Full text: Europäischer Pakt für sozialen Fortschritt

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„Sozialen Fortschrittsprotokoll“ des EGB angelegte Anliegen eingelöst. Mitgliedstaatliche 
Gestaltungen  von  Gemeinwohl  und  sozialem  Ausgleich  jenseits  von  Regelungen  im 
Rahmen der mitgliedstaatlichen Arbeits? und Sozialverfassung blieben aber erschwert. 
15. Mit Blick auf die Interessen der abhängig Beschäftigten in der Union ist es sehr dringlich, 
die  mitgliedstaatliche  Arbeits?  und  Sozialverfassung  vom  Anwendungsbereich  des 
Wettbewerbsrechts  und  von  sanktionierten Vorgaben  im Rahmen makroökonomischer 
Überwachung zur Stabilisierung des Euro auszunehmen. 
16. Der  Grundsatz  territorialer  Arbeitskostengleichheit,  den  die  Formel  „gleicher  Lohn  für 
gleiche Arbeit am gleichen Ort“ zum Ausdruck bringt, ist zentral um einen transnationalen 
Wettbewerb zu hindern, der allein auf der Basis von Arbeitskosten ausgetragen wird. Dies 
ist  die  Voraussetzung  dafür,  dass  die  in  den  Mitgliedstaaten  lang  erreichte  oder  sich 
immerhin  langsam  entwickelnde  Sozialstaatlichkeit  unter  der  Bedingung  des 
Binnenmarktes fortbestehen kann. 
17. Die  Marktfreiheiten  sowie  geltendes  Sekundärrecht  (Richtlinie  zur 
Arbeitnehmerentsendung, Verordnung zur Koordinierung der Systeme sozialer Sicherheit) 
setzen der Verwirklichung des Grundsatzes territorialer Arbeitskostengleichheit rechtliche 
Grenzen. Denn zum einen verlangt der Grundsatz teilweise offene Ungleichbehandlungen, 
die  die Marktfreiheiten  auch  nach  einem Rückbau  zu Gleichbehandlungsgeboten  nicht 
gestatten würden. Zum anderen stehen sekundärrechtliche Regeln entgegen, bei deren 
Erlass  die Bedeutung des Grundsatzes  territorialer Arbeitskostengleichheit  nicht  richtig 
erkannt wurde. 
18. Abhilfe  verspricht  eine  primärrechtliche  Verankerung  des  Grundsatzes  territorialer 
Arbeitskostengleichheit  als Rechtfertigungsgrund  für offene Ungleichbehandlungen.  Sie 
ist den bereits vorhandenen Rechtfertigungsgründen für offene Ungleichbehandlungen an 
die  Seite  zu  stellen,  die  nach  geltendem  Primärrecht  für  jede  der  Marktfreiheiten 
vorgesehen  ist  (Art.  36,  52 Abs.  1,  62,  65 Abs.  1  b) AEUV). Um auch die  fehljustierten 
sekundärrechtlichen  Regelungen  zu  korrigieren,  müsste  den  Mitgliedstaaten  im Wege 
einer Protokollerklärung Abweichungen von diesen Regelungen gestattet werden, soweit 
sie dazu dienen, den Grundsatz territorialer Arbeitskostengleichheit zu verwirklichen. 
19. Die  Fallstudien  zu  den  sensiblen  Feldern  der  Tarifautonomie,  der  staatlichen 
Unternehmenskontrolle  durch  „goldene  Aktien“  und  der  Arbeitnehmerentsendung 
belegen,  dass  der  vorgeschlagene  umfassende  Rückbau  der  Marktfreiheiten  zu 
        

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