Full text: Corporate Governance Kodex

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8. Zusammenfassung der Untersuchung 
? Verpflichtungserklärung: nur knapp die Hälfte der börsenotierten Unternehmen 
Nach nunmehr drei Jahren Gültigkeit haben sich lediglich 38 Unternehmen und damit noch nicht 
einmal die Hälfte der börsenotierten Gesellschaften (48 %) dem Kodex verpflichtet. Auch die 
Verpflichtung für alle Unternehmen des Prime Markets, eine Erklärung abzugeben, hat die unzu-
friedenstellende Akzeptanz des Kodex nur unwesentlich verbessern können. Nach wie vor gibt es 
einige Unternehmen des Prime Markets, die den Kodex nicht einhalten. 
Von nichtnotierenden Gesellschaften sind dem Autor bis heute überhaupt keine Verpflichtungser-
klärungen bekannt. Von insgesamt über 1000 im weiteren Sinn angesprochenen Aktiengesell-
schaften haben sich somit nur 5 % bisher dem Kodex verpflichtet. 
 
? Überwiegend Unternehmen des Prime Markets verpflichten sich 
Verpflichtungserklärungen wurden beinahe ausnahmslos von den „Haupt-Playern“ am Wiener 
Börsenparkett abgegeben. Mit wenigen Ausnahmen haben sich beinahe ausschließlich Unter-
nehmen des Prime Markets dem Kodex verpflichtet. In den übrigen Börsemärkten scheint 
der Kodex auch drei Jahre nach seiner Einführung auf Desinteresse zu treffen. Lediglich 8 
Unternehmen außerhalb des Prime Markets halten den Kodex ein.  
 
? Unklare Bekenntnisse 
Bei etlichen Unternehmen finden sich auf der Homepage oder im Geschäftsbericht eigene Kapitel 
mit der Überschrift „Corporate Governance“. Bei näherer Betrachtung kann aber nicht erkannt 
werden, ob es sich nun um eine Verpflichtungserklärung handelt oder nicht. Beispiel AvW: „Der 
Corporate Governance Kodex wird derzeit schrittweise umgesetzt, Regel 69 ist bereits vollinhalt-
lich eingehalten“. 
Genauso unverbindlich wie der Kodex sind somit auch so manche Verpflichtungserklärungen. 
Dies geht freilich auf Kosten der Vertrauenswürdigkeit des gesamten Werkes.  
 
? Mangelnde Berichterstattung – viele Abweichungen 
Mit Ausnahme der OMV hält kein einziges Unternehmen den Kodex zur Gänze ein. Viele Unter-
nehmen haben mehr als 5 Abweichungen vom Kodex, wobei meist nur über die Nichteinhaltung 
der Comply or Explain-Regelungen berichtet wird.  
Die meisten Nichteinhaltungen beziehen sich auf die Nichteinhaltung von Alterslimits im Aufsichts-
rat oder Vorstand, auf die Nichteinrichtung von Ausschüssen im Aufsichtsrat, die Einrichtung einer 
eigenen Revisionsabteilung bzw die Berichterstattung über Revision oder auf die Anzahl der Auf-
sichtsratsmitglieder. 
 
? Berichterstattung über Recommendations: nur in Ausnahmefällen    
Recommendations sind Empfehlungen, über deren Einhaltung nicht berichtet werden muss. Ob 
sich die Unternehmen nun auch in der Praxis an die Empfehlungen halten, wird aber nur selten 
berichtet. Dadurch ist es externen Interessenten nicht möglich, die Einhaltung dieser Empfehlun-
gen zu beurteilen.  
 
? Transparenz bei den Vorstandsgehältern 
Die Vorstandsgehälter sollen laut Kodex individuell veröffentlicht sowie nach fixen und variablen 
Bestandteilen aufgegliedert werden.  
Nur 11 der 79 börsenotierten Gesellschaften haben tatsächlich eine individuelle Veröffentlichung 
der Vorstandsgehälter vorgenommen. 23 Unternehmen haben die Vorstandsbezüge nach fixen 
und variablen Anteilen aufgegliedert. Hier zeigt sich, dass Empfehlungen offensichtlich zu wenig 
sind und nur verbindliche Regelungen mehr Transparenz schaffen können.
        

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