Full text: IFAM Info - 2012 Heft 3 (3)

Mehrheit (85%) hat das Management Einfluss auf die Bestellung des Abschlussprüfers, in jedem zweiten Unter- nehmen üben die Geschäftsführer bzw Vorstände sogar einen hohen Einfluss auf den Bestellvorgang aus. Hier ist zum einen im Sinne einer guten Unternehmens- kontrolle mehr Mut, Engagement und Durchsetzungskraft des Aufsichtsrats von Nöten. Zum anderen erscheinen die von Seiten des zuständigen EU-Kommissars Michel Barnier vorgeschlagenen Maßnahmen, wie die externe Rotation als eine unverzichtbare Maßnahme, um die Unabhängigkeit der Abschlussprüfung zu fördern und letztlich auch den Wettbewerb innerhalb der Abschluss- prüfer- und Prüfungsgesellschaften anzukurbeln. Die lange Mandatsdauer und die große Dominanz der Big Four spiegelt sich auch in der AK Umfrage wider. Prüfungsschwerpunkte werden kaum vereinbart Für qualitativ hochwertige Prüfungsergebnisse ist ein Wechsel der Prüfungsschwerpunkte unerlässlich. So sollen auf Basis der Erkenntnisse der Vorjahresprüfung und in Hinblick auf einen risikoorientierten Prüfungsan- satz sowie der Wesentlichkeit nicht jedes Jahr dieselben Prüfungshandlungen durchgeführt und dieselben Prüf- felder thematisiert werden. Daher ist eine Festlegung der unternehmensspezifischen Prüfungsschwerpunkte im Rahmen der Auftragsklärung zwischen Aufsichtsrat und Prüfer jedenfalls erforderlich. Die heimische Aufsichtsratspraxis zeigt auch in dieser Frage wenig befriedigende Ergebnisse. Nur 12,1% der ArbeitnehmervertreterInnen im Aufsichtsrat geben an, dass in ihrem Unternehmen Prüfungsschwerpunkte mit dem Prüfer abgestimmt werden. In knapp der Hälfte der Unternehmen wird die Schwerpunktsetzung dem Prüfer überlassen. 43,2% sind darüber nicht informiert – was wiederum auf Kommunikationsschwächen hinweist. Auch hier ist mehr Engagement von Seiten der Aufsichts- räte erforderlich um auch in diesem Punkt ihrer Funktion als Auftraggeber des Prüfers gerecht zu werden. Kommunikation über Mängel mangelhaft Um einer effizienten Unternehmensüberwachung gerecht zu werden, bedarf es eines laufenden Kontakts über den gesamten Prüfungszeitraum hinweg. So sollte der Abschlussprüfer den Aufsichtsrat jedenfalls während des Prüfungsvorgangs über den aktuellen Prüfungsfortschritt informieren. Dadurch können erforderlichenfalls Prü- fungshandlungen adaptiert und Prüfungsschwerpunkte erweitert werden. Als Kommunikationsplattform dafür würde sich eine zusätzliche Prüfungsausschuss- bzw Aufsichtsratssitzung anbieten. Als weiteres nützliches Kommunikationsinstrument erweist sich auch der Managementletter. In diesem Schreiben an die Geschäftsführung fasst der Abschluss- prüfer organisatorische, wirtschaftliche und rechtliche Schwachstellen im Unternehmen zusammen, die er im Rahmen der Prüfung festgestellt hat und kann wertvolle Hinweise auf Verbesserungsmöglichkeiten geben. Der Corporate Governance Kodex (Interpretation zur Regel 82) sieht vor, dass der Managementletter dem Vor- sitzenden des Aufsichtsrates zur Kenntnis zu bringen ist. Der Vorsitzende hat anschließend dafür Sorge zu tragen, dass dieser im Prüfungsausschuss behandelt und im Aufsichtsrat darüber berichtet wird. Die Praxisbefunde zum Managementletter belegen jedenfalls Verbesserungspotenzial: In vier von zehn Unter- nehmen liegt dem Aufsichtsrat diese Information nicht vor. Dieses Ergebnis lässt die Vermutung zu, dass der Managementletter nicht bis zum Aufsichtsrat vordringt. Dort, wo der Managementletter seinen Weg ins Aufsichts- ratsgremium findet, erfolgt die Übermittlung primär an den Vorsitzenden. Nur in jedem dritten Unternehmen wird er auch an die ArbeitnehmervertreterInnen im Aufsichtsrat verteilt. Nicht nur dass der Zugang zum Managementletter unbefriedigend wahrgenommen wird, bemängelt die Hälfte der Befragten zudem, dass in der Aufsichtsrats- sitzung selbst der Abschlussprüfer über Schwachstellen wenig zufriedenstellend berichtet. Allerdings ist hier nicht nur eine Kommunikationslücke von Seiten der Prüfer zu orten, auch das Aufsichtsratsgremium selbst ist weit entfernt von einer ausreichenden Mängeldiskussion, so die Wahrnehmung von knapp einem Viertel der Befragten. Angesichts dieser Ergebnisse ist wohl die notwendige und dringende Behebung dieser Kommunikationsschwächen auf die Mängelliste zu setzen. Mehr Details zur Prüfung wünschenswert Der Prüfungsbericht gilt neben Quartalsberichten und Vor- schaurechnungen als einer der wichtigsten schriftlichen Informationsinstrumente für den Aufsichtsrat. Dies belegt ?ifAM Quelle: AK Umfrage Feber 2012

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