kompetenztechnisch keine Funktion haben. 
Die Region Brüssel, die einzige zweisprachige Region Belgiens, ist ein zusammenhängendes dich-
tes städtisches Siedlungsgebiet und wird in den seltensten Fällen als Agglomerat von 19 eigenstän-
digen Gemeinden wahrgenommen, viel eher als eine Großstadt mit sehr unterschiedlichen (reichen 
und armen) Quartieren und Stadtvierteln, die sich nicht nur hinsichtlich der sozialen und kulturellen 
(Bevölkerungs)Struktur, sondern auch von der Bausubstanz, der Qualität der Infrastruktur und der 
öffentlichen Dienstleistungen sichtbar voneinander unterscheiden.  
Wenn landläufig von Brüssel die Rede ist, wird nicht zwischen der Stadt Brüssel (rd. 170.000 EW) 
und der Region Brüssel Hauptstadt (1,15 Mio. EW) unterschieden. Die Stadt Brüssel ist nur eine 
dieser 19 eigenständigen Gemeinden der Region, die bereits so eng zusammengewachsen sind, 
dass es für nicht dort sesshafte Menschen oftmals nicht mehr erkennbar ist, ob eine Gemeindegren-
ze überschritten wurde oder nicht. So kann es vorkommen, dass die eine Straßenseite dieser Ge-
meinde und die andere Straßenseite einer anderen Gemeinde zugehört. Oder dass ein Straßenzug, 
der gar nicht zur Gemeinde gehört, diese in zwei Teile teilt. 
Abbildung 33: Eine Stadtgrenze in der Region Brüssel-Hauptstadt (Ixelles und Saint-Gilles) 
 
Quelle: http://www.bruessel-gui.de/bruessel/lage_daten.html 
Ein anderes Beispiel ist der Brüsseler Nordbahnhof, dieser liegt teilweise auf dem Gemeindegebiet 
von Schaerbeek/Schaarbeek, die Stadtgrenze läuft mitten durch das Gebäude. 
… und so könnten noch viele Beispiele gefunden werden, die dazu beitragen, dass die Region 
Brüssel wie eine Großstadt erlebbar wird. 
Philippe Van Parijs, ein Philosoph und Brüssler stellt sich in einem Kommentar in BXLCONNECT 
daher die Frage „Why does the city of Brussels – more precisely the Region of Brussels Capital – 
still consist of nineteen autonomous municipalities, with their own adminsitration, schools, taxes, 
cleaning services, welfare offices and parking rules?“ In diesem Beitrag vergleicht er die Region 
Brüssel mit Wien und Berlin hinsichtlich der Eingemeindungspolitik. Die Stadt Brüssel in seiner ak-
tuellen geografischen Ausdehnung geht auf das Jahr 1921 zurück, seither konnten keine Einge-
meindungen mehr vorgenommen werden. 1977 kam es in Belgien zu einer Gemeindereform, die im 
ganzen Land zu einer Reduzierung der Zahl der Gemeinden von 2.359 auf 596 führte. Allerdings 
waren die beiden großen Städte des Landes Brüssel und Antwerpen davon nicht berührt. 1983 hat 
Antwerpen nachgezogen und sieben Nachbargemeinden integriert und diese 1999 in Distrik-
te/Bezirke umgewandelt und mit lokalen Agenden ähnlich wie Wien und Berlin ausgestattet.  
Warum konnte hier Brüssel nicht mitziehen? Van Parijs erklärt dies folgendermaßen:
        

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