Full text: Arbeit & Wirtschaft - 1949-50 Heft 12 (12)

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Das ist Freiheit. Eine Abhandlung
über die wirtschaftliche und soziale
Lage der Arbeiterschaft in den Ver¬
einigten Staaten. Herausgegeben von
der Abteilung für Arbeitsinformation
der ECA-Mission für Österreich.
Unter dem Titel „The Gift of Free¬
dom" erschien vor Jahresfrist eine
vom arbeitsstatistischen Amt des Ar¬
beitsministeriums der Vereinigten
Staaten verfaßte Darstellung der wirt-
schaftichen und sozialen Lage der
Lohnempfänger in den Vereinigten
Staaten. Die Abteilung für Arbeitsin¬
formation der ECA-Mission in Öster¬
reich macht nun durch ihre Ausgabe
in deutscher Sprache die Schrift den
österreichischen Lesern allgemein zu¬
gänglich. (Sie kann zum Preis von
3 Schilling im USA-Information-
Centre, Wien I, Kärntner Straße 38, be¬
zogen werden.) Die Schrift gibt unter
Anführung einer Fülle von statisti¬
schen Daten Auskunft über die beruf¬
liche Gliederung des amerikanischen
Volkes; über Beschäftigung, Beschäf¬
tigungsdauer, Kurzarbeit und Arbeits¬
losigkeit der Arbeitenden in den
Städten (den Landarbeitern ist ein be¬
sonderes Kapitel gewidmet); über die
Löhne und ihre Kaufkraft (Reallohn);
über das Familieneinkommen typischer
amerikanischer Arbeiterfamilien und
welchen Lebensstandard sie damit er¬
reichen können. In besonderen Kapi¬
teln ist die soziale Sicherheit (Sozial¬
versicherung), die Arbeitsgesetzge¬
bung und die Gewerkschaftsbewegung
behandelt. Es ist ein eindrucksvolles
Bild, das die Schrift von den Gaben
der Freiheit an die amerikanische Ar¬
beiterschaft vermittelt. Ihrem Sinn
nach ist sie dazu bestimmt, dem euro¬
päischen Arbeiter die Gaben der Frei¬
heit am Dasein der amerikanischen
Arbeiterschaft darzustellen, um ihn
gegen totalitäre Lockung gefeit zu
machen. Da ist es nicht verwunderlich,
daß die Schatten, die auf dieses Bild
fallen könnten, nicht gleich stark zur
Geltung kommen wie das Licht. Die
USA sind nicht ein Land, sondern ein
Kontinent mit starken Kontrasten. Was
die Broschüre gibt, sind die Lebens¬
bedingungen der Arbeitnehmer in den
Städten der industrialisierten Teile
des Landes. Aber in dem Kontinent
der Vereinigten Staaten gibt es auch
den konservativen Süden, wo noch
nicht einmal die Gewerkschaften ein¬
gedrungen sind. Ein Versuch dazu, den
die CIO unternahm, hat viele Todes¬
opfer gefordert, aber noch keinen Er¬
folg gebracht. Auch das Problem der
farbigen Arbeiter, der Neger, der Phi-
lipinos, der Einwanderer aus Puerto
Rico und aus Mexiko gehört zu den
Schattenseiten des sonst so glanz¬
vollen Bildes des Aufstiegs einer
Arbeiterklasse, die sich mit Mut und
großen Opfern ihren heute erreichten
Lebensstandard erkämpft hat.
Review of International Commodity
Problems 1949. Veröffentl. Nr. 1950,
II. D. 2 der Vereinten Nationen, Lake
Success, Februar 1950. Bezugsstelle:
Hans Rannhardt, Kirchgasse 17, Zürich,
Schweiz. Das Heft beschäftigt sich mit
den Stapelwaren des Welthandelsver¬
kehrs, dem Stand ihrer Produktion und
ihres Umsatzes auf den internationalen
Märkten, der Preisentwicklung bis
Ende 1949. Die geänderte Marktsitua-
tioni, die zufolge der Befriedigung des
durch den Krieg zurückgestauten Be¬
darfs und der Steigerung der Produk¬
tion in den vom Kriege betroffenen
Gebieten eingetreten ist; die Schwie¬
rigkeiten, die sich aus den Beschrän¬
kungen des freien Währungsverkehrs
und dem Dollarmangel ergaben, wer¬
den dargestellt. Die internationalen
Verhandlungen und Verträge über ein¬
zelne Waren und den zwischenstaat¬
lichen Warenverkehr finden eine ein¬
gehende Behandlung. Die Einzeldar¬
stellungen erfassen 23 Waren und
Warengruppen.
Das heutige Brasilien, Hilfsquellen,
Möglichkeiten. Brasilien ist das Land
mit einer großen Zukunft in Süd¬
amerika, von dem es als sein größter
Staat fast die Hälfte okkupiert. Mit
48 Millionen Einwohnern ist es auch
der volkreichste Staat des Kontinents.
Der reich bebilderte Band, der die
deutsche Ausgabe eines vom Auswär¬
tigen Amt Brasiliens bearbeiteten Wer¬
kes über die Bundesrepublik darstellt,
will, wie Jorge Latour, der Vorsitzende
des brasilianischen Einwanderungs¬
und Kolonisationsamtes, in seinem Ge¬
leitwort sagt, an erster Stelle dazu
dienen, es dem Neueinwanderer zu er¬
möglichen, daß er sich mit dem Land
und seiner Wirtschaft schnell vertraut
macht. Es behandelt die Geographie,
das Klima, die Bevölkerung des Lan¬
des, seine Bodenreichtümer, die Pflan¬
zenwelt und die Landwirtschaft, seine
Industrie, die Verkehrsmittel, den
Außenhandel, Schul- und Bildungs¬
wesen, kulturelle Tätigkeit, Gesund¬
heitswesen und soziale Fürsorge. Der
sozialpolitisch Interessierte wird es
bedauern, daß gerade dieses letzte
Kapitel ziemlich stiefmütterlich be¬
handelt ist und über die unter dem
Präsidenten Getulio Varga eingeführ¬
ten sozialpolitischen Gesetze nur un¬
zureichend informiert. Aber im übri¬
gen enthält das Buch reiches Material
zur Information für den Interessierten.
Schade, daß die Übersetzung mancher
Teile des Buches so wenig entspre¬
chend ist; sie ist offenbar von jeman¬
dem besorgt worden, der der deut¬
schen Sprache nicht mächtig ist.
Neuerscheinungen aus dem Verlag
des österreichischen Gewerkschafts¬
bundes:
Albert Lauterbach, Planung und
Freiheit (Wirtschaftliche Sicherheit
und individuelle Freiheit). Der Öster¬
reicher Albert Lauterbach, zur Zeit als
Sozialwissenschaftler an der Univer¬
sität zu Ithaca im Staate New York
tätig, schrieb dieses Buch zuerst für
amerikanische Leser. Es ist sehr dan¬
kenswert, daß es nun auch in deut¬
scher Sprache zugänglich gemacht
wird, denn sein Problemkreis, ob sich
die Planung der Wirtschaft mit der
Bewahrung der persönlichen Freiheit
vereinbaren läßt, hat für die Menschen
deutscher Muttersprache, durch deren
Wohngebiete die Grenze zwischen der
geplanten totalitären und der, wenig¬
stens noch in der Theorie, wirtschaft¬
lich und politisch liberalen Welt geht,
brennende Aktualität. Lauterbach ist
Sozialist, demokratischer Sozialist, dem
die Freiheit und das Recht der Ein¬
zelpersönlichkeit unveräußerliche Er¬
rungenschaften sind. Er untersucht ein¬
gehend die bestehenden Systeme der
Wirtschaftsführung und die verschie¬
denen Typen der Wirtschaftsplanung,
um darzulegen, daß Planung notwen¬
dig und mit der Erhaltung der demo¬
kratischen Institutionen und den Frei¬
heitsrechten der Persönlichkeit verein¬
bar ist. Sein Buch ist ein wertvoller
Beitrag zu einer Diskussion, die die
Befürworter der Planung in Freiheit
nach zwei Seiten führen müssen, mit
den Anhängern des totalen^ Kapitalis¬
mus und des totalitären Sozialismus.
Emil Klaudinger, Arbeitsinspektions-
gesetz. Schriftenreihe des ÖGB, Nr. 19.
Hans Immervoll, Die Arbeitslosen¬
versicherung. Schriftenreihe des ÖGB,
Nr. 20.
In der wohlfeilen, auf das Bedürfnis
der Gewerkschaftsfunktionäre und der
Betriebsräte zugeschnittenen Ausgabe
sozialpolitischer Gesetze des ÖGB
werden diese beiden neuen Hefte will¬
kommen sein. Klaudinger gibt in
seiner Ausgabe des Arbeitsinspektions-
gesetzes den Gesetzestext wieder, des¬
sen Verständnis er durch seine Erläu¬
terungen erschließt. In Immervolls
„Arbeitslosenversicherung" ist die
Methode gewählt, den Inhalt der ge¬
setzlichen Vorschriften, ohne ihren
Text zum Abdruck zu bringen, in der
Form von Frage und Antwort dem
Verständnis zu erschließen.
Inhalt dieser Nummer:
Seite
Gustav Wihrheim: Verwaltungspro¬
bleme der verstaatlichten Industrie 1
Dr. Michael Kröll: Produktivierung
im sozialpolitischen Aspekt 3
Dr. Max Ermers: Berta von Suttner
und die Friedensbewegung 5
Dr. Richard Korn: Steuerlast und
Steuerkraft 6
Eine Stimme zur Produktivitäts¬
steigerung 10
Dr. Ernst Kübler (Graz): Die
Schweiz — ein lebensfähiger Klein¬
staat 12
Dr. Ernst Lachs: Probleme der ameri¬
kanischen Landwirtschaft 15
Dr. Leonhard Olscha: Heime für die
Alten 17
Von Monat zu Monat 19
österreichische Wirtschaft 25
Internationale Wirtschaft 26
Aus den Gewerkschaften 28
Zeitschriftenschau 30
Bücher 32
Eigentümer, Verleger und Herausgeber:
österreichischer Arbeiterkammertag und
österreichischer Gewerkschaftsbund. Für den
Inhalt verantwortlich: Ernst Lakenbacher.
Sämtliche Wien I, Ebendorferstraße 7
(Tel. A 29-500 Serie). Auslieferung: Wien VII,
Schottenfeldgasse 24. Tel. B 33-0-19. — Druck:
Druck- und Verlagsanstalt „Vorwärts",
Wien V. Rechte Wienzeile 97.
32
        

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