Full text: Öffentliche Räume in Stadtentwicklungsgebieten Wiens (Nr 23)

ÖFFENTLICHE RÄUME IN STADTENTWICKLUNGSGEBIETEN WIENS 
2 ARBEITERKAMMER WIEN 
1. DER ÖFFENTLICHE RAUM 
Gerade in neu geplanten Stadtentwicklungsgebieten stellt sich die Frage, welche Räume für Begeg-
nung, Miteinander oder auch Konfrontation vorgesehen werden sollen. Öffentliche Räume haben 
dabei einen zentralen Stellenwert. In zahlreichen Dokumenten zu städtischen Räumen wird der öf-
fentliche Raum thematisiert: Beispiele dafür sind das „Beurteilungsblatt für geförderten Wohnbau der 
Stadt Wien“1, Publikationen wie „Kommerzielle und nicht-kommerzielle Nutzung im öffentlichen 
Raum“2, „Wiener Leitbild öffentlicher Raum“3, „Integration im öffentlichen Raum“4, Stadtentwick-
lungsplan 20255 oder das „Mission Statement soziale Arbeit im öffentlichen Raum“6. 
Einerseits bezieht sich der Begriff auf Räume, die in Grundbesitz und Verwaltung der öffentlichen 
Hand liegen. Häufig werden auch öffentlich zugängliche Räume, wie nicht eingezäunte Außenräume 
von Wohnhausanlagen, Einkaufszentren oder Haltestellen und Bahnhöfe des öffentlichen Verkehrs 
als „halb-“ oder „teilöffentliche“ Räume als Aspekte der öffentlichen Räume subsumiert. Der Grund-
besitz prägt über Regeln, Pflege und Haftung immer die Zugänglichkeit: Zu welchen Zeiten sind die 
Räume offen? Wer darf sich dort aufhalten? Welche Gruppen werden ausgeschlossen? 
Im Alltag ist häufig der sozialräumliche Hintergrund prägend. Vielfach ist nicht leicht erkennbar, wem 
welcher öffentlich zugängliche Raum gehört. Im Rahmen dieser Untersuchung zu neuen Stadtent-
wicklungsgebieten wird der öffentlich zugängliche Raum unter dem Blickwinkel des sozialen 
Raumes betrachtet. In Anlehnung an Löw7 wird ein relationales Raumverständnis vorgeschlagen, 
das die Herstellungsprozesse von Raum betont. Löw verweist auf die Beziehung von Lebewesen 
und sozialen Gütern, die in immer wiederkehrenden Prozessen, die Räume herstellen. Dies verweist 
darauf, dass der gebaute Raum ein Teilaspekt ist, ebenso wie die Besitzverhältnisse, die von unter-
schiedlichen Menschen in wiederkehrenden Alltagspraktiken interpretiert werden. Grundsätzlich gilt, 
dass kein Raum immer für alle Menschen gleich offen ist, alle Räume – und auch deren Herstel-
lungsprozesse – werden in laufenden gesellschaftlichen Prozessen ausgehandelt. 
Die Situation der öffentlichen Räume in Wien wird in den letzten Jahren durch zwei Entwicklungen 
besonders geprägt: Durch das starke Wachstum der Stadt stellen immer mehr Menschen immer 
vielfältigere Ansprüche an den öffentlichen Raum. Gleichzeitig ist eine Verräumlichung von gesell-
schaftlichen Konflikten8 wahrnehmbar. Sichtbarer Armut, der Präsenz von Menschen mit nicht-
weißer Hautfarbe oder auch größeren Gruppen von Jugendlichen wird immer häufiger mit Forderun-
gen an die öffentliche Hand begegnet, über soziale Arbeit, über Kontrolle und Wegweisung wieder 
„Sicherheit“ herzustellen. Die zunehmende Privatisierung (z. B. der Wiener Linien) und Kommerziali-
sierung des im Besitz der Stadt befindlichen Raumes verstärkt die Knappheit zusätzlich und auch 
den Wunsch, wenig kaufkräftige Gruppen zu verdrängen. 
                                                     
1 Wohnfonds Wien (2015): Beurteilungsblatt, 4-Säulenmodell. 
2 Bork, H.; Klinger, S., Zech, S. (2015): Kommerzielle und nicht-kommerzielle Nutzung im öffentlichen Raum. 
3 Stadt Wien, Magistratsabteilung 19 – Architektur und Stadtgestaltung (2009): Freiraum stadtraum Wien. Das Wiener Leit-
bild für den öffentlichen Raum. 
4 Stadt Wien, Magistratsabteilung 18 – Stadtentwicklung und Stadtplanung (2006): Integration im Öffentlichen Raum. 
5 Stadt Wien, Magistratsabteilung 18 – Stadtentwicklung und Stadtplanung (2014): Stadtentwicklungsplan Wien 2025. 
6 Stadt Wien (2013): Mission Statement soziale Arbeit im öffentlichen Raum. 
7 Löw, M. (2001): Raumsoziologie. 
8 Böhnisch, L. (2006): Politische Soziologie.
        

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