Full text: Solidarität - Mai 1953, Heft 191 (191)

1 IfOfAffffeitO ösferreicf,s Energiequellen ? GROadlC WWQdiVCinmlall müssen ausgebaut werden Seit einigen Wochen ist sehr viel von „Österreichs Reichtum", der ungenützten Wasserkrait, die Rede. Von allen Plakatwänden und von den Bildflächen der Kinos leuchtet uns auf Schritt und Tritt entgegen, daß Österreich seinen wertvollsten Schatz, die „weiße Kohle", heben und auswerten soll. Aber haben wir nicht ohnehin schon sieben be¬ deutende, zum Teil bereits iertige Wasserkraftwerke, für die 2,1 Mil¬ liarden Schilling ERP-Investitionen aufgewendet wurden? Ist das für das kleine Österreich nicht genug? Wir brauchen mehr Stiom! Während die stromreichen Län¬ der Frankreich, Schweden, Nor¬ wegen, die Schweiz und Italien ihre Wasserkräfte zum größten Teil bereits nutzbar gemacht haben, konnte Österreich erst un¬ gefähr ein Fünftel der in seinen Wassern schlummernden Kräfte freimachen. Auch in der Elektri¬ fizierung ist Österreich gegenüber diesen Ländern noch im Hinter¬ treffen. Ein Schweizer verbraucht mit 1800 kWh im Jahr ungefähr zweimal so viel Strom wie ein Österreicher, ein Norweger oder Kanadier viermal soviel. Die Elek¬ trizität nimmt einer österreichi¬ schen Hausfrau kaum 10 Prozent ihrer schweren Haus- und Küchen¬ arbeit ab, einer amerikanischen Hausfrau aber mehr als 80 Pro¬ zent. Der Elektrizitätsverbrauch ist der Ausdruck der Lebenshal¬ tung eines Volkes, und die Ent¬ wicklung der Zivilisation und der Wirtschaft ist heute ohne den Ausbau elektrizitäts erzeugender Anlagen nicht mehr denkbar. Im Rahmen des Europäischen Wittschaftsplanes könnte Öster¬ reich nach dem Ausbau seiner Wasserkräfte mit jährlich an¬ nähernd 4 Milliarden kWh Export¬ überschuß einen achtmal größeren bundnetzes in den Jahren 1945 bis 1948 erfuhren wir viel Inter¬ essantes über die Wasserkraft¬ projekte des heurigen Jahres. Da ist das Großkraftwerk Ka- prun der Tauernkraftwerke A. G. in Salzburg. In 2000 Meter Höhe werden hunderttausende Kubik¬ meter Felsmassen und Beton in Bewegung gesetzt, gigantische Staumauern errichtet und kilo¬ meterlange Stollen gegraben, um die Kraft der stürzenden Wasser nutzbar zu machen. Die Haupt¬ stufe Kaprun ist bis auf Rest¬ arbeiten fertiggestellt. Der 4. Ma¬ schinensatz mit 55 MW Leistung jagt schon seit Frühjahr 1952 die erzeugte Energie in den gierigen Rachen unseres Verbundnetzes. 1953 sind vor allem noch der Hochwasserüberfall der 120 Meter hohen Limbergsperre und der Ausbau der Oberstufe vorgesehen; Dann soll heuer das Kraftwerk Reißeck — das besonders für die Stromversorgung des südlichen Teiles von Österreich so wichtig ist — ausgebaut werden. Ein Arbeitsvermögen von jährlich 348 GWh bei Vollendung des Kraftwerkes wird der Bevöl¬ kerung im Süden Österreichs eine gesicherte Stromversorgung brin¬ gen. wer wird das bezahlen? Wer einen Schatz heben will, braucht die notwendigen Werk¬ zeuge dazu. Und an diesem Werk- zeug — dem Geld — fehlt es der österreichischen Elektrizitäts Wirt¬ schaft. Sie tritt nun das erstemal an die Bevölkerung mit dem Er¬ suchen heran, ihr bei der Finan¬ zierung der Bauvorhaben behilf¬ lich zu sein. In Form einer An¬ leihe sollen die notwendigen Mit¬ tel, die uns bisher zum größten erlebt. Diesmal aber haben die Elektrizitätsgesellschaften — ob¬ zwar der Schilling heute wieder eine feste Währung ist — für die Anleihezeichner besondere Sicher¬ heiten vorgesehen. Sollte die Kaufkraft des Schil¬ lings sinken, so tritt die Wert¬ sicherungsklausel in Kraft. ' Die 200 gezeichneten Schilling ent¬ sprechen gegenwärtig dem Durch¬ schnittspreis von 925,9 Kilowatt¬ stunden Strom (Verbundstarif). mmmzm Ein Denkmal österreichischer Schaffenskraft; Die Limbergsperre der Tauern- kraftwerke Kaprun Wenn dieser Strompreis durch eine Schillingentwertung nun erhöht würde, so erhöhen sich im selben Maße der Einlösebetrag und di^' Zinszahlungen für die Anleihe. Die Energieanleihe bietet außer der Sicherheit noch viele andere Vorteile, die durch entsprechende Publikationen der Bevölkerung bekannt gemacht werden. Aber außer den 5 Prozent Zin¬ sen, der Mündelsicherheit, der bequemen Teilzahlung, der großen Treffefchancen und des 20prozen- tigen staatlichen Zuschusses in Form von Steuerermäßigungen sollte jedem Zeichner der Energie¬ anleihe klar sein, daß der Ausbau der Wasserkräfte Österreichs Lebensader ist. Und unsere Elek¬ trizitätswirtschaft hat eine „Blut¬ transfusion" dringend notwendig, wenn sie den Reichtum unseres Landes, die veredelten Wasser¬ kräfte, für alle Zukunft sichern will. n. Teil durch ausländische Hilfe zu¬ strömten, 1953 von uns selbst aufgebracht werden. Das Flußkraftwerk Rosenau Beitrag zur Deckung des europä¬ ischen Stromdefizits leisten als die Schweiz. Österreich könnte ... ?! Österreich muß mehr Strom er¬ zeugen, wenn es in seiner wirt¬ schaftlichen Entwicklung von an¬ deren Ländern nicht überrannt werden will. Unsere Sorgenkinder „Drei Kraftwerke sind es, deren Fertigstellung oder. Ausbau im Jahre 1953 für Österreichs Elek¬ trizitätswirtschaft von besonderer Bedeutung sind." Mit dieser Fest¬ stellung beginnt unser Gespräch mit einem Ingenieur der Verbund¬ gesellschaft. Und nach einigen trüben Rückblicken auf die häufi¬ gen „Zusammenbrüche" des Ver¬ seife 4 Nr. 191 SOLIDARITÄT der Ennskraftwerke A. G. Und da ist schließlich bei den Ennskraftwerken die 1953 vor¬ gesehene- Fertigstellung des Flu߬ kraftwerkes Rosenau, dessen Tur¬ binen dem Wasser der Enns jähr¬ lich 139 Millionen kWh Elektrizi¬ tät abgewinnen sollen. Drei vor¬ dringliche Projekte für das Jahr 1953, die tausenden Menschen Ar¬ beit und unserem Lande neuen Reichtum bringen werden. Warum diese Projekte Sorgen¬ kinder sind? Die Durchführung dieser Planungen erfordert hunderte Millionen Schillinge. Und damit wird eine Frage, der sich kein Österreicher auf die Dauer ver¬ schließen kann, brennend aktuell. Viele Arbeiter und Angestellte werden sich nun fragen, ob denn gerade ihre paar Schillinge für so eine Riesenanleihe ausschlag¬ gebend seien. Ja! Wenn jeder Ar¬ beiter und Angestellte die kleinste aufgelegte Anleihesumme, das sind 200 Schilling, auf acht Monatsraten ä 20 Schilling (die restlichen 40 Schilling bezahlt der Staat darauf) zeichnen würde, so ergäbe das ungefähr 360 Mil¬ lionen Schilling, das sind die Baukosten für ein großes Flu߬ kraftwerk! „Aber, fallen die kleinen Leute nicht immer mit ihren Spargeldern um? Man muß zugeben, daß diese Frage, die uns ein Kärntner Bergarbeiter stellt, nicht un¬ berechtigt ist. Die Sparer haben nach und zwischen den beiden Weltkriegen viel Unerfreuliches

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