Full text: IFAM Info - 2003 Heft 2 (2)

das veranlagte Kapital bei ihnen nach ethischen Krite-
rien investiert wird. 
CSR ALS POTEMKINSCHES DORF
Soziale Verantwortung wird also wieder zum Thema.
Dieser auf den ersten Blick sehr erfreuliche Umstand
darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass hinter
diesem Engagement oft nur potemkinsche Dörfer zu
finden sind. Viele Unternehmen versuchen mit Hilfe
von CSR vor allem Vertrauen von Anlegern, Kunden
und Gläubigern wiederzugewinnen, das durch allzu
einseitige Ausrichtung auf die Steigerung des Share-
holder Values in den letzten Jahren und dem nachfol-
genden Börsencrash abrupt verloren gegangen ist.
Maßnahmen, die ohnedies geltendes Recht (z.B. keine
Kinderarbeit) sind, werden als besonderes „soziales
Engagement“ verkauft, Nachhaltigkeitsberichte mit
Erfolgsmeldungen über die Einhaltung von Umwelt-
schutzauflagen werden als besonderes „ökologisches
Bewußtsein“ dargestellt.
Besonders problematisch ist dabei, dass es in den
meisten Fällen kein geeignetes Monitoring hinsichtlich
der Einhaltung der gesetzten Maßnahmen gibt und
auch Sanktionsmöglichkeiten sind nur in sehr einge-
schränktem Umfang möglich. Berichtet wird in vielen
Fällen das, was sich gut verkaufen lässt und nicht ob-
jektive Fakten über die tatsächlichen Gegebenheiten
und Umstände. Generell beruhen diese Initiativen auf
Freiwilligkeit, und so besteht doch die Gefahr, dass
immer mehr Kompetenzen auf den „Soft-Law-Be-
reich“ verlagert wird. Nicht Gebietskörperschaften wie
der Staat oder Länder sind dann für die Ausarbeitung
und Einhaltung der Regeln zuständig, sondern immer
mehr die agierenden Partner (z.B. Arbeitgeber, Arbeit-
nehmerInnen) selbst. Das Recht wird verbetrieblicht.
Für die Weiterentwicklung des Rechts könnte dies ein
wesentliches Hinderniss sein. 
NÜTZEN WIR DIE INITIATIVEN...
Es liegt an den Gewerkschaften und Arbeitnehmerver-
treterInnen selbst, den für sie doch sehr günstigen
Wind zu nützen, die Segel zu setzen und ein entschei-
dendes Stück weiterzukommen. Drehen wir doch den
Spieß um und nehmen wir die Unternehmen beim
Foto: www.csreurope.org
Wort! Tragen wir als ArbeitnehmervertreterInnen aktiv 
dazu bei, dass aus vielfach leeren Worthülsen tatsäch-
lich wirksame Maßnahmen im Sinne von höherer sozi-
aler Verantwortung werden! 
Im Konkreten bedeutet dies für Gewerkschaften und
Betriebsräte:
 Impulse zu geben, dass freiwillige Verhaltensko-
dizes eine echte Weiterentwicklung vom bestehen-
den Recht sind und über gesetzliche Mindeststan-
dards hinausreichen – die Einhaltung vom Verbot der
Kinderarbeit ist wohl für einen österreichischen Sozi-
alkodex zu wenig! 
 Darauf zu achten, dass bei der Erstellung sowie dem
Monitoring Stakeholder (ArbeitnehmerInnen, Kunden
etc.) selbst mitwirken können. 
 Impulse zu geben, dass die Kriterien der Sozialen
Verantwortung transparent und nachvollziehbar sind. 
 Darauf zu achten, dass die Berichterstattung etwa in
Form von Nachhaltigkeitsberichten objektiv erfolgt
und dass internationale Standards (etwa von GRI
General Reporting Initiative) beachtet werden.
 Darauf zu achten, dass mit CSR-Initiativen gewerk-
schaftliche Grundsätze nicht ausgehöhlt bzw. unter-
spült werden (z.B. Kollektivverträge, Wahl von Be-
triebsräten etc.). 
 Darauf zu achten, dass CSR-Maßnahmen Anlass
und Impuls zur Weiterentwicklung des Sozialrechtes
sind, mit dem Ziel, diese auch auf gesetzlicher
Ebene zu verankern.
 IFAM
Weitere Informationen zum Thema CSR
u.a.: www.akwien.at (Stichwort „Nachhaltigkeit“, Soziale
Verantwortung)
www.csreurope.org
www.csrforum.com
europa.eu.int
www.nachhaltigkeit.at
QUARTALSBERICHTE – KURZFRISTIGE ODER KURZSICHTIGE INFORMATION?
VON ROBERT SAMSINGER, AK WIEN
Mit dem „Insolvenzrechtsände-
rungsgesetz 1997“ wurden ne-
ben Änderungen im Insolvenz-
recht auch Änderungen im 
Aktienrecht bzw. GmbH-Recht
durchgeführt. 
Eine dieser Änderungen (§ 81 AktG bzw. 28a
GmbHG) bezieht sich auf die Berichtspflicht des
Vorstands (der Geschäftsführer) gegenüber dem
Aufsichtsrat, diesem „regelmäßig, mindestens
vierteljährlich, über den Gang der Geschäfte und
die Lage des Unternehmens im Vergleich zur Vor-
        

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