Full text: Arbeit & Wirtschaft - 1926 Heft 12 (12)

491 ARBEIT UND WIRTSCHAFT 492
schleunigste Einführung der Alters- und
Invalidenversicherung
und für
die baldigste Verabschiedung einer brauch¬
baren Angestelltenversicherung
einzutreten entschlossen ist.
Gerade in diesen Tagen kämpfen die Sozial¬
demokraten im Nationalrat um die Verlängerung
der Arbeitslosenversicherung. Die
Partei der Hemala und Untermüller will den
Arbeitslosen wichtige Rechte rauben und vor
allem die Saisonarbeiter von der Arbeitslosen¬
versicherung ausschließen. Gebt diesen Kapita¬
listensöldlingen am Wahltag die entsprechende
Antwort: Wählt freigewerkschaftlich und demon¬
striert so für die
uneingeschränkte Verlängerung der
Arbeitslosenunterstützung!
Die Unternehmer und ihre Diener in den bür¬
gerlichen Parteien greifen alle sozialpoliti¬
schen -Schutzgesetze an; sie kämpfen
gegen den Achtstundentag, gegen die Betriebs¬
räte, gegen den Bäckerschutz und gegen alle
anderen Gesetze zum Schutze der Arbeiter und
Angestellten. Ein glänzender Sieg der freien Ge¬
werkschaften bei den Arbeiterkammerwahlen
wird ihnen zeigen, daß ihre Angriffe auf unsere
Schutzgesetze zur Erfolglosigkeit verurteilt sind.
Österreich ist von einer furchtbaren Wirt¬
schaftskrise heimgesucht. Regierung und bürger¬
liche Parteien stehen der Arbeitslosigkeit mit
verschränkten Armen gegenüber. Zwingt sie,
durch geschlossenes Eintreten für die freigewerk¬
schaftliche Liste sich endlich aus der Trägheit in
allen wirtschaftlichen Fragen aufzuraffen! De¬
monstriert durch einen gewaltigen Stimmen¬
zuwachs der freien Gewerkschaften für die
energische Aktion gegen die läh¬
mende Krise unseres Wirtschaftslebens. Er¬
klärt durch die Wahl der freigewerkschaftlichen
Liste, daß ihr aus politischen, sozialen und wirt¬
schaftlichen Gründen den Anschluß an
Deutschland wollt und daß ihr darin das
einzig wirkliche Heilmittel gegen die öster¬
reichische Wirtschaftskrise erkennt!
Wer wirbt bei diesen Wahlen um eure
Stimmen?
Wie bei allen anderen Wahlen stehen sich
auch diesmal zwei grundsätzliche Gegner gegen¬
über : die Gegner des Kapitalismus und
die Söldlinge der Kapitalisten, die
Vorkämpfer für Arbeiter- und Angestelltenrechte
und die Lakaien der Unternehmer. Wenn die
Kapitalisten diesmal auch nicht mitwählen, so
haben sie doch ihre Agenten, die Christlichen und
Deutschgelben, in den Kampf geschickt, um die
Arbeiter und Angestellten von diesen zweifel¬
haften Arbeitervertretern verführen zu lassen,
Unternehmerfreunde in die Arbeiterkammern zu
wählen. Dieselben Herren, die mit den christlich¬
sozialen Unternehmer- und Bankenvertretern in
einer Partei sitzen und ihnen in allen sozialen und
wirtschaftlichen Fragen nachgeben, werben nun
als „Arbeiter- und Angestelltenvertreter" um
eure Stimmen, um eure Interessen bei der näch¬
sten Gelegenheit an ihre kapitalistischen Partei¬
freunde verraten zu können.
Auch die Kommunisten werben um
eure Stimme. Überflüssig zu sagen, daß jeder,
der die kommunistische Liste wählt, sein
Pulver wirkungslos verschießt;
denn die österreichischen Kommunisten haben
in ihrer siebenjährigen unrühmlichen Ge¬
schichte zur Genüge bewiesen, daß sie un¬
fähig sind, Arbeiter- und Angestellteninteressen
zu vertreten, sondern nur das eine erreicht haben,
daß ein paar tausend Menschen aus unseren
Reihen abgesplittert und dem gegnerischen Lager
zugute gekommen sind. Wer kommunistisch
wählt, u 11 terstützti n direktdiech rist¬
lich-gelben Unternehmerknechte!
So gibt es für die denkenden Arbeiter und An¬
gestellten nur eine Liste:
die freigewerkschaftliche.
Die Gewerkschaftskommission fordert euch
auf, eure ganze Kraft für die frei¬
gewerkschaftlichen Kandidaten
e i n z u s e t z e n ; sie tut es, gestützt auf die ge¬
waltigen Leistungen auf wirtschaftlichem und
kulturellem Gebiet, welche die freigewerkschaft¬
lichen Organisationen in jahrzehntelangem Kampf
für euch vollbracht haben. Wir erwarten von
euch die i n t e n s i v s t e A g i t a t i o n für unsere
Liste, damit fortgesetzt werden kann, waS
die Arbeiterkammern unter der Führung ihrer
freigewerkschaftlichen Mehrheit geleistet haben.
Die Wahlen in die Arbeiterkammern müssen
den Gegnern zeigen, daß die österreichischen
Arbeiter und Angestellten geschlossen im Lager
der freien Gewerkschaften und des Sozialismus
stehen, daß, trotzdem der Faschismus über¬
all seine Orgien feiert und die Arbeiterklasse
niedertrampelt, Demokratie und Republik in
Österreich auf dem Fels der freien Gewerk¬
schaften gegründet sind. Kämpft mit Begeiste¬
rung für unsere Liste, damit die Arbeiterkammern
auch weiter ein Instrument freigewerkschaftlicher
Sozial- und Wirtschaftspolitik bleiben! Damit die
Unternehmer und die bürgerlichen Parteien
wieder einmal sehen, daß die Sache der freien
Gewerkschaften und des Sozialismus
in Österreich marschiert.
Auf zum Kampfe um die Erhaltung unserer
Machtposition in den Arbeiterkammern!
Für das wirtschaftliche Mitbestimmungsrecht
der Betriebsräte, Gewerkschaften und Arbeiter¬
kammern!
Für die sozialpolitischen Schutzgesetze!
Für Arbeiter- und Angestelltenrecht!
Die Gewerkschaftskommission
Deutschösterreichs
        

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