Full text: 40 Jahre 40-Stunden-Woche in Österreich. Und jetzt? (18)

70 der Freizeitoption eine positive Wirkung auf die Beschäftigung ausübt. Des Weiteren hätte der Beschäftigungseffekt zumindest den in den letzten Jahren in dieser Industriebranche stattge- fundenen Abbau an Beschäftigten kompensieren können. Die vielen positiven Rückmeldungen aus den Betrieben haben jedenfalls dazu geführt, dass die Sozialpartner auch in den Jahren 2014 und 2015 dieses Instrument im Kollektivvertrag verankert haben. Weitere Branchen folgten, so z. B. die Papierindustrie und schlussendlich im Jahr 2016 auch alle Fachverbände der Metallindustrie. 4 DIE GPA-DJP-KAMPAGNE ZUR ARBEITSZEIT Die GPA-djp hat deshalb im Jahr 2015 eine große Kampagne gestartet und in einer österreich- weiten Konferenz der Betriebsrätinnen und Betriebsräte das Thema „Kürzer arbeiten – leichter leben“ zu diskutieren begonnen. Dabei wird eine generelle Verkürzung der gesetzlichen Arbeitszeit auf 38,5 Stunden gefordert. Dies stellt eine wichtige Maßnahme zur Angleichung der Arbeitszeitbedingungen für alle Ar- beitnehmerInnen dar, die sofort umgesetzt werden könnte. Denn bereits jetzt haben viele Ar- beitnehmerInnen eine Normalarbeitszeit von 38,5 Stunden in ihrem Kollektivvertrag, daher sollte man dies auch im Arbeitszeitgesetz fixieren. Ein nächster Schritt der Verkürzung der Normalarbeitszeit soll auf 35 Stunden erfolgen und zunächst in den einzelnen Branchen-Kollektivverträgen umgesetzt werden. Die Verkürzung muss mit vollem Lohn- und Gehaltsausgleich erfolgen. Eine wichtige Forderung ist, dass die tatsächlich geleistete wöchentliche und tägliche Arbeits- zeit sinkt. Die Reduktion der Überstunden muss daher das erste wichtige Ziel sein. Um die Attraktivität von Überstunden zu reduzieren, sollen etwa ArbeitgeberInnen, in deren Unterneh- men besonders viele Überstunden geleistet werden, höhere Beiträge zur Arbeitslosenversi- cherung bezahlen. Auch weitere Maßnahmen, um Überstunden weniger attraktiv zu machen, sind sinnvoll. Bestehende Durchrechnungszeiträume sind auf ihre Auswirkungen auf die Be- schäftigten zu überprüfen und gegebenenfalls neu zu regeln. Das Erreichen der sechsten Urlaubswoche soll erleichtert werden, denn immer weniger Ar- beitnehmerInnen sind lange genug in einem Unternehmen, um einen Anspruch auf die sechs- te Urlaubswoche zu erwerben. Bildung wird als zentrales Thema und als Herausforderung eines immer flexibler und fordern- der werdenden Arbeitsmarkts gesehen. Damit wir uns dieser Herausforderung stellen können, wird eine Woche Bildungsfreistellung pro Jahr für alle ArbeitnehmerInnen gefordert. Das Thema Arbeitszeitverkürzung wird die Gewerkschaften in den nächsten Jahren noch sehr beschäftigen, denn Verteilungsgerechtigkeit ist in Österreich noch lange nicht erreicht.

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.