Full text: Zur Zukunft von Arbeit und Wohlfahrtsstaat (19)

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6 FOLGERUNGEN UND MASSNAHMENVORSCHLÄGE
Auf Basis der bestehenden Problemlagen und Anpassungsnotwendigkeiten, die aus der Syn-
these der politikwissenschaftlichen und empirischen Analysen erarbeitet wurden, werden im 
Folgenden politische Empfehlungen formuliert, die insbesondere drei Zielsetzungen haben: 
erstens eine wesentliche Verbesserung der Vereinbarkeit von Erwerbstätigkeit und Angehöri-
genpflege, zweitens eine Verringerung der finanziellen Einbußen sowie der negativen Folgen 
für die soziale Absicherung von pflegenden Angehörigen und drittens eine Förderung der 
Gleichstellung der Geschlechter im Hinblick auf die Übernahme von Angehörigenpflege und 
deren Folgen.3 
Grundsätzlich gilt: Eine Weiterentwicklung der österreichischen Pflegevorsorge sollte nicht auf 
ein Entweder-oder von „nur“ Erwerbstätigkeit (und z. B. stationärer Unterbringung von pflege-
bedürftigen Angehörigen) bzw. „nur“ Angehörigenpflege und (langfristiger) Unterbrechung der 
Erwerbstätigkeit abzielen. Angesichts der vorliegenden Ergebnisse steht vielmehr die paralle-
le Ermöglichung von Erwerbstätigkeit und Angehörigenpflege im Fokus – jedoch unter ande-
ren, nämlich zeitlich und auch finanziell deutlich weniger belastenden sowie physisch und 
psychisch nachhaltigen Bedingungen für Frauen und Männer. 
Eine gleichzeitige Ermöglichung von Erwerbstätigkeit und Angehörigenpflege geht mit der 
Neuausrichtung zahlreicher involvierter Institutionen im Gesundheits- und Pflegebereich auf 
den unterschiedlichen Ebenen einher. Auch sind Unternehmen gefordert, ihre Arbeitsorgani-
sation so zu strukturieren, dass Pflegeaufgaben als Normalfall eines berufsbiografischen Ver-
laufs von weiblichen und männlichen Beschäftigten konzeptionell und praktisch integriert wer-
den (vgl. Reuyß et al. 2012, 21). Dabei können Parallelen zur Berücksichtigung der Kinderbe-
treuung hergestellt werden – gleichzeitig ist aber auch darauf zu achten, dass pflegende An-
gehörige zum Teil eben nicht die gleichen Bedürfnisse haben wie Eltern kleiner Kinder (vgl. 
Kümmerling/Bäcker 2012; Sardadvar/Mairhuber 2018 [im Erscheinen]). 
Auf betrieblicher Ebene ist es in Anbetracht von Informationsmängeln pflegender Angehöriger 
über arbeitsrechtliche Optionen wie die Pflegekarenz oder -teilzeit wichtig, dass die Arbeitge-
berInnen in der Lage sind, ihre MitarbeiterInnen entsprechend zu informieren (vgl. Mairhuber/
Sardadvar 2017b). Dabei geht es aber nicht nur um die Verbreitung konkreter Informationen 
zum Thema, sondern auch um eine Veränderung der Unternehmenskultur. Unternehmen sind 
dahin gehend gefordert, ein Klima zu schaffen, das es den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern 
ermöglicht, darüber zu reden, sich gegebenenfalls zur Angehörigenpflege zu bekennen und 
darüber hinaus die notwendigen Informationen und unterstützenden Maßnahmen (etwa Ka-
renzen, flexible Arbeitszeiten) zu bieten. Dazu können sowohl Betriebsräte und -rätinnen als 
auch Vorgesetzte und Kolleginnen bzw. Kollegen jeweils wichtige Beiträge leisten.
Auf politischer Ebene, d. h. auf Ebene von Bundesministerien und Bundesländern, sind ange-
sichts von Informationsmängeln und Schwierigkeiten bei der Beschaffung von Information in 
einer akuten Pflegesituation Informationsoffensiven erforderlich. In diesem Sinn erscheint es 
wichtig, breit angelegte Informationskampagnen und Informationsveranstaltungen zu initiie-
ren, damit das Thema Pflegebedürftigkeit „in den Alltag kommt“ und genauere Informationen 
über vorhandene Angebote und Leistungen zur Verfügung stehen. Dies setzt aber eine grund-
3 Für weiterführende Ausführungen zu Problemlagen, Anpassungsnotwendigkeiten und Maßnahmenvorschlägen 
siehe den Projektteilbericht (Mairhuber/Sardadvar 2017a), auf den sich dieser Abschnitt maßgeblich bezieht.
        

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