Full text: 40 Jahre 40-Stunden-Woche in Österreich. Und jetzt? (18)

21 sammeln. Diese wurden in Postsäcke gefüllt und beim ÖGB-Kongress dem ÖGB-Präsidium übergeben. Dazu gab es auch einen entsprechenden Antrag und die entsprechenden Wortmeldungen. Die Unterstützung von anderen Bundesländern hielt sich in Grenzen. Die Tatsache, dass Wolfgang Katzian vor Kurzem die Forderung nach einer weiteren Verkür- zung der Arbeitszeit gestellt hat, ist erfreulich. Die Stille, die aufseiten anderer Gewerkschaf- terInnen wahrzunehmen ist, lässt aber kaum Hoffnung aufkommen, dass es in naher Zukunft zu einer Verkürzung der Arbeitszeit mittels Generalkollektivvertrag kommen wird. Bei der derzeitigen Regierung sehe ich auch keinerlei Anzeichen, dass es so wie zwischen 1970 und 1975 zu einer gesetzlichen Herabsetzung der Arbeitszeit kommen könnte. Das lässt befürchten, dass die Arbeitslosigkeit weiter steigt. Das bedeutet aber auch: • Immer mehr Menschen werden in die Armut gedrängt. • Immer mehr Menschen werden dadurch krank, sowohl physisch als auch psychisch. • Immer mehr Menschen werden obdachlos, weil sie ihre Mieten nicht mehr bezah- len können. • Immer mehr Kinder wachsen in Armut auf. Sie haben oft nicht einmal das Nötigste an Materialien, die sie für die Schule brauchen. Sie können an Schulveranstaltun- gen nicht mehr teilnehmen usw. • Sündenböcke werden gesucht und gefunden. Der Kreis schließt sich – weiter möchte ich diese Gedanken nicht mehr „spinnen“. BEITRAG VON HEINZ DÜRR Welchen Stellenwert kann Erinnern im Rahmen einer Veranstaltung mit dem Titel „40 Jahre 40-Stunden-Woche in Österreich. Und jetzt?“ haben? Erinnern kann und soll sich an Tatsachen und Fakten orientieren. Erinnern kann und soll sich aber auch an Stimmungen, die diese Tatsachen und Fakten begleitet haben, orientieren. Vor 45 Jahren endete eine vierjährige Alleinregierung der Österreichischen Volkspartei. Es folgte eine Periode sozialdemokratischer gesellschaftspolitischer Reformen zugunsten der abhän- gig Beschäftigten. Ausgehend von der Mitte der 1960er-Jahre bis Ende der 1970er-Jahre herrschte eine Aufbruchstimmung. Sie äußerte sich in unterschiedlichen Formen: Verhältnis zu Autorität bzw. Autoritäten, Aufbrechen von Hierarchien, Veränderungen der Beziehung zwi- schen Mann und Frau und nicht zuletzt das Verhältnis zur Sexualität. Als ich 1961 heiratete, war ich ein Jahr lang Vormund meiner „erst“ 20-jährigen Frau. Begleitet wurde diese „Stimmung“ von gesellschaftskritischer Literatur, die uns viele neue Ansichten und Argumente lieferte.

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