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Full text: Arbeitsplatzschaffende und personenbezogene Förderungen in Österreich und Deutschland - Ein Vergleich (202)

22 22 2.2. Aktion 20.000 Zielgruppe und Maßnahmenbeschreibung Infolge der Finanz- und Wirtschaftskrise war die Arbeitslosigkeit in Österreich stark angestiegen. Mit 9,1% erreichte die Arbeitslosigkeit 2016 den damals höchsten Stand in der Geschichte der Zweiten Republik. Ältere Personen über 50 Jahre waren besonders stark vom Anstieg der Arbeitslosigkeit betroffen. Zwischen 2012 und 2016 stieg die Zahl der über 50-jährigen Arbeitslosen um fast 70% auf etwa 99.500 an. Die Betroffenen verloren ihre Beschäftigung nicht nur kurzfristig, für viele wurde die Arbeitslosigkeit zu einem längerfristigen Zustand. Die Zahl der Langzeitarbeitslosen, also jener Personen, die länger als 365 Tage arbeitslos gemeldet waren, nahm sehr stark zu. Auch im Bereich der Langzeitarbeitslosigkeit waren insbesondere ältere Personen betroffen. In der Gruppe der über 50- jährigen stieg die Anzahl der Betroffenen zwischen 2012 und 2016 von 2.400 auf über 24.000. Das AMS begründet dies insbesondere mit einem Fehlen an Arbeitsplätzen, die für die Zielgruppe geeignet sind. Als Reaktion auf diese Entwicklungen am Arbeitsmarkt wurde die sogenannte Aktion 20.000 in das aktualisierte Regierungsprogramm der Bundesregierung (SPÖ-ÖVP) aufgenommen: „Die Bundesregierung wird im Rahmen der Beschäftigungsaktion 20.000 für über 50- jährige langzeitarbeitslose Menschen 20.000 Arbeitsplätze pro Jahr in Gemeinden, über gemeinnützige Trägervereine und Unternehmen schaffen bzw. fördern und damit die Arbeitslosigkeit in dieser Gruppe halbieren.“ (Republik Österreich, 2017, S. 10) Die Aktion wurde am 29.06.2017 im österreichischen Nationalrat beschlossen und startete mit 01.07.2017. Die Umsetzung erfolgte durch das AMS über bestehende Förderinstrumente, die im Hinblick auf die Aktion 20.000 angepasst wurden. Drei verschiedene Fördermodelle standen zur Wahl, um zusätzliche Arbeitsplätze zu schaffen. Das Ausmaß der öffentlichen Beihilfe konnte dabei – im Unterschied zu bisherigen Förderungsmodellen des AMS in SÖB oder der Eingliederungsbeihilfe – bis zu 100% betragen: 1. Förderungen eines Einzelarbeitsplatzes mit dem Instrument der Eingliederungsbeihilfe, indem die ArbeitgeberInnen für die Beschäftigung von Langzeitarbeitslosen über 50 Jahren direkt gefördert werden. 2. Projektbezogene Beschäftigungsförderungen in Sozialökonomischen Betrieben oder Gemeinnützigen Beschäftigungsprojekten, die Arbeitsplätze in gemeinnützigen oder zumindest partiell marktfähigen Bereichen bereitstellen und darüberhinausgehende Integrationsleistungen anbieten. 3. Förderungen über gemeinnützige Arbeitskräfteüberlassung, wobei gemeinnützige Trägerorganisationen als ArbeitgeberInnen und FördernehmerInnen fungieren und ihre ArbeitnehmerInnen Unternehmen des allgemeinen („ersten“) Arbeitsmarktes oder Gemeinden überlassen. Alle Beschäftigungsverhältnisse waren auf eine Dauer von maximal zwei Jahren befristet und liefen höchstens bis 30.06.2019. Nur Personen, die im Juli 2017 in ein gefördertes Beschäftigungsverhältnis eintraten, konnten daher die Beschäftigungsdauer von zwei Jahren erreichen. Für alle, die zu einem späteren Zeitpunkt gefördert wurden, verkürzte sich die maximale Beschäftigungsdauer. Neben dem Beschäftigungsverhältnis wurden den geförderten Personen, sofern notwendig, auch Betreuungs- und Assistenzleistungen angeboten (Bundesministerium für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz, 2017a).
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