Full text: Arbeit & Wirtschaft - 1950-51 Heft 10 (10)

nichts anderes als eine Rückerstat¬
tung des zuviel bezahlten Kauf¬
preises.
Die Frage, ob Warenabgabe zu
Selbstkosten erfolgen sollte oder zu
Tagespreisen, verbunden mit der
Rückvergütung des Mehrerlöses ge¬
genüber den Selbstkosten, war in
den Anfängen der genossenschaft¬
lichen Bewegung heiß umstritten.
Die Rückschläge und Verluste,
welche die Konsumgenossenschaf¬
ten durch ungenügende Reserven¬
bildung, Preisstürze, Fehlkalku¬
lationen erlitten, haben eindeutig
zugunsten des Rückvergütungsprin¬
zips entschieden. Die Konsumgenos¬
senschaften haben mittlerweile eine
starke Position in der Wirtschaft er¬
rungen, sie sind in der Lage, durch
ihre Einkaufsorganisation die Detail¬
handelspreise zu beeinflussen, sie
haben in der Handhabung der
systematischen Kalkulation weit¬
gehende Fortschritte erzielt und die
Gefahr von Fehlkalkulationen in
steigendem Ausmaß verringert.
Trotzdem hat das Prinzip der Rück¬
vergütung seine ursprüngliche Be¬
deutung nicht verloren, da sie eines
der stärksten Bindeglieder zwischen
Mitglied und Geschäftsbetrieb dar¬
stellt.
Der Grundsatz der beschränkten
Kapitalverzinsung entspricht direkt
der antikapitalistischen Einstellung
der Konsumgenossenschaften. Der
gänzliche oder teilweise Verzicht auf
Zinsenvergütung für die Geschäfts¬
anteile entkleidet diese ihres kapita¬
listischen Charakters. Zinsentragen
ist eine Wesenseigentümlichkeit des
Kapitals. Verliert es diese, so ver¬
liert es auch seinen Ausbeutungs¬
charakter.
Es geht den Konsumgenossen¬
schaften bei der Einschränkung des
Kapitalprofits durchaus nicht nur
darum, die Gebarung der Genossen¬
schaft durch Zinsenerfordernisse
möglichst wenig zu belasten; ist es
doch eine jederzeit nachzuprüfende
Tatsache, daß die Geschäftsguthaben
der Mitglieder nur einen Bruchteil
des laufenden Kapitalbedarfes der
Genossenschaften ausmachen. Der
wissentliche Grund für die konse¬
quente Durchführung dieses Grund¬
satzes liegt auch hier in der Ideo¬
logie der Konsumgenossenschaften.
Im Mittelpunkt der genossenschaft¬
lichen Wirtschaft steht der Mensch
und nicht das bereits allzu selbst¬
herrlich gewordene Finanzkapital.
Die praktische Genossenschafts¬
demokratie stellt die Zusammen¬
arbeit der Genossenschafter über
das Interesse an der Kapitalverzin¬
sung. Die Erfolge der Genossen¬
schaftsbewegung beweisen, daß Mit¬
bestimmung und Mitverantwortung
im Unternehmen das beste Gegen¬
gewicht gegen das Profitstreben sind.
Dadurch, daß die Konsumgenossen¬
schaften ihren Mitgliedern die Mög¬
lichkeit zur Teilnahme am Wirt¬
schaftsgeschehen gaben und ihnen
Einfluß über die Entscheidungen in
ihrer Genossenschaft einräumten,
wurden sie zu einem Stück prak¬
tischen Wirtschaftssozialismus.
Barzahlung
Der Grundsatz der Barzahlung be¬
deutet nicht nur, daß die Konsum¬
genossenschaften selbst ihre Waren
gegen Barzahlung einzukaufen haben,
sondern auch, daß diese Waren an
die Mitglieder nur gegen Barzah¬
lung verkauft werden dürfen. Es ist
eine rein ökonomische Überlegung,
daß die Einhaltung der Barzahlung
beim Verkauf auch die Barzahlung
beim Einkauf ermöglicht und daß
dadurch mehr Einfluß auf Erzeuger
und Lieferanten genommen werden
kann. Die Barzahlung ist der wich¬
tigste Garant für die Unabhängig¬
keit der Konsumgenossenschaft von
der Privatwirtschaft. Sie verhindert
aber auch eine Verteuerung der
Ware durch Zinsen für Warenkredite
und ermöglicht erst so die Erfül¬
lung der Funktion der Genossen¬
schaften, nämlich die Versorgung
der Mitglieder mit Gegenständen
aller Art, in guter Qualität und doch
zu mäßigen Preisen. Denken wir
auch daran, daß bei Kreditgeschäften
stets mit Verlusten gerechnet wer¬
den muß, da ja meistens die Konsu¬
menten mit unausgeglichener Haus¬
wirtschaft zum Kredit greifen. Solche
Verluste der Genossenschaften mü߬
ten dann gerade von den Mitglie¬
dern getragen werden, die ordnungs¬
gemäß bar bezahlt haben, eine
offensichtliche Ungerechtigkeit die¬
sen Mitgliedern gegenüber, die dem
Grundsatz der Gleichberechtigung
widerspräche. Es muß betont wer¬
den, daß nicht nur wirtschaftliche
Gründe für die Barzahlung spre¬
chen, sondern auch ideologische. Die
Konsumgenossenschaften erstreben
über die politische Befreiung der
unselbständig tätigen Menschen hin¬
aus auch die wirtschaftliche Be¬
freiung zu erreichen. Durch die Borg¬
wirtschaft wird die soziale Not nicht
Die Allgemeine Unfallver¬
sicherungsanstalt ist das größte
Sozialversicherungsinstitut Öster¬
reichs. Sie erfaßt sämtliche un¬
selbständig Erwerbstätigen, die in
Industrie, Handel, Gewerbe, Geld-
und Kreditwesen sowie in der
Hauswirtschaft beschäftigt sind.
Außerdem sind noch rund 200.000
selbständig Erwerbstätige bei der
Allgemeinen Unfallversicherungs¬
anstalt versichert.
Die Dienstnehmer der Land- und
Forstwirtschaft einschließlich der
selbständigen Landwirte sind bei
behoben, im Gegenteil, der Konsu¬
mentenkredit bringt den Arbeiter
und Angestellten in tiefste wirt¬
schaftliche Abhängigkeit. Die Kon¬
sumgenossenschaften weisen daher
stets darauf hin, daß man nicht
etwas konsumieren kann, was man
noch nicht verdient hat.
Erziehung
Die Förderung der genossenschaft¬
lichen Erziehung ist durchaus nicht
der unbedeutendste Grundsatz der
Konsumgenossenschaften. Die Bil-
dungs- und Erziehungsarbeit ist in
den Statuten der Konsumgenossen¬
schaften verankert und ist ein Be¬
standteil der täglichen Betätigung.
Dieser Grundsatz hat nichts mit
Reklame, Propaganda oder Kunden¬
werbung zu tun, sondern betrifft
die Bildungsarbeit, die innerhalb der
Mitgliederkreise betrieben wird. Die
genossenschaftliche Erziehungsarbeit
konzentriert sich auf alle Aufgaben,
die zur Genossenschaftsbewegung
als einer besonderen Wirtschafts¬
form in Beziehung stehen. Mitglie¬
der, Funktionäre und Angestellte
werden in Fortbildungskursen aller
Art, in Bildungsgemeinschaften oder
Studienzirkeln, in Genossenschafts¬
klubs erfaßt und mit der genossen¬
schaftlichen Ideenwelt vertraut ge¬
macht. Vorträge, Veranstaltungen,
Genossenschaftszeitschriften und
-zeitungen helfen, das Wissen über
die genossenschaftliche Wirtschaft
und über deren praktische und
ideelle Probleme zu verbreiten. Die
genossenschaftliche Bildungsarbeit
hilft, die Grundlagen für die Selbst¬
verwaltung großer Wirtschaftsbe¬
triebe, wie es die Konsumgenossen¬
schaften heute bereits darstellen,
auf demokratischer Basis zu stärken.
Die Konsumgenossenschaften haben
praktisch bewiesen, daß Wirtschafts¬
demokratie kein leeres Wort ist, sie
haben den Mitgliedern die Möglich¬
keit gegeben, an den Entscheidungen
im Betrieb teilzunehmen und nicht
nur passive Mitbesitzer, sondern
auch aktive Teilnehmer am Wirt¬
schaftsgeschehen zu werden.
der land- und forstwirt¬
schaftlichen Unfallversiche¬
rungsanstalt unfallversichert.
Sämtliche Dienstnehmer, die bei
den öffentlichen Verkehrsunterneh¬
mungen beschäftigt sind, gehören
der Eisenbahner unfallver-
sicherungsanstalt an. Die bei der
Gemeinde Wien beschäftigten
Dienstnehmer sind in der Eigen¬
unfallversicherung der Gemeinde
Wien zusammengefaßt.
Es war also auch in der Unfall¬
versicherung nicht möglich, ein ein¬
heitliches Institut sämtlicher gegen
OTTO H O R N , 3. Obmann der Allgemeinen Unfallversicherungsanstalt:
Aufbau und Aufwand der Unfallversicherung
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