Full text: Arbeitsrecht (129)

14. Verfahren und Behörden im Arbeitsrecht 14.1. Arbeitsgerichtsbarkeit Das mit 1. 1. 1987 in Kraft getretene Arbeits- und Sozialgerichtsgesetz (ASGG) brachte er- hebliche Änderungen in der Gerichtsorganisation mit sich. Die Zuständigkeit zur Entschei- dung über arbeits- und sozialrechtliche Streitigkeiten, die früher auf eine Vielzahl von Ge- richts- und Verwaltungsbehörden, so insb die Arbeitsgerichte, die Schiedsgerichte der Sozi- alversicherung und die Einigungsämter, verteilt war, wurde bei den ordentlichen Gerichten konzentriert1. 14.1.1. Sachliche Zuständigkeit der Arbeits- und Sozialgerichte in Arbeitsrechtssachen Durch Festlegung der sachlichen Zuständigkeit wird bestimmt, welcher Gerichtstyp für welche Rechtssachen zuständig ist. Gem § 3 ASGG sind die Landesgerichte2 – für den Sprengel des Landesgerichts für ZRS Wien das Arbeits- und Sozialgericht Wien – in erster Instanz zur Entscheidung in Arbeits- und Sozialrechtssachen zuständig3. Arbeitsrechtssachen sind gem § 50 Abs 1 ASGG bürgerliche Rechtsstreitigkeiten a) zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern im Zusammenhang mit dem Arbeitsverhält- nis oder mit dessen Anbahnung (zB Streitigkeiten über Entgeltansprüche4, über Ansprüche aus der Beendigung des Dienstverhältnisses, über Schadenersatzansprüche, Kautionen, Dienstwohnungen, Vorstellungskosten udgl); 1055 1 Allg vgl Kuderna, Erfahrungen mit dem ASGG aus der Sicht des OGH, DRdA 1989, 173; dens, Die Entwick- lung der Arbeitsgerichtsbarkeit in Österreich, DRdA 1997, 341; Rechberger, Das ASGG aus der Sicht der Rechtswissenschaft, DRdA 1989, 263; Müller, Erfahrungen mit dem ASGG aus der Sicht eines Anwalts, DRdA 1989, 267; Gamerith, Fünf Jahre ASGG – Rückblick und Ausblick, in Tomandl (Hrsg), Arbeitsrecht in einer sich wandelnden Rechtsordnung (1993), 115. Zur Entstehungsgeschichte des ASGG vgl insb Macha- cek, Struktur und Funktion einer zu schaffenden Sozialgerichtsbarkeit, in FS Floretta (1983), 723; B. Schwarz, Sozialgerichtsgesetz im Stadium der Vorberatung, DRdA 1981, 334; Wresounig, Gedanken zur Reform der Sozialgerichtsbarkeit, ÖJZ 1982, 345 u 387; Zankel, Die Anwendbarkeit der Zinsregelung des § 49a ASGG im arbeitsgerichtlichen Prozess, DRdA 2008, 20; Nunner-Krautgasser, Gerichtsstandsvereinbarung, in Reiss- ner/Neumayr (Hrsg), Zeller Handbuch Arbeitsvertrags-Klauseln (2010), 1009. 2 Ds in Niederösterreich das LG St. Pölten, das LG Krems/Donau, das LG Korneuburg und das LG Wiener Neustadt; in Oberösterreich das LG Linz, das LG Ried im Innkreis, das LG Wels und das LG Steyr; in der Steiermark das LGZ Graz und das LG Leoben; in Kärnten das LG Klagenfurt; in Tirol das LG Innsbruck; in Vorarlberg das LG Feldkirch und im Burgenland das LG Eisenstadt. 3 Zu den Konsequenzen der Anrufung von sachlich oder örtlich unzuständigen Gerichten s Fink, Die Heilung von Unzuständigkeiten nach dem ASGG – Die Wahrnehmung der prorogablen und der unprorogablen Unzu- ständigkeit in Arbeitsrechtssachen, RdW 1987, 261 mwN. 4 Nicht als bürgerliche Rechtsstreitigkeiten wurden Entgeltansprüche eines Beamten nach Ausgliederung der österreichischen Postaktiengesellschaft angesehen und somit die Zuständigkeit des ASG verneint (OLG Graz 29. 12. 2005, 7 Ra 85/05g). 14/001 14/002 14/003

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