Full text: Neue Gentechnik (202)

VORWORT Die „neue Gentechnik“ auch als Genome Editing oder „neue genomische Techniken bezeichnet, er- öffnet viele neue Möglichkeiten um in das Erbgut von Organismen, Pflanzen, Tieren oder Menschen einzugreifen. Sie umfasst eine breite Palette an Verfahren, von denen das wohl bekannteste CRISPR/Cas ist. Durch die Vielzahl von Anwendungsmöglichkeiten ist das Veränderungspotential dabei deutlich größer, als bei bisherigen Verfahren: Von kleinen Punktmutationen in der Zelle bis dahin, dass mehrere Eigenschaften gleichzeitig eingebracht sowie komplexe Merkmale oder ganze Stoffwechselwege verändert werden. Der Europäische Gerichtshof (EuGH) stellte im Juli 2018 klar, dass die durch die neuen Gentechnik- verfahren hergestellte Produkte gentechnisch veränderte Organismen (GVO) sind und damit der EU- Gentechnikgesetzgebung unterliegen. Dies bedeutet eine umfassende Risikoabschätzung dieser GV- Produkte vor einer Marktzulassung sowie die Kennzeichnung als GVO-Produkte. Der EuGH begrün- det dies damit, dass die neuen GVOs, mit ähnlichen Risiken verbunden sein könnten wie herkömmlich erzeugte GVOs. Dieses Urteil wurde von der Arbeiterkammer Wien sowie Umwelt- und Konsumen- tenschutzorganisationen begrüßt. Industrie und Teile der Wissenschaft stehen diesem Urteil negativ gegenüber und wollen eine Aufwei- chung der EU-Gentechnikgesetzgebung. Sie haben den Wunsch, diese neue Gentechnik herkömm- licher Züchtung gleichzustellen und sprechen daher nicht von neuer Gentechnik, sondern von neuen Züchtungstechniken. Sie möchten eine genaue Prüfung des Risikos für die menschliche Gesundheit und die Umwelt und die Kennzeichnung vermeiden. Aber, sind Produkte dieser neuen Gentechnik tatsächlich ohne Risiko für die Gesundheit und die Um- welt und damit sicher? Was bedeutet es für die KonsumentInnen, wenn es keine gesetzlichen Rege- lungen für die Produkte der neuen Gentechnik gibt und diese ohne Risikoprüfung und Kennzeichnung auf den Markt kommen? Wie würde sich dies auf gentechnikfreie Produktion und die biologische Le- bensmittelherstellung auswirken? Das Ergebnis der von der Arbeiterkammer Wien beim Umweltbundesamt in Auftrag gegebenen Studie ist eindeutig: Ohne klare Regulierung und Kennzeichnung könnten Produkte aus der Neuen Gentech- nik unbemerkt in Lebensmittel, selbst in Bio-Lebensmittel, Eingang finden. KonsumentInnen hätten damit keine Sicherheit mehr, dass ihre Lebensmittel keine Gentechnik enthalten und sowohl die Gen- technik-freie Produktion als auch die Bio-Produktion wären in Gefahr. Für viele KonsumentInnen ist seit Jahren die Gentechnik-Freiheit ein unverzichtbarer Aspekt beim Einkauf. Daher müssen Produkte, die mit Hilfe der Neuen Gentechnik hergestellt wurden, aus Sicht der Arbeiterkammer klar als GVO-Produkte gekennzeichnet sein und das Vorsorgeprinzip muss durch eine Risikobewertung vor der Marktzulassung eingehalten werden. Iris Strutzmann (AK Wien) und Heinz Schöffel (AK Wien) Wien, im August 2020

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