Full text: IFAM Info - 2012 Heft 3 (3)

?ifAM auch die Aufsichtsratsbefragung: Deutlich mehr als die Hälfte (60,0%) der ArbeitnehmervertreterInnen verwenden ihn im Zuge ihrer Überwachungstätigkeit oft bis sehr oft. Allerdings hat sich der Umfang des Prüfungsberichts in den letzten Jahren deutlich verkürzt, sodass zB Aufglie- derungen und Erläuterungen der Posten des Jahresab- schlusses weitestgehend fehlen. Diese Entwicklung wurde primär durch die Einschränkung des Mindestumfangs im Zuge der Revision des Fachgutachtens der Kammer der Wirtschaftstreuhänder ermöglicht. Für eine sorgfältige Überwachung sind umfassende und detaillierte Angaben im Prüfungsbericht jedoch unerlässlich. Der Dialog zwischen Aufsichtsrat und Abschlussprüfer über die Ergebnisse des Prüfungsberichts findet in der Regel in der entsprechenden Aufsichtsrats- bzw Prü- fungsausschusssitzung statt, bei der der Jahresabschluss überprüft bzw beschlossen wird. Nach den Angaben der befragten Aufsichtsräte beschränkt sich der Informati- onsaustausch jedoch meistens auf eine Darstellung der wirtschaftlichen Daten und des Prüfungsergebnisses. In 37,3% der Unternehmen wird auf die Prüfungshand- lungen selbst wenig bis gar nicht eingegangen. Um die Verlässlichkeit des Prüfungsergebnisses einschätzen zu können, ist die Kenntnis der Prüfungstätigkeit des Abschlussprüfers, wie Prüfungsumfang, Stichproben, Prüfungsschwerpunkte unentbehrlich und sollte daher von Seiten des Abschlussprüfers verstärkt kommuniziert werden. Zu begrüßen ist daher auch der EU Kommis- sionsvorschlag, wonach neben dem Prüfungsbericht noch ein zusätzlicher Bericht an den Prüfungsausschuss zu erfolgen hat. In diesem sollen ua die Ergebnisse der durchgeführten Abschlussprüfung detailliert und klar erläutert werden. Bei Uneinigkeiten über Prüfungshand- lungen oder andere die Durchführung der Abschlussprü- fung betreffende Themen, sollen die Gründe in diesem erweiterten Bericht dargelegt werden. Aus Sicht der Arbeitnehmervertretung sollte dieser erweiterte Bericht an den Gesamtaufsichtsrat ergehen und daher für alle prüfungspflichtigen Unternehmen im Rahmen der Abschlussprüfungs-Richtlinie geregelt werden. Wenig Zeit mit dem Abschlussprüfer Bei all den vielfältigen Berührungspunkten zwischen Aufsichtsrat und Abschlussprüfer (Bestellvorgang, Festlegung der Prüfungsschwerpunkte, Arbeit des Prü- fungsausschusses, Diskussion der Prüfungsergebnisse, Feststellungen im Managementletter etc) wird aus der Untersuchung ein großes Kommunikationsdefizit sichtbar. Allerdings ist das keine große Überraschung – denn Kommunikation benötigt Zeit und Raum: Den AK Umfrageergebnissen zufolge wird diese Fülle an Kommunikationsschritten von mehr als einem Drittel der Abschlussprüfer in nur knapp 2 Stunden bewältigt. Ein vertretbares Zeitausmaß in der Kommunikation mit dem Aufsichtsratsgremium von mehr als 6 Stunden steht gerade einmal bei einem Viertel der Wirtschaftsprüfer auf der Tagesordnung. Es liegt jedoch nicht zuletzt am Aufsichtsrat selbst die notwendige Zeit für die Interaktion und Kommunikation zur Verfügung zu stellen: Denn die Umfrage liefert über die generelle Dauer von Aufsichtsratssitzungen ein mehr als ernüchterndes Bild: 80,0% der befragten Auf- sichtsrätInnen geben an, dass in ihrem Unternehmen nicht mehr als das gesetzliche Mindesterfordernis von 4 Aufsichtsratssitzungen pro Jahr stattfinden und bei 45,0% der Unternehmen dauert eine Aufsichtsrats- sitzung im Durchschnitt maximal bis zu 2 Stunden. Platz für ausreichend Diskussion, für die Kommunikation mit dem Abschlussprüfer und Selbstevaluierung des eigenen Gremiums ist daher kaum vorhanden. Gerade einmal in jedem siebten Unternehmen (15,4%) findet diese Effizi- enzprüfung überhaupt statt. Wie eine AK Untersuchung aus dem Jahr 2009 zeigt, ver- hält es sich dort wo ein Prüfungsausschuss eingerichtet wurde ähnlich. Bei den zweimal im Jahr stattfindenden Ausschusssitzungen nimmt man sich in 81,2% der Fälle maximal 2 Stunden für diese wichtige Ausschussarbeit Zeit. Vor diesem zeitlichen Hintergrund erscheint eine gewissenhafte, qualitative Überwachungstätigkeit und Interaktion zwischen den beiden zentralen Prüf- bzw Kontrollorganen als faktisch nicht gewährleistet. Differenzierter Bestätigungsvermerk für den Abschlussprüfer Nach eingehender Prüfung haben die Arbeitnehmerver- treterInnen im Aufsichtsrat ihren Abschlussprüfern ein differenziertes Testat ausgestellt: Fast zwei Drittel der Befragten bewerten ihren Abschlussprüfer mit „sehr gut“ (20,6%) bis „gut“ (41,5%). Bei 6,6% der Prüfer schränkten die BetriebsrätInnen allerdings den Bestätigungsvermerk Quelle: AK Umfrage Feber 2012

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