Full text: Solidarität - Mai 1954, Heft 215 (215)

! Der IBFG zum 1. Mai Zum 1. Mai 1954 hat der Internationale Bund freier Gewerk¬ schaften wieder einen Aufruf an die Arbeiter und Angestellten der ganzen Welt erlassen, der sich nicht nur an seine 54 Millionen Mit¬ glieder in den dem IBFG angeschlossenen freien Gewerkschaften richtet, sondern auch für jene Arbeitnehmer in den Ländern totali¬ tärer Diktatur sowie in abhängigen Ländern, die mit demokratischen Mitteln nach nationaler Freiheit streben, gedacht ist. Ihnen allen, den manuell und geistig Arbeitenden, den werktätigen Frauen Und Jugendlichen, sendet der Internationale Bund freier Gewerkschaften seine brüderlichen Grüße an diesem Tage der inter¬ nationalen Solidarität der Arbeiterschaft! Am 1. Mai 1954 erneuert der IBFG vor den Arbeitern der Welt feierlich sein Versprechen, sich weiterhin unermüdlich und ent¬ schlossen einzusetzen für Broä — für immer höheren Lebensstandard der arbeitenden Menschen in aller Welt, für besondere Hilfe an die wirtschaftlich unterentwickel¬ ten Länder, gegen die wachsende Gefahr der Arbeitslosigkeit und für gerechtere Anteilnahme aller Bevölkerungsschichten und Na¬ tionen an den Reichtümern und Erträgnissen der Erde, für Frieden — in Freiheit und Gerechtigkeit, für Freiheit — für die wirtschaftliche und politische Demokratie und gegen alle Formen der Diktatur, für die Entwicklung demokratischer Selbst¬ verwaltung für alle Völker; für die volle und freie Ausübung gewerk¬ schaftlicher Rechte, nicht zuletzt für das Recht der Arbeiter auf die Mitwirkung an der Planung und Durchführung der Wirtschaftspolitik. Für alle diese sozialen und wirtschaftlichen Forderungen, die den schaffenden Menschen in jedem Lande so sehr am Herzen liegen, hat der IBFG mit seinen Mitgliedsorganisationen in 74 Ländern ge¬ kämpft und wird weiter für sie kämpfen. Es lebe die freie und demokratische Gewerkschaftsbewegung aller Länder! Vorwärts mit dem IBFG für Brot, Frieden, Freiheit! Wandgemälde im Treppenhaus des Gebäudes der Internationalen Arbeits¬ organisation in Genf: „Christus bei den Arbeitern" Warum wird keine Lehre daraus gezogen? praktischen Aufhören der offent--^^ liehen Bautätigkeit zusammenfallen läßt. Jeizt muß für den Winter vorgesorgt werden Amerikanische Zoologen untersuch¬ ten vor einiger Zeit das Gedächtnis der Schnecken und fanden heraus, daß diese sicherlich nicht besonders ver¬ nunftbegabten Tiere in einem Laby¬ rinth den richtigen Weg zu finden lernen, wenn sie auf den falschen Wegen einige Male elektrisiert wer¬ den Die österreichische Wirtschaft er¬ hält seit tünt Jahren jeden Winter einen derartigen Schlag, merkt sich aber nichts. Regelmäßig wiederholt sich folgendes: Im Sommer und Herbst erhebt der Gewerkschafts¬ bund eine mahnende Stimme und macht alle zuständigen Kreise dar¬ auf aufmerksam, daß gegen die Saisonarbeitslosigkeit Vorsorge zu treffen sei. Da aber zu diesem Zeitpunkt die Arbeitslosigkeit auf einem Tiefpunkt sieht, lassen sidi oftenbar die entscheidenden Per¬ sonen diese Mahnungen sehr rasch durch den Kopf gehen, nämlich bei einem Ohr hinein und beim an¬ deren gleich wieder heraus. Die Winterarbeitslosigkeit steigt dann im Jänner und Februar wie vorhergesagt. Dann sind alle furcht¬ bar aufgeregt, man trifft Notma߬ nahmen, stellt Geldmittel zur Ver¬ fügung, die dann richtig auch im März und April verwendet werden, wenn der Winter schon zu Ende ist. Im Frühling beginnt die Saisonarbeits¬ losigkeit zu sinken und schon ist der harte Winter vergessen. Daß inzwischen die Volkswirtschaft die größten Schäden erlitten hat, kann und darf nicht übersehen wer¬ den. Mehr als 100.000 Bauarbeiter waren bisher jedes Jahr in der Wintersaison arbeitslos und die Rück¬ wirkungen des weitgehenden Still¬ stands der Bautätigkeit haben auch in der übrigen Wirtschaft Rückschläge erzeugt. Wie die Arbeitslosenstatistiken der vergangenen Jahre zeigen, ruft eine Arbeitslosigkeit von 100.000 Bauarbeitern in den Wirtschafts¬ zweigen, die mit der Bauwirtschait in einer engen Verbindung stehen, eine Arbeitslosigkeit von weiteren 30.000 Mann hervor und diese von der Bauwirtschalt ausgehende Ar¬ beitslosigkeit hat natürlich auf die gesamte Wirtschaft, auf die ge¬ samte Beschäftigungssituation die ungünstigsten Auswirkungen. Es kann so nachgewiesen werden, daß mehr als die Hälfte der Winter- arbeitslo-sigkeir ausschließlich eine Wirkung des fast völligen Stillstandes der BautafigkeifiSt. Im Sommer aber weiß man nicht, wie man die Bauaufträge nur rasch genug erledigen soll. Da werden Überstunden bis „Ende nie" gemacht, es werden oft die Nächte durchgear¬ beitet, aus allen möglichen Berufen werden Arbeitskräfte in die Bauwirt¬ schaft gezogen, die dann im Winter das Heer der arbeitslosen Bauarbeiter vergrößern. Die Ursache für diese unerträgliche Entwicklung ist absolut nicht das Klima oder irgend eine andere unüberwindliche natürliche Schranke. In Nordschweden, in Lulea, schon nahe dem Polarkreis, wird den ganzen Winter durch gebaut, bei 40 und mehr Grad unter Null. Bei uns sind aber einige wenige minus Grade schon eine gute Ausrede, um einer kleinen Umorganisation und der Not¬ wendigkeit ein wenig Gehirnschmalz einzusetzen, zu entgehen. Es muß einmal deutlich gesagt werden: die Winterarbeitslosigkeit ist im wesentlichen ein organisato¬ risches Problem. Sie ist unter an¬ derem ein Problem der wirtschafts¬ fremden Laufzeit unseres Budget¬ jahres, das den Höhepunkt der Winterarbeitslosigkeit mit dem Es wird eine wichtige Aufgabe des Nationairates und der Bürokratie sein, dafür vorzuBorqen, daß die qesetz- 1 irbenTnrT ÖV'g^TsaioVfHm'11 i' ll' - Setzungen für einen vernünltigen Ein¬ satz der Bauwirtschait geschaffen wer¬ den, damit die Bekämplun-g 7 der Saisonarbeitslosigkeit endlich aus dem Stadium der krampfhaften und ver¬ späteten Improvisationen heraus¬ kommt. H. K. Antwort an Peter Lorfti» Unter dem Titel „"Der Schutzengel vom Industriellenverband" beschäf¬ tigte sich die „Solidarität" Nr. 213 mit einem propagandistischen Unfug, den ein Herr Peter Lorenz in einer seiner täglichen Morgensendungen mit den Arbeitslosen trieb. In der Sendung vom 26. April suchte nun Peter Lorenz sich zu rechtfmtkien. indem er beteuerte, nur ehffe „gute Tat" beabsichtigt zu haben. Wir können ihm versichern, daß wir gegen eine gute Tat nichts einzu- wenden haben. Wenn man sie aber auf die große Glocke hängt und damit Tausende irreführt, denen er persön- lidi, selbst bei bestem Willen, keine Arbeit verschaffen kann, dann ist das eben keine gute Tat! Die Winterarbeitslosigkeit schädigt alle 1 Immer mehr Bauarbeiter müssen Winter feiern. Der Stillstand der Bautätigkeit ruft Rückschläge in der canzen Wirt¬ schaft hervor Mehr als 200 000 Familien warten auf eine Wohnung, weil wir uns den Luxus leisten, die Bautätigkeit vier Monate im Jahr stillzulegen. B i ein r wenn auch b schränkten B: utätigk it m Winter hätte man für ein Dr ttel der Wo nu.-.gsuchenden Wohnungen bauen können. Seite 2 Nr. 215 SOLIDARITÄT mmmmsrnmemmmt'-

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