Full text: Zur Zukunft von Arbeit und Wohlfahrtsstaat (19)

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Zeitgleich mit der Einführung des Pflegegeldes wurde auch ein „flächendeckender Ausbau 
sozialer Dienstleistungen“ festgeschrieben (Geppert 1993, 350). Ein ausreichendes und leist-
bares Angebot an Betreuungs- und Pflegedienstleistungen ist nicht nur in Hinblick auf die 
Wahlfreiheit der pflegebedürftigen Menschen, sondern auch für die Vereinbarkeit von Angehö-
rigenpflege und Erwerbsarbeit von großer Bedeutung. Die wichtigsten Betreuungs- und Pfle-
gedienstleistungsangebote in Österreich lassen sich in stationäre, teilstationäre und mobile 
Angebote unterteilen. Im Bereich der ambulanten Betreuungs- und Pflegedienstleistungen 
kam es in den letzten Jahren zwar zu einem beträchtlichen Ausbau, und Schätzungen für das 
Jahr 2025 gehen von weiteren Steigerungen zwischen 25 % und 43 % aus (vgl. Schneider et 
al. 2011). Meier weist jedoch darauf hin, dass „die Einsätze des professionellen mobilen Per-
sonals in der häuslichen Pflege und Betreuung aufgrund der Unterfinanzierung der Trägeror-
ganisationen punktuell und unflexibel erfolgen“ (Meier 2011, 78). Darüber hinaus sind profes-
sionelle Dienstleistungen in der Altenpflege in Österreich auch aufgrund der hohen finanziellen 
Eigenleistung unattraktiv (vgl. ebenda, 79). Hinzu kommt, dass bei pflegenden Angehörigen 
nach wie vor diverse Informationslücken und Schwierigkeiten bei der Informationsbeschaf-
fung in Bezug auf verfügbare Angebote bestehen (vgl. Mairhuber/Sardadvar 2017a, b). 
All dies führt zu der bereits weiter oben beschrieben Situation: Die Mehrheit der Pflegegeld-
bezieherInnen in Österreich wird von Angehörigen und Freunden bzw. Freundinnen – aber 
nur zum Teil mit Unterstützung durch mobile Betreuungs- und Pflegedienste – betreut und 
gepflegt. 
Zusammenfassend kann hier festgehalten werden, dass die nicht erwerbstätige weibliche 
pflegende Angehörige de facto ein zentrales Element des österreichischen Langzeitpflegere-
gimes darstellt. Die zentrale Leistung, das Pflegegeld, baut explizit auf dem Vorhandensein 
einer unbezahlten oder nur „symbolisch“ abgegoltenen (Hammer/Österle 2003, 46) familialen 
Pflegekraft auf, die gegebenenfalls aus der Erwerbsarbeit aussteigt oder diese reduziert, um 
die Angehörigenpflege übernehmen zu können. Auch wenn die 24-Stunden-Betreuung nur 
einen kleinen Teil der pflegebedürftigen Menschen betrifft, trägt diese ebenfalls dazu bei, die 
Langzeitpflege im familialen bzw. privaten Kontext zu belassen. Zudem stehen stationäre, 
teilstationäre sowie mobile Betreuungs- und Pflegedienstleistungen nicht in ausreichendem 
und leistbarem Ausmaß zur Verfügung (vgl. Mairhuber/Sardadvar 2017a u. 2017b).
4 PFLEGEKARENZ UND PFLEGETEILZEIT 
2014 wurde in Österreich im Hinblick auf die Langzeitpflege eine Maßnahme gesetzt, die vor 
allem auf die bessere Vereinbarkeit von Erwerbstätigkeit und Angehörigenpflege abzielt und 
laut zuständigem Bundesministerium „insbesondere als Überbrückungsmaßnahme zur Orga-
nisation der neuen Pflegesituation“ gilt (BMASK 2014, 15). Demnach können ArbeitnehmerIn-
nen seit 1. 1. 2014 mit ihrem/ihrer ArbeitgeberIn zur Betreuung oder Pflege von nahen Angehö-
rigen eine Erwerbsunterbrechung (gegen Entfall der Bezüge) oder auch eine Reduzierung der 
Arbeitszeit (gegen Aliquotierung des Entgelts) vereinbaren (vgl. Mairhuber/Sardadvar 2017b). 
Die ArbeitnehmerInnen müssen ein mindestens dreimonatiges ununterbrochenes Arbeitsver-
hältnis zum/zur selben ArbeitgeberIn vorweisen. Als weitere Voraussetzung gilt (mit Ausnah-
men), dass der/die zu pflegende Angehörige zumindest Pflegegeld der Stufe 3 erhält.
        

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