Full text: Zur Zukunft von Arbeit und Wohlfahrtsstaat (19)

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Carina Altreiter 
 ? Ausgehend vom Klassenverständnis des französischen Soziologen Pierre Bourdieu wird 
am Beispiel junger IndustriearbeiterInnen gezeigt, wie die Klassenherkunft Entscheidungen 
prägt und damit Individuen auf bestimmte Ausbildungs- und Berufslaufbahnen lenkt
 ? Die soziale Klasse schafft sehr unterschiedliche Möglichkeitsräume für die Gestaltung des 
Lebens, die sich in einem Wechselspiel aus objektiven Bedingungen und subjektiven Vor-
stellungen und Wünschen entwickeln
 ? Das Bildungssystem produziert klassenspezifische Benachteiligungen, die Kinder aus der 
Schule drängen. Gleichzeitig lenken in der Kindheit entwickelte Vorlieben für bestimmte 
körperliche Tätigkeiten die Befragten in Richtung einer raschen Aufnahme einer Lehre
 ? Im Milieu der befragten Personen hat (Erwerbs-)Arbeit eine sehr hohe Bedeutung – als Not-
wendigkeit zur Existenzsicherung, aber auch als Vermittler von Anerkennung. Das legt klas-
sentypische Wege nahe und schließt andere aus 
 ? Das Auseinandertreten von Realisierungsmöglichkeiten und Ansprüchen kann zu Spannun-
gen führen, die einer Bearbeitung bedürfen und von den Befragten unterschiedlich gelöst 
werden können 
Jessica Wulf 
 ? Basierend auf neun Interviews mit Frauen in Geschäftsführungs- und Vorstandspositionen 
thematisiert der Beitrag die Erfahrungen, die Frauen in männerdominierten Positionen in 
Österreich und Deutschland machen und ihren Umgang mit (geschlechterspezifischen) He-
rausforderungen
 ? Frauen sind bis heute unter anderem aufgrund von geschlechtsspezifischen Hindernissen 
in Führungspositionen unterrepräsentiert. Diese Hindernisse beeinflussen potenziell auch 
Erfahrungen von Frauen, die in hohen Führungspositionen angekommen sind
 ? Die Daten zeigen, dass sich durch die Erfahrungen von Frauen in hohen Führungspositio-
nen Ambivalenzen ziehen, die durch männliche Normen im hohen Management und durch 
geschlechtsspezifische Erwartungen an die Frauen gekennzeichnet sind 
 ? Es lassen sich drei Strategien erkennen, die die Interviewpartnerinnen anwenden, um mit 
diesen Ambivalenzen umzugehen. Diese Strategien beinhalten a) die Distanzierung von der 
Gruppe Frau, b) die Anwendung eines Führungsstils, der stereotyp weibliche Rollenerwar-
tungen erfüllt, und c) die Konzentration auf Aufgaben und fachliche Expertise 
 ? Eine wichtige Erkenntnis aus dieser Studie für die Arbeitswelt ist, dass Frauen – auch wenn 
sie im hohen Management angekommen sind – zusätzliche Hürden und Herausforderun-
gen erleben (im Vergleich zu weißen, heterosexuellen Männern), wie zum Beispiel den Aus-
schluss aus Netzwerken 
 ? Die Verantwortung für mehr Geschlechtergleichgewicht in hohen Führungspositionen kann 
nicht (alleine) bei weiblichen Führungskräften liegen, da diese Frauen ohnedies zusätzliche He-
rausforderungen meistern müssen. Stattdessen müssen Organisationsstrukturen dahin gehend 
geändert werden, dass Frauen auf lange Sicht wirklich gleiche Chancen haben wie Männer
        

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