Volltext: Verankerung wohlstandsorientierter Politik (165)

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complement GDP with other indicators that address social and environmental issues“. Und 
auch das Europäische Parlament (2011: 2) bestätigte in einer Resolution zum Thema aus 
dem Jahr 2011, dass „the need to improve data and indicators to complement GDP for 
overall societal development is increasingly recognised“.  
Während jedoch das Bewusstsein von der Unzulänglichkeit traditioneller Kennzahlen 
gesellschaftlichen Wohlstands und Fortschritts wächst und eine Vielzahl von Vorschlägen 
für die Ersetzung bzw. Ergänzung des BIP durch alternative Indikatoren entwickelt wurde 
(für einen knappen Überblick vgl. etwa Diefenbacher/Zieschank 2011; Enquete-
Kommission 2013: 299-335),2 ist deren politische Wirkmächtigkeit bislang verhalten. Oder 
wie selbst die Europäische Kommission (2013: 7) in ihrem Zwischenresümee zur Beyond 
GDP-Initiative es formulierte: 
„With the novel ,GDP and Beyond‘ indicators becoming increasingly available, the 
challenge now is how to link the new insights they provide with the existing tools for 
policy assessment and evaluation, be they econometric models or political narratives. 
Further attention also needs to be given to how to effectively integrate and 
communicate the available indicators and summarise data.“ 
Bereits mit Blick auf die Sozialindikatoren-Debatte der 1960er- und 1970er-Jahre wurde in 
diesem Kontext konstatiert, dass deren mangelhafte politische Wirkmächtigkeit u.a. mit 
dem hier vorherrschenden, „overly simplistic view of how knowledge influences policy“ 
(Sharpe 1999: 8) zu tun hatte. Der bloße Umstand nämlich, dass solche Indikatoren zwar 
stets mit einem bestimmten Verständnis von gesellschaftlichem Wohlstand verbunden 
sind, sich jedoch nicht automatisch in eine entsprechend wohlstandsorientierte Politik 
übersetzen, blieb damals wie heute häufig außen vor. Dadurch jedoch gerät auch die 
grundlegende Einsicht aus dem Blick, dass – wie Lutz Brangsch (2011) es mit Blick auf die 
aktuelle Debatte pointiert formulierte – „Kennzifferfragen […] Machtfragen“ sind. 
Vor dem Hintergrund dieser Herausforderungen rückten in den vergangenen Jahren 
vereinzelt Fragen nach den wesentlichen Barrieren für die politische Wirkmächtigkeit 
alternativer Indikatoren bzw. nach Möglichkeiten ihrer Überwindung in den Fokus der 
Forschung (vgl. etwa Whitby et al. 2014).3 So wurde beispielsweise in Deutschland 2012 
                                                 
2
 So merkt etwa auch die Statistik Austria (2015a: 30) kritisch an, „dass die Zahl der verschiedenen 
Indikatorensets mittlerweile kaum mehr überschaubar“ sei. Laut Whitby et al. (2014: 3) hat dieser 
Umstand insofern auch weitreichende Auswirkungen auf die politische Wirkmächtigkeit der 
Indikatorendebatte, als „the sheer number and diversity of alternative indicators has made it difficult for 
their relevance and meaning to be appreciated by decision makers“. 
3
 Das über das 7. EU-Rahmenprogramm finanzierte Forschungsprojekt Brainpo(o)l – Bringing alternative 
indicators into policy beschäftigte sich in international vergleichender Perspektive mit dem Thema (vgl.
        

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