Full text: Technologischer Wandel & Ungleichheit

Technologischer Wandel & Ungleichheit 29 einer Freisetzung von Arbeitskräften und damit potentiell zu technologischer Arbeitslo- sigkeit aufgrund der Substitution von menschlicher Arbeitskraft durch Maschinen. Dieser Effekt ist in Abbildung 5 durch ? gekennzeichnet. Allerdings stehen den direkten Frei- setzungseffekten Marktmechanismen gegenüber, die diese teilweise kompensieren können. Die folgende Beschreibung dieser Kompensationseffekte, die in Abbildung 5 mit ? bis ? nummeriert sind, orientiert sich an Vivarelli (1995: S. 26 ff.; 2014: S. 125 ff.). Häufig werden die kompensatorischen Mechanismen auf indirekte Effekte, die sich aus der höheren Arbeitsproduktivität und den damit verbundenen niedrigeren Produktions- kosten ergeben zurückgeführt: Durch die niedrigeren Produktionskosten können Unter- nehmen in kompetitiven Märkten die Preise senken, wodurch wiederum die Nachfrage stimuliert wird. Ob und wie stark dieser Effekt, ? compensation „via decrease in pri- ces“, zum Tragen kommt, hängt vor allem von der Preiselastizität der Endnachfrage ab. Ein verwandtes (neoklassisches) Argument bezieht sich auf Kompensationseffekte, die durch sinkende Reallöhne zustande kommen (? compensation „via decrease in wa- ges“). Arbeitslosigkeit, die aufgrund der Substitution von Arbeitskräften durch Maschi- nen entsteht, wird, so wie jede Form der Arbeitslosigkeit in neoklassischen Arbeits- marktmodellen, kompensiert, indem die Reallöhne in vollkommenen Arbeitsmärkten mit flexiblen Löhnen sinken. Niedrigere Reallöhne führen zu einer höheren Arbeitsnachfrage während das Arbeitsangebot sinkt wodurch das Arbeitsmarktgleichgewicht wieder her- gestellt wird. Abgesehen davon, so diese Argumentationslinie, reduzieren niedrigere Reallöhne die Produktionskosten und es kommt zu den bereit beschriebenen Preiseffek- ten. Die Stärke dieses Lohneffekts hängt in erster Linie davon ab, inwieweit die Annahmen des neoklassischen Modells, wie perfekte Substituierbarkeit der Inputfaktoren, voll- kommene Konkurrenz und flexible Löhne, erfüllt sind. Da sich dieser Kompensationsef- fekt auf einen rein partialanalytischen Erklärungsansatz stützt, finden mögliche negative Nachfrageeffekte, die durch niedrigere Reallöhne auf der Makroebene hervorgerufen werden, keine Berücksichtigung in dieser Argumentation. In Märkten mit unvollkomme- ner Konkurrenz, die den realen Marktbedingungen stärker entsprechen, werden niedri- gere Produktionskosten häufig nicht unmittelbar zu Preissenkungen führen, sondern möglicherwiese auch zu höheren Erträgen. Nur wenn innovierende Unternehmen ihren lukrierten Kostenvorteil dazu nutzen, um in neue Anlagen zu investieren, werden sich somit auch Produktion und Beschäftigung (zunächst im Kapitalgütersektor und danach auch im Konsumgütersektor) erhöhen. Die Stärke dieses Nachfrageeffekts, ? compen- sation „via increase in machineries“, hängt u.a. davon ab, wie arbeitsintensiv die Produk- tion neuer Maschinen ist.

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