Volltext: Beschäftigungssituation und Problemlagen von MigrantInnen - Exploration des Status quo in Wien

28 B Offene Fragen & Forschungslücken • Drittstaaten – Erwerbsbeteiligung. Im Gegensatz zu allen anderen Gruppen, geht die Beschäftigungsquote bei Personen mit einer Ausbildung aus Drittstaaten und da insbesondere bei Frauen zurück bzw. verbleibt auf einem vergleichsweise geringen Niveau. Über die Gründe dafür (z.B. verdrängungswettbewerbe, Diskriminierung, Dequalifizierung etc.) lassen sich bis dato allerdings nur Mutmaßungen anstellen. • Bildungsstagnation bei der 2. Generation aus Drittstaaten. Während das Bildungsniveau insgesamt steigt und davon auch die meisten Bevölkerungsgruppen profitieren, gilt das nicht für die 2. Generation mit Eltern aus Drittstaaten. Die Stagnation des Anteils höherer Bildung bei dieser Gruppe geht einher mit leichten Zuwächsen bei mittlerer und niedriger Bildung. Zu den Gründen lassen sich bis dato nur Vermutungen anstellen. Bemerkenswert ist jedenfalls, dass während bei den 15- bis 29-Jährigen mit Eltern aus Drittstaaten der Anteil mit höchstens Pflichtschulabschluss bei rund 22% verharrt, bei der dazugehörigen Elterngeneration aber eine positive Dynamik messbar ist (von 51% auf 44%). D.h. die Stagnation ist mit der hohen sozialen Selektivität des österreichischen Bildungssystems nur unzureichend erklärt. Es scheint, dass nicht nur der reale Bildungshintergrund der Eltern beim Bildungserwerb eine Rolle spielt, sondern auch die Wahrnehmung der Eltern durch die PädagogInnen. Ein Akzent, ein nicht fehlerfreies Deutsch oder eine gering qualifizierte Tätigkeit unabhängig von der tatsächlichen Qualifikation der Eltern kann zu einer Voreingenommenheit gegenüber Kindern und in weiterer Folge zu deren Benachteiligung führen. • Verdrängungsprozesse. Von FachexpertInnen wird zunehmend die Verdrängung von länger ansässigen, formal niedrig qualifizierten ZuwanderInnen aus Drittstaaten (bzw. deren Kinder) durch neue, besser qualifizierte ZuwanderInnen insbesondere aus den neuen EU-Staaten thematisiert. Tatsächlich zeigt sich aber, dass die Arbeitsmarktchancen für NeuzuwanderInnen nicht nur bei vorhandener höherer Bildung größer sind, sondern auch dann, wenn sie formal ähnlich niedrig qualifiziert sind wie WienerInnen mit einem Migrationsbezug zu einem Drittstaat. Die Prozesse dahinter und die Probleme von ZuwanderInnen der ersten und zweiten Generation aus Drittstaaten sind noch nicht im Detail analysiert. • Mehr Know-how über Entwicklungsprozesse zwischen 1. und 2. Generation. Die Integrationsfähigkeit des Arbeitsmarkts zeigt sich nicht zuletzt im Zeit- und Generationenverlauf. D.h. es braucht eine differenzierte Analyse der Arbeitsmarktpositionierung der 1. und 2. Generation im Hinblick auf Erwerbsbeteiligung, Einkommen, berufliche Tätigkeit, die Wirkung von Qualifizierungs- und Integrationsprogrammen etc., um Entwicklungstendenzen einschätzen bzw. überblicken zu können und darauf aufbauend adäquate Strategien zu entwickeln.

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