Full text: The political economy of income distribution: industry level evidence from Austria (156)

Zusammenfassung 
 
Seit den Achtzigerjahren kam es zu einem signifikanten Rückgang der Lohnquote, also des 
Lohnanteils am Bruttoinlandsprodukt, sowohl in den entwickelten als auch in den 
Entwicklungsländern. In dieser Studie werden die Ursachen dieses Rückgangs anhand von 
Branchendaten aus unterschiedlichsten OECD Staaten untersucht, wobei für Österreich eine 
vertiefende Analyse erfolgt. Zunächst wird ein umfassender Branchendatensatz erstellt, der 
Informationen von 1970 bis 2011 für neun OECD-Länder (Dänemark, Deutschland, 
Frankreich, Italien, Österreich, Schweden, Spanien, UK und die USA) umfasst. Die 
Verwendung von Branchen-Länderdaten erlaubt uns unterschiedliche Entwicklungen für 
Sektoren mit hohen und geringen Qualifikationsanforderungen getrennt nach Fertigungs- und 
Dienstleistungsbereich zu analysieren. Durch Regressionsanalysen auf Länderebene können 
wir auch die Auswirkungen von institutionellen Unterschieden hinsichtlich industrieller 
Beziehungen oder des Entwicklungstandes des Sozialstaates auf die Lohnquoten in den 
einzelnen Staaten untersuchen. 
Unsere Ergebnisse zeigen einen starken Einfluss politischer und machtbedingter 
Einflussfaktoren auf die Lohnquote und stützen somit Erklärungsmodelle die eine starke 
polit-ökonomische Dimension aufweisen. 
Der Einfluss des technischen Wandels ist für Österreich, Italien, die USA und auf globaler 
Ebene nachweisbar, allerdings ist dieser Effekt nicht besonders robust gegenüber dem 
Einbeziehen anderer Länderbeispiele oder anderer Variablenspezifikationen. 
Die Lohnquote wird vor allem von der Verhandlungsmacht der Gewerkschaften stark 
beeinflusst, abgebildet in den Variablen Gewerkschaftsdichte, KV-Erfassung und teilweise 
Sozialausgaben der Regierung. Allerdings unterscheiden sich auch hier die einzelnen Länder 
erheblich, was für eine länderweise Analyse dieser Prozesse spricht.  
Die Globalisierung hat einen massiv dämpfenden Einfluss in allen Ländern, wobei dieser in 
Dänemark am wenigsten ausgeprägt ist. In Deutschland, Österreich und in geringerem 
Ausmaß im UK wird dieser Druck vor allem über steigende Anteile von Vorproduktimporten 
und durch höhere Investitionen ins Ausland vermittelt. Beides deutet auf einen Einfluss 
internationaler Outsourcing-Aktivitäten hin. In Spanien ist der Einfluss des Imports von 
intermediären Gütern schwächer, während Direkt-Investitionen ins Ausland in den USA und 
in Frankreich einen geringeren Effekt haben. 
Schätzungen für ausgewählte Niedriglohnländer (Brasilien, China, Indonesien, Indien, 
Südkorea, Mexico, Taiwan und die Türkei) bestätigen eine negative Auswirkung der 
Globalisierung auch in diesen Staaten, allerdings vermittelt über einen dämpfenden Einfluss 
der zunehmenden Exporte von Niedriglohnländern zu Hochlohnländern. 
Auch bei den institutionellen Variablen ergeben sich Unterschiede. In Deutschland und 
Österreich, erklärt die abnehmende Gewerkschaftsdichte einen großen Teil des Rückgangs 
der Lohnquote, wobei anzumerken ist, dass die kollektivvertragliche Deckungsrate in 
Österreich aufgrund ihrer Stabilität als erklärende Variable nicht verwendet werden konnte. 
In Frankreich, dem UK und den USA zeigt sich der Einfluss dagegen überwiegend in den 
Koeffizienten der Deckungsrate und der Sozialausgaben. 
Die Finanzialisierung hat in Österreich, dem UK und den USA sehr klar negative Effekte auf 
die Lohnquote, auch in Deutschland ist ein Effekt nachweisbar. Keine klaren Ergebnisse 
zeigen sich für den Einfluss der persönlichen Einkommensverteilung auf die Lohnquote, hier 
gibt es allerdings Anzeichen eines gewissen Zusammenhangs zumindest in Österreich, 
Deutschland, dem UK und den USA.
        

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