Full text: Industrie 4.0

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?  Industrie 4.0 als effizienzorientiertes Rationalisie-
rungsprogramm
?  Negative Beschäftigungseffekte für bestimmte Be-
völkerungsgruppen (z.B: Niedrigqualifizierte)
?  Veränderung der Qualifikationsanforderungen
?  Verdrängung von Regelbeschäftigten zugunsten 
zeitlich befristeter Spezialisten und Hilfskräfte
?  Ungleiche Verteilung der Produktivitätszuwächse 
zugunsten der Kapitaleigner („Who owns the ro-
bots rules the world“)2
?  Betriebliche Mitbestimmung für einen immer 
geringeren Anteil der abhängig Beschäftigten
?  Szenarien zur betrieblichen Realitäten und Arbeits-
organisation reichen von der Technik untergeord-
neten, polarisierten bis hin zu inklusiven, mensch-
zentrierten Formen der Arbeitsgestaltung. Es gilt 
Überlegungen zur Steigerung der Qualität von Be-
schäftigten zu fördern und die Debatte diesbezüg-
lich zu beeinflussen.
Wesentliche Erkenntnisse 
Technologischer Fortschritt verändert die Arbeitsor-
ganisation und ermöglicht die Automatisierung von 
Tätigkeiten. Im Zuge der Digitalisierung verändern 
sich Tätigkeitsprofile von Berufen, Berufsstrukturen 
und Belegschaften teilweise radikal. Es ist wichtig 
zu betonen, dass nicht analog zur Frey und Osbor-
ne (2013)3 Studie neue Technologien ganze Arbeits-
plätze rationalisieren4, sondern gewisse Tätigkeiten 
automatisierbar werden, die in unterschiedlichem 
Ausmaß Bestandteil eines Arbeitsplatzes sind5. Und: 
Der technologische Wandel, verändert nicht nur Be-
rufsprofile, er lässt auch neue entstehen.
Dabei gilt die Tendenz: Gut qualifizierte Menschen, 
2  Freeman, R. (2014): Who owns the robots rules the world. IZA World of 
Labor. 2014; May. Siehe auch: http://harvardmagazine.com/2016/05/
who-owns-the-robots-rules-the-world (06.10.2016)
3  Frey, C. und Osborne, M. (2013): The Future of Employment: How 
Susceptible are Jobs to Computerisation? Oxford University http://
www.oxfordmartin.ox.ac.uk/downloads/academic/The_Future_of_Em-
ployment.pdf (06.10.2016)
4  Bonin et al. (2015): Übertragung der Sudie von Frey/Osborne (2013) auf 
Deutschland, ZEW an das Bundesministerium für Arbeit und Soziales 
ftp://ftp.zew.de/pub/zew-docs/gutachten/Kurzexpertise_BMAS_
ZEW2015.pdf (10.10.2016)
5  Arntz, M., T. Gregory and U. Zierahn (2016), “The Risk of Automation 
for Jobs in OECD Countries: A Comparative Analysis”, OECD Social, 
Employment and Migration Working Papers, No. 189, OECD Publis-
hing, Paris.http://dx.doi.org/10.1787/5jlz9h56dvq7-en (10.10.2016)
welche, in interaktiven und kommunikativen Arbeits-
organisationen, in Ländern mit bereits gut ausge-
bauter IKT Infrastruktur arbeiten, sind am besten auf 
die Veränderungen vorbereitet4. Der digitale Wandel 
ermöglicht denkbar viele neue Arbeitsmodelle und 
Arbeitsformen. Ob diese neuen Arbeitsmodelle und 
Arbeitsformen zu höheren Einkommen, Effizienz, 
Flexibilität und Zufriedenheit oder weniger sozialem 
Schutz und mehr prekären Beschäftigungsverhält-
nisse führen, ist nicht durch Technik determiniert son-
dern Gegenstand wirtschafts- und sozialpolitischer 
Entscheidungen6. Denn denkbar sind Ausprägung 
der Arbeitsorganisation entlang der Extreme mit ei-
nem „Automatisierungsszenario“7, oder einer „polari-
sierten Organisation“8 auf der einen Seite und einem 
„Werkzeugszenario“7 oder einer „Schwarm-Organi-
sation“8 auf der anderen Seite der Skala. Während 
erst genannte Szenarien ein Bild von abgewerteten 
Fachkräften in einer technikzentrierten Arbeitswelt 
beschreiben, malen zweit genannte Szenarien ein 
Bild in dem übergreifend arbeitende, hochqualifizier-
te Beschäftigte die Technik zur Steigerung der Quali-
tät der Arbeit einsetzen.
Die wirtschaftlichen Potenziale von Industrie 4.0 wer-
den durchweg als verheißungsvoll beschrieben (vgl. 
Berger 20149, BITKOM/IAO 201410, PwC 201411)9. 
Um dieses Potenzial zu heben und die Vision der 
Technologieführerschaft im Zusammenhang mit In-
dustrie 4.0 verwirklichen zu können bedarf es zu aller 
erst einer deutlichen Ausweitung privater wie staat-
licher Investitionen. Die Rahmenbedingungen da-
für zu schaffen ist Aufgabe des unternehmerischen 
Staats1, welcher in diesem Zusammenhang wachs-
tumsschaffende Impulse setzen kann und dafür von 
fiskalpolitischen Restriktionen abweichen können 
6  Editorial, (2016), Automatisierung und Beschäftigung. Makroökono-
mische Zusammenhänge und politische Gestaltungsspielräume, Wirt-
schaft und Gesellschaft 2016, Band 42 Nr.1, S3-18 http://wug.akwien.
at/WUG_Archiv/2016_42_1/2016_42_1_0003.pdf (23.10.2016)
7  Holtgrewe, U., Riesenecker T. und Flecker J. (2016): Industrie 4.0 – Eine 
arbeitssoziologische Einschätzung https://media.arbeiterkammer.at/
wien/PDF/studien/digitalerwandel/Industrie_4.0.pdf (02.11.2016)
8  Hirsch-Kreinsen, H. (2014): Welche Auswirkungen hat Industrie 4.0 
auf die Arbeitswelt? http://library.fes.de/pdf-files/wiso/11081.pdf 
(02.11.2016)
9  Berger, R. (2014): The new industrial revolution, How Europe will 
succeed, München. https://www.rolandberger.com/publications/publi-
cation_pdf/roland_berger_tab_industry_4_0_20140403.pdf (11.10.2016)
10  BITKOM; Frauenhofer IAO (2014): Industrie 4.0 – Volkswirtschaftliches 
Potenzial für Deutschland, Berlin. https://www.bitkom.org/Publikatio-
nen/2014/Studien/Studie-Industrie-4-0-Volkswirtschaftliches-Potenzi-
al-fuer-Deutschland/Studie-Industrie-40.pdf (11.10.2016)
11  PwC (2014): Industrie 4.0, Chancen und Herausforderungen der vier-
ten industriellen Revolution. http://www.strategyand.pwc.com/media/
file/Industrie-4-0.pdf (11.10.2016)
        

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