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Full text: IFAM Info - 2007 Heft 3 (3)

? IFAM Wesentlich ist, dass sich sowohl der Betriebsrat und umso mehr der Betriebsrat als Aufsichtsrat bereits frühzeitig, noch bevor wirklich etwas passiert ist, sich mit dem Thema auseinander setzt und Szenarien des dann anzuwendenden Verhaltens durchspielt. Hier geht es beispielsweise um die heikle Frage, wie sich der Betriebsrat im Falle von Untersuchungen gegen einzelne oder mehrere Mitarbeiter im Unternehmen – entweder durch die Interne Revision oder gar bereits externe Berater – verhalten soll. Hier gilt es einerseits dafür Sorge zu tragen, dass solche Untersuchungen mit einem Maximum an Fairness gegenüber dem/den Verdächtigen abgewickelt werden. Andererseits ist aber auch auf das übergeordnete Interesse der übri- gen, „anständigen“ Belegschaft Bedacht zu nehmen und dürfen die übrigen Mitarbeiter nicht in „Geiselhaft“ einer falsch verstandenen Solidarität zu einigen „schwarzen Schafen“ geraten. Wirtschaftskriminalität ist immer auch eine Bedrohung für die Sicherheit von Arbeitsplätzen. Unternehmen tragen wirtschaftliche Schäden davon und wenn es nicht ohnedies zum Super-GAU des Unternehmenszusammenbruchs (Steiner Kunststoff Gartenmöbel) kommt, so sind doch schmerzliche Restrukturierungen und damit verbunde- ne Verschlechterungen am Arbeitsplatz oder gar der Verlust von Arbeitsplätzen häufig die Folge. Auch wenn dies nicht in allen Unternehmen so gese- hen wird, sind Überlegungen hinsichtlich einer „natür- lichen“ Partnerschaft zwischen Betriebsrat und Inter- ner Revision sehr zu empfehlen. Beide Institutionen sind letztendlich an einem gesicherten Fortbestand der Unternehmung interessiert. Wenn man bedenkt, dass viele Fälle von Wirtschaftskriminalität von im Umkreis arbeitenden Kollegen oft schon lange vor der eigentlichen Aufdeckung „gespürt“ oder gar gewusst wurden, es aber im normalen Weg über Vorgesetzte – aus verschiedensten Gründen – zu kommunizieren nicht möglich war, so ist leicht vorstellbar, dass auch für solche Probleme der Betriebsrat eine vertrauliche Anlaufstelle bilden könnte. Um nicht falsch verstanden zu werden: Hier geht es nicht um Vernaderung und „Blockwart“-Denken, son- dern um die kontrollierte und sichere Kommunika- tionsmöglichkeit für Kollegen, rechtzeitig Gefahren vom Unternehmen und damit der eigenen Arbeits- platzsicherheit abzuwenden. Der Weg über den Be- triebsrat böte zusätzlich Möglichkeiten, die Anony- mität der Informationsgeber zu wahren und auch in Vorgesprächen und ohne das „Hochamt“ einer großen Untersuchung in enger Zusammenarbeit mit der Inter- nen Revision einmal abzuklopfen, ob an bestimmten Sachen wirklich was dran ist oder nicht. Eine solche Vorgehensweise wirbelt keinen unnötigen Staub auf, ist ob ihrer diskreten Abwicklung auch nicht belastend für eventuell zu Unrecht Beschuldigte und bietet auch ausreichend Reaktionszeitraum zur Vorbereitung auf eine Kommunikation nach außen, wenn der Fall, weil er vielleicht groß ist, doch an die Öffentlichkeit dringt. Im BAWAG-Strafprozess ist auch der Aufsichtsrat auf der Anklagebank vertreten. In einigen kommenden großen Wirtschaftsverfahren ist dies ebenfalls zu er- warten. Es wird also auch zunehmend eng für Auf- sichtsräte, die ihrer gesetzlichen Verpflichtung, dem Vorstand auf die Finger zu schauen, nicht entspre- chend nachgekommen sind. Noch gravierender wird die Sache, wenn sich der Aufsichtsrat u.U. sogar in die Machenschaften eines wirtschaftskriminell agierenden Vorstands „einbinden“ lässt. Und Wirtschaftskrimina- lität beginnt auch bereits bei der Fälschung von Bilan- zen. Wesentlich ist also, dass weder der Betriebsrat noch der Betriebsrat als Aufsichtsrat vor dem Phänomen Wirtschaftskriminalität die Augen verschließt und hofft, dass das am eigenen Unternehmen vorbeigeht. Die Hoffnung wird über kurz oder lang jedenfalls ent- täuscht. Wirtschaftskriminalität ist ein fixer Bestandteil der Wirtschaft insgesamt. Vieles kann verhindert wer- den, mancher Schaden rechtzeitig eingedämmt wer- den, wenn rechtzeitig Maßnahmen der Prävention und Aufdeckung ergriffen werden. Nächste Ausgabe: Aufdeckung und Abwicklung eines Falles. Dr. Matthias Kopetzky, CPA, CFE, CIA ist geschäfts- führender Gesellschafter der Business Valuation GmbH und als allgemein gerichtlich beeideter und zer- tifizierter Sachverständiger überwiegend mit der Bear- beitung von Wirtschaftskriminalitätsfällen befasst. BUCHTIPP HANDBUCH WIRTSCHAFTSKRIMINALITÄT IN UNTER- NEHMEN, AUFKLÄRUNG UND PRÄVENTION Autoren: Joseph T. Wells und Dr. Matthias Kopetzky LexisNexis Verlag ISBN-10: 3-7007-3449-2 ISBN-13: 978-3-7007- 3449-9 http://www.lexisnexis.at
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