Full text: IFAM Info - 2003 Heft 2 (2)

P.b.b. Zulassungsnummer: 02Z034644 M
Erscheinungsort Wien, Verlagspostamt 1040 Wien
Herausgeber, Verleger, Medieninhaber: 
Bundeskammer für Arbeiter und Angestellte,
1040 Wien, Prinz-Eugen-Straße 20-22, 
Hersteller: König Satz Print Ges.m.b.H., 1100 Wien,
Verlags- und Herstellort: Wien.
KONSEQUENZEN AM BEISPIEL PORSCHE
„Die kurzfristige Erfolgsorientierung der Unternehmen
und die Ausrichtung der Jahresabschlüsse auf die
Interessen der Anleger hat aber Folgen für die Art und
Weise der Produktion, die Marktpositionierung usw.
und alle Teile und Funktionen des Unternehmens müs-
sen sich dieser Zielsetzung unterordnen. Wenn das
nicht der Fall ist, muss es zu Friktionen kommen, die
zu Lasten des Unternehmens gehen und letztlich
seine Existenz gefährden können“ (W. Kaserer, Por-
sche bleibt hart, Welt am Sonntag, 12. 8. 2001)
Dies sind genau die Argumente, die von Porsche vor-
gebracht wurden, als die Deutsche Börse AG die Vor-
lage von Quartalsberichten von dem Unternehmen
forderte. Für Porsche waren diese Nachteile offenbar
schwerwiegender als die Entfernung aus dem Dax,
die daraufhin Mitte August 2001 erfolgt ist. Die Deut-
sche Börse hatte Porsche die Aufnahme in ihr oberes
„Prime Standard“-Segment verweigert, weil der
Sportwagenhersteller keine Quartalsberichte abgeben
wollte. Quartalsberichte sind Voraussetzung für die
Aufnahme in den „Prime Standard“. Nach der Ent-
scheidung der Börse wurde Porsche in den General
Standard eingruppiert, für den sich zuvor nur kleinere
Nebenwerte entschieden hatten. Die Mitgliedschaft im
Prime Standard ist Voraussetzung dafür, in einen der
Indizes Dax, MDax oder TecDax aufgenommen zu
werden.
Die Sportwagenbauer sehen in den Vierteljahresbe-
richten also lediglich eine Scheintransparenz, die
nichts über die langfristige Unternehmensentwicklung
aussage und nur zu unnötigen Schwankungen der
Kurse führe. Profitieren würden davon allein Banken
und Aktienhändler.
Jetzt soll das Kind nicht mit dem Bad ausgeschüttet
werden – Quartalsberichte haben sehr wohl ihre Be-
deutung bei der Überwachung eines Unternehmens.
Wir erinnern uns aber an den jüngst verblichenen
Neuen Markt: Dort lieferten alle Unternehmen brav
Quartalsberichte ab, und dennoch waren die Anleger
mitnichten vor Betrug und Falschinformation ge-
schützt.
DIE KONSEQUENZEN FÜR DEN AUFSICHTSRAT
Quartalsberichte sind ein wichtiges Informations-
instrument – insbesondere um beobachten zu können,
ob das Unternehmen „auf Kurs liegt“ oder ob eine
Kurskorrektur in Hinblick auf gesetzte Ziele notwendig
ist. Die Berichtspflicht des Vorstandes/Geschäftsfüh-
rers über die Quartalsentwicklung ist daher ein sinn-
volles und wichtiges Überwachungsinstrument des
Aufsichtsrates. 
Zu achten ist allerdings darauf, dass durch die kurz-
fristige Berichterstattung nicht der Blick auf die lang-
fristige Entwicklung verstellt wird. Problematisch ist
dabei vor allem, wenn eigens wirtschaftliche Maßnah-
men gesetzt werden, nur um die Optik im Quartalsbe-
richt besser aussehen zu lassen. 
Besonderes Augenmerk sollte auf die Berechnung der
Werte in einem Quartalsbericht gelegt werden. Der
Aufsichtsrat muss nachvollziehen können, ob die dar-
gestellte Entwicklung die tatsächliche wirtschaftliche
Entwicklung ordnungsgemäß wiedergibt und keine fal-
schen Hoffnungen erweckt werden. Und letztlich sollte
auch darauf geachtet werden, dass die im Jahresab-
schluss angewandte Gliederung sowie die berechne-
ten Kennzahlen parallel ebenfalls im Quartalsbericht
verwendet werden, damit die Entwicklung der Zahlen
nachvollzogen werden kann. 
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sichtsrat
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