Full text: Europäischer Pakt für sozialen Fortschritt

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F. Zusammenfassung 
1. Im November 2016 haben die Gewerkschaftsverbände und sozialdemokratischen Parteien 
aus  den  EU?Mitgliedstaaten  Schweden  (LO  und  SAP),  Österreich  (ÖGB  und  SPÖ)  und 
Deutschland  (DGB  und  SPD)  einen  Europäischen  Pakt  für  sozialen  Fortschritt 
unterzeichnet, der auf eine Reform der Binnenmarktverfassung der Union abzielt. 
2. Konkret  enthält  der  Europäische  Pakt  die  Forderung,  das  Recht  des  Binnenmarktes  so 
einzustellen, dass die Beschäftigten starke soziale Rechte genießen, die Vorrang haben vor 
Marktfreiheiten und Wettbewerbsregeln. Weiterhin soll transnationaler Wettbewerb auf 
der Basis von Arbeitskosten ausgeschlossen sein. Schließlich wird gefordert, die für den 
Binnenmarkt konstitutiven Marktfreiheiten auf ein legitimes Maß zurückzuschneiden, sie 
darum  nicht  mehr  als  Beschränkungsverbote  zu  fassen,  sondern  lediglich  als 
Gleichbehandlungsgebote. 
3. Damit reagiert das „Europäische Protokoll für sozialen Fortschritt“ auf eine in Politik und 
Wissenschaft  seit  langem  diagnostizierte  soziale  und  demokratische  Problematik  des 
Integrationsprozesses.  Diese  hat  ihren  Ursprung  in  der  liberalistischen  Gestalt  der 
Binnenmarktverfassung.  Sie  lässt  sich darum nicht mit einer Vertiefung der  Integration 
oder mit einer Stärkung der Rechte des Europäischen Parlamentes beheben. 
4. Der  Europäische  Gerichtshof  hat  die  Binnenmarktverfassung  der  Union  durch  seine 
Rechtsprechung zu den Marktfreiheiten einer liberalistischen Transformation unterzogen. 
Er hat die Marktfreiheiten als Super?Freiheitsrechte für Unternehmen konzipiert, die diese 
zusätzlich  zu  ihren  mitgliedstaatlichen  Verfassungsgarantien  von  Eigentum  und 
Erwerbsfreiheit ins Feld führen können, um mitgliedstaatliche Regelungen zur Förderung 
von Gemeinwohl und sozialem Ausgleich zu Fall zu bringen. Eine solche Verschiebung der 
Gewichte  zugunsten  der  Unternehmen  und  zulasten  von  Gemeinwohl  und  sozialem 
Ausgleich war als Konsequenz der europäischen Marktintegration weder gewollt noch in 
ihrer Konzeption angelegt.  
5. Richtig  wäre  eine  Konzeption  der  Marktfreiheiten  als  Gleichbehandlungsgebote:  Kein 
Unternehmen mit Sitz  in einem anderen Mitgliedstaat und keine grenzüberschreitende 
unternehmerische Leistung soll schlechter behandelt werden, als Unternehmen mit Sitz 
im Inland und als Leistungen aus dem Inland. So verstanden, würden die Marktfreiheiten 
einerseits  mitgliedstaatlichen  Protektionismus  verhindern,  wie  es  ein  suprastaatlicher 
Binnenmarkt  verlangt.  Andererseits  würden  sie  ihren  deregulierenden  Überschuss 
        

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