Full text: IFAM Info - 2010 Heft 2 (2)

IFAM n 
OFFENLEGUNG VON JAHRESABSCHLÜSSEN – 
THEORIE UND PRAXIS KLAFFEN WEIT AUSEIN-
ANDER  RUTH NADERER, HELMUT GAHLEITNER, AK WIEN
tiert werden, das Gegenteil ist der Fall: Fast die Hälf-
te der befragten ArbeitnehmervertreterInnen gibt an,
dass in den betreffenden Unternehmen kein Aus-
schuss eingerichtet ist. Nicht einmal jeder sechste
Aufsichtsrat hat einen Personalausschuss, nur we-
nige Unternehmen befassen Investitionsausschüsse
(4,9 %) und sonstige Ausschüsse (z.B. Kreditaus-
schuss). 
Der Prüfungsausschuss bzw. der ehemalige Bilanz-
ausschuss ist allerdings aufgrund einer gesetzlichen
Verpflichtung aus dem Jahr 1997 immerhin in fast der
Hälfte der Unternehmen eingerichtet. Mit dem Unter-
nehmensrechtsänderungsgesetz 2008 (URÄG 2008),
das mit Juni 2008 in Kraft getreten ist, wurde die Ge-
setzeslage zum Prüfungsausschuss adaptiert. Der
Prüfungsausschuss soll laut URÄG mindestens zwei
Sitzungen pro Jahr abhalten, diese Sitzungsanzahl ist
jedoch als Untergrenze zu verstehen – insbesondere in
Unternehmen, die Quartalsabschlüsse zu berichten
haben, wird die Mindestanzahl wohl bei 4 Sitzungen
pro Jahr liegen. 
Die Mehrheit der Befragten (43,9 %) gibt an, dass 
ihr Prüfungsausschuss zum Zeitpunkt der Untersu-
chung gegen Jahresende 2009 erst einmal getagt hat.
In 12,9 % der Fälle hatte sich der Prüfungsausschuss
noch gar nicht getroffen, 28,4 % haben bereits zwei
Sitzungen abgehalten, nur 14,8 % liegen bei mehr als
zwei Sitzungen. Die Ergebnisse der Umfrage zeigen
außerdem, dass es beim Zeitaufwand keine Verände-
rungen gegeben hat: 30,8 % der Unternehmen neh-
men sich für eine Sitzung des Prüfungsausschusses
nicht einmal eine Stunde Zeit. Bei jedem zweiten
Unternehmen dauert eine Sitzung im Durchschnitt
zwischen ein bis zwei Stunden. Gerade einmal jedes
sechste Unternehmen nimmt sich ausreichend zwi-
schen zwei bis vier Stunden Zeit, um die Fragestellun-
gen ausführlich zu diskutieren. 
„Krisen meistert man am besten, indem man ihnen
zuvorkommt“ (Walt Whitman Rostow)
Kontrollinstanzen können einer Krise nur dann zuvor-
kommen, wenn Risiken rechtzeitig erkannt und rasch
entsprechende Gegenmaßnahmen eingeleitet werden:
Wie schwierig sich Kontrolle in einer globalisierten Fi-
nanzwelt gestaltet, haben die jüngsten Entwicklungen
sehr deutlich gezeigt. Neben einer Regulierung der Fi-
nanzmärkte und einer besseren Vernetzung der Kon-
trollorgane muss aber auch auf Unternehmensebene
entsprechend reagiert werden. Die vorliegenden Be-
fragungsergebnisse zeigen jedoch, dass bisher kaum
Auswirkungen auf die betriebliche Praxis auszuma-
chen sind: Trotz Krise wird nicht mehr Zeit in Überwa-
chung und Kontrolle investiert, wichtige Themen wie
Risiko- und Veranlagungspolitik werden vernachläs-
sigt und die Leistungsbeurteilung des Vorstandes 
erfolgt nur in Ausnahmefällen. Gerade jetzt gilt es je-
doch den Kontrollauftrag noch stärker wahrzunehmen:
Einerseits müssen dafür Risikomanagementsysteme
bzw. das interne Kontrollsystem besser genutzt wer-
den, andrerseits sollte auch das Beiziehen von Ex-
pertInnen und Sachverständigen selbstverständliche
Aufsichtspraxis werden. Für künftige, effiziente Auf-
sichtsratsarbeit ist es zudem von entscheidender Be-
deutung, die Strukturen, die Qualität und die Wirksam-
keit der Arbeitsweise im Gremium regelmäßig zu
hinterfragen und weiterzuentwickeln. Nur so erhält der
Aufsichtsrat das erforderliche Feedback und kann Ver-
besserungspotenziale erschließen.
Trotz klarer ge-
setzlicher Re-
gelungen zur
Offenlegungs-
pflicht des Jah-
resabschlus-
ses, kommen
viele große 
Kapitalgesell-
schaften dieser Verpflichtung nicht bzw. stark verspä-
tet nach, wie eine AK-Untersuchung (www.arbeiter-
kammer.at) zeigt. Etwa 2/3 der untersuchten Unter-
nehmen haben im Beobachtungszeitraum von 3 Jah-
ren die gesetzlichen Offenlegungsvorschriften und 
-fristen zumindest teilweise ignoriert oder nehmen sie
nicht sehr genau. Die AK Wien klagte nun erstmals
Unternehmen nach dem Gesetz gegen den unlauteren
Wettbewerb (UWG). 
Die Pflicht zur Offenlegung des Jahresabschlusses im
Firmenbuch betrifft Kapitalgesellschaften, deren Haf-
tung beschränkt ist. Dazu zählen in Österreich Aktien-
gesellschaften, GmbHs und Genossenschaften sowie
die Mischformen GmbH & Co KG und AG & Co KG,
        

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