Full text: Arbeit & Wirtschaft - 1950-51 Heft 10 (10)

winnt, muß er sich auf einem geeig¬
neten, aber Gewißheit bietenden Weg
davon überzeugen können, daß die
Wirtschafts- und Geschäftsführung in
verantwortungsbewußten und sauberen
Formen erfolgt, daß in Produkten und
Absatz, in Wagnis und Gewinn die
Grenzen eines zwar auf Erfolg hin
arbeitenden und womöglich kühnen,
aber im übrigen umsichtigen, ehren¬
haften und gerechten Tuns nicht über¬
schritten werden. Vor allem Ent¬
scheidungen von großer
Tragweite, die für die im Betrieb
Tätigen bedrohlich werden können,
müssen der Belegschaft nach
allem Für und Wider vorher unter¬
breitet werden, und es darf der
Belegschaft nicht an genügenden und
wirksamen Rechtsmitteln fehlen, durch
die sie solche Entscheidungen, soweit
sie vermeidbar sind, zu unterbinden
vermag.
Bücher
Schulreform und Demokratie in Österreich
1918—1950 von Hans Fischl, Verlag
Jungbrunnen, Wien.
Hans Fischl, mit dem vor kurzem ver¬
schiedenen Furtmüller einer der Bau¬
meister der Schulreform in der Ersten öster¬
reichischen Republik, widmet sein Buch dem
Andenken Otto Glöckels, ihres Schöp¬
fers, dem er in dem ersten Kapitel seines
Buches ein schönes, würdiges Denkmal setzt.
Das Herz geht einem auf, wenn man an
seiner Darstellung noch einmal nacherlebt,
wie die Männer von 1919 für ihre Ziele und
Ideen zu kämpfen verstanden, mit welchem
Elan Glöckel und seine Mitarbeiter an ihr
Werk gingen und es gegen alle Widersacher
durchsetzten.
Dem Aufbau folgte die Zerstörung der
Schulreform Glöckels, die Schulreaktion des
Richard Schmitz, der mit dem Stuhl
des Bürgermeisters von Wien auch die
Herrschaft über die Schulen der Stadt aus
den bluttriefenden Händen des Austro-
faschismus entgegennahm. Es ist gut, daß
Hans Fischl sein Buch nicht als „innocent
bystander" (unbeteiligter Zuschauer) ge¬
schrieben hat, sondern als einer, „der sich
mit Herz und Hirn der heiß umstrittenen
Sache der Schulreform ergeben hat". So ist
sein sachlich unantastbarer Bericht zu einem
Strafgericht über das Wüten der austro-
faschistischen Schulreaktion geworden, an
dem neben Schmitz auch noch Dr. Kurt
Schuschnigg führend beteiligt war.
Fischl behandelt die Periode Dollfuß-
Schuschnigg viel ausführlicher als die nach¬
folgende des Nazifaschismus und seiner
Verheerungen im österreichischen Schul¬
wesen. Mit Recht, denn „Rückfälle in die
Gedankengänge des autoritären Systems
(sind) leider nicht so völlig ausgeschlos¬
sen ..., einfach deshalb, weil man sich
der totalen Ungesetzlichkeit
und fundamentalen Abwegig¬
keit des ganzen Regimes noch
immer nicht völlig bewußt zu
sein scheint". Sie bewußt zu machen,
ist eines der vielen Verdienste dieses
Buches.
Mit den Problemen des Wiederaufbaus
in der Zweiten Republik und dem Weg zu
neuen Schulgesetzen setzt sich Fischl in der
zweiten Hälfte seines Werke3 auseinander.
Er versichert seine Leser der „Festigkeit des
Entschlusses", der politischen Vertretung
der Arbeiterklasse „nicht nur alle Errungen¬
schaften der Ersten Republik festzuhalten,
sondern auf dem 1919 erfolgreich betretenen
Weg weiter fortzuschreiten". Das ist, wie
aus seiner Darstellung des Zustands, der
sich nach der Befreiung de facto heraus¬
gebildet hat, und der Bestrebungen, ihn
womöglich auch gesetzlich zu untermauern,
hervorgeht, denn auch sehr vonnöten.
Fischl behandelt die Probleme, die gegen¬
wärtig zur Diskussion stehen, aber immer
ohne „das letzte Ziel aus dem Auge zu ver¬
lieren und ihm zu dienen", nämlich „die
endliche Einigung über die strittigen Fragen".
In seinem historischen Teil fasziniert das
Buch durch die Fähigkeit des Autors, die
Darstellung seines Themas in den Fluß des
gesamten geschichtlichen Geschehens ein¬
zulenken, im zweiten Teil durch sein Ver¬
mögen zu klarer, verständlicher, fesselnder
und — was in der Zweiten Republik be¬
sonderer Hervorhebung bedarf — charakter¬
fester, unzweideutiger Vorstellung der Pro¬
bleme. Jedermann, auch wer nicht fachlich
am Schulwesen beteiligt ist, wird aus seiner
Lektüre Gewinn und Genuß ableiten.
österreichisches ERP-Handbuch. Verlag
für Geschichte und Politik, Wien 1950. Das
Handbuch soll, wie in der Einleitung gesagt
wird, den Praktikern in Politik, Wirtschaft
und Verwaltung die Möglichkeit geben, sich
sowohl über die Grundlagen als auch über
die Einzelheiten der praktischenDurchführung
des Europäischen Wiederaufbauprogramms
(ERP) zu unterrichten. Es ist gelungen, diese
Absicht hinsichtlich des „sowohl", nicht aber
im Hinblick auf das „als auch" gleich voll¬
kommen in die Tat umzusetzen. Nichtsdesto¬
weniger ist diese Veröffentlichung, das
Ergebnis der Zusammenarbeit zwischen
dem Zentralbüro für ERP-Angelegenheiten
im Bundeskanzleramt und der ECA-Sonder-
mission für Österreich, eine willkommene
Sammlung der Dokumente über Entstehung
und Grundlagen des ERP, der OEEC und der
EPU für die beruflich mit diesem Gebiet
Befaßten, die sich aus ihr viele sonst erst
umständlich aufzusuchende Informationen be¬
schaffen können.
Die Bevölkerungsbewegung in Niederöster¬
reich seit dem Jahre 1891. Von Oberkommissär
L. S. R u t s c h k a. Wien 1951, Kammer für
Arbeiter und Angestellte in Niederösterreich.
In der verdienstvollen Schriftenreihe, in
welcher die niederösterreichische Arbeiter¬
kammer Studien zur Sozial- und Wirtschafts¬
struktur Niederösterreichs in Vergangenheit
und Gegenwart herausbringt, ist Heft 2 er¬
schienen. Es ist im wesentlichen ein Tabellen¬
werk, dem der Autor kurze Einführungen
zu ihrem Verständnis beigegeben hat.
Handelsregister Wien. Jupiter-Verlag, Wien
H, Robertgasse 2.
Die zweite Auflage dieses Adreßwerkes
bringt die im Wiener Handelsregister ein¬
getragenen Firmen nach dem Stande vom
21. Februar 1951. Die Angaben des Registers
sind durch Adresse des Firmensitzes, der
Telephonnummer, Telegrammadresse und,
wenn es die Umstände erforderten, durch
eine Firmenbeschreibung ergänzt. Dem
alphabethischen Verzeichnis folgt ein
Branchenverzeichnis, in das auch nicht-
protokollierte Firmen Aufnahme fanden. An
redaktionellen Beiträgen bringt das Werk
eine Studie des bekannten wirtschafts¬
politischen Schriftstellers Horst Knapp über
den Gesellschaftsvertrag und von Finanzrat
Dr. Oskar Mayr eine zusammenfassende Dar¬
stellung aller steuerlichen Begünstigungen
und Erleichterungen, die der Steuerträger in
Anspruch nehmen kann.
Publikationen der Vereinten Nationen,
Lake Success, New York, USA
Statistisches Jahrbuch 1949—50, zweiter
Jahrgang. Bearbeitet vom Statistischen Büro
der UNO, Volkswirtschaftsabteilung. Vertrieb
in Österreich durch B. Wullerstorff,
Waagplatz 4, Salzburg. Dieses Jahrbuch,
wohl eine der wertvollsten Publikationen
der UNO, ist hier schon bei seinem ersten
Erscheinen eingehend gewürdigt worden.
Es behandelt die Bevölkerung, die Pro¬
duktion, das Verkehrswesen, den Binnen-
und Außenhandel, die Zahlungsbilanzen,
Preise und Löhne, Finanzwesen, die Sozial-
und Kulturstatistik aller Staaten der Welt,
soweit Daten überhaupt verfügbar sind.
250 Länder kommen in den 166 statistischen
Tafeln vor. Die Daten reichen bis 1949, zu
Vergleichszwecken werden ältere Statistiken
bis 1930 zurück herangezogen. Die Produk¬
tionsstatistik zum Beispiel erfaßt mehr als
100 einzelne Güter für die Jahre 1930 bis 1949.
Gegenüber dem ersten Jahrgang ist der
Umfang des Werkes von 480 auf 550 Seiten
gestiegen. Zu dem Index der Länder ist ein
Index der behandelten Materien hinzu¬
getreten, der die Benützung wesentlich
erleichtert; die Zahl der Tabellen stieg von
158 auf 166.
World Iron Ore Ressources and their
Utilization (Eisenerzvorkommen der Welt
und ihr Gebrauch): UN-Publikation 1950.
II. D. 3; zu beziehen durch Hans Rannhardt,
Kirchgasse 17, Zürich I.
Diese Studie der Volkswirtschaftsabteilung
der UNO enthält mehr, als ihr Titel ver¬
spricht, nämlich eine vollständige Unter¬
suchung der wirtschaftlichen und techno¬
logischen Bedingungen der Eisenerz-, Stahl-
und Eisenproduktion unter besonderer Be¬
rücksichtigung der Verhältnisse in den
wirtschaftlich unterentwickelten Ländern.
Das Economic Bulletin for Europe, Heft 1
des 2. Jahrgangs, herausgegeben von der
Volkswirtschaftskommission für Europa der
UN, Genf, Juli 1950, bringt die gewohnten
Übersichten und statistischen Tabellen über
den Stand der Volkswirtschaft in Europa
im ersten Jahresviertel 1950. Ein Speaial-
artikel gibt die vorläufigen Ergebnisse «iner
Untersuchung der Veränderungen in der
Struktur der europäischen Wirtschaft, die
seit der Vorkriegszeit eingetreten sind.
Neuerscheinungen des Verlages des
Österreichischen Gewerkschaftsbundes
Arbeitsgerichtsgesetz. Diese Gesetzesaus¬
gabe, eingeleitet und erläutert von Richard
Fränkel, liegt hier in dritter Auflage vor,
die bereits die Arbeitsgerichtsnovelle 1950
sowie die hiezu ergangenen Durchführungs¬
verordnungen berücksichtigt.
Die österreichische Bundesverfassung, ein
Querschnitt. Aus einem Vortrag, den Doktor
Karl Fritzler, Ministerialrat im Bun¬
desministerium für Inneres, vor Gewerk¬
schaftsfunktionären hielt, ist diese Ein¬
leitung in die Kenntnis und in das
Verständnis der Verfassung der Republik
entstanden. Die Broschüre liegt nunmehr in
der zweiten, vom Verfasser revidierten
Auflage vor.
Lohnpfändungsverordnung. Der Verfasser,
Vollstreckungsdirektor Rudolf Tsehi-
h a n , hat den Text der Lohnpfändungs¬
verordnung und der Exekutionsordnung mit
ausführlichen Erläuterungen versehen, die
die Materie dem allgemeinen Verständnis
erschließen. Die Broschüre wird besonders
den Funktionären der Gewerkschafts¬
bewegung, die von pfändungsbetroffenen
Dienstnehmern oder den Pfändungsbetrei¬
benden um Auskunft angegangen werden,
gute Dienste leisten.
Schriftenreihe des österreichischen
Produktivitätszentrums
Höhere Produktivität — besseres Leben.
In der Schriftenreihe „Der Ausweg", die der
Popularisierung des Produktivitätsgedankens
vornehmlich unter den Arbeitnehmern ge¬
widmet ist, ist das zweite Heft erschienen,
das sich bemüht, durch nette Illustrationen
unterstützt, Verständnis dafür zu wecken,
daß wir durch höhere Produktivität ein
besseres Leben erreichen können (sofern die
Unternehmer das Ergebnis der höheren
Produktivität nicht einstecken).
Der Schlüssel, Mitteilungen des öster¬
reichischen Produktivitätszentrums, ist eine
ansprechend redigierte Zeitschrift, zur lau¬
fenden Information über Probleme der Pro¬
duktivität. Sie wird um so besser ihrem
Zwecke dienen, je mehr sie dem Verständnis
ihres Leserkreises eingängige Beispiele aus
der Praxis bringen wird, wie dies zum Bei¬
spiel in Nr. 5 in dem Artikel „Aufbau einer
Maschinenfabrik" geschieht.
Inhalt dieser Nummer (Seite
Dr. Josef Haar: Ideologie der Ver¬brauchergenossenschaft 1
Otto Horn: Aufbau und Aufwand der
Unfallversicherung 2
Ernst Winkler: Die Denkschrift derLandwirtschaftskammern 4
Dr. Richard Korn: Irrwege im AuBen-
handel 7
Johannes Kasnacich-Schmid (Graz):
Die sozialfunktionale Betrachtungs¬
weise von Wirtschaft und Gesell¬
schaft bei Karl Marx 10
F. G. Hirsch (London): Die Rolle der
Gewerkschaften im geplanten Staat 13
Dr. Ella Lingens-Reiner (Alland): Die
Rehabilitierung Körperbehinderter 15
K. R. Stadler (London): Das Produk¬
tivitätsproblem in England 17
Dr. Ernst Lachs: Liberalisierung und
die Folgen 18
Von Monat zu Monat 20
österreichische Wirtschaft 24
Internationale Wirtschaft 25
Gewerkschaftliche Rundschau 28
Zeitschriftenschau 31
Bücher 32
Eigentümer, Verleger und Herausgeber:
österreichischer Arbeiterkammertag und
österreichischer Gewerkschaftsbund. Redak¬
teur: Ernst Lakenbacher. Sämtliche Wien I,
Ebendorferstraße 7 (Tel. A 29-500 Serie).
Auslieferung: Wien VII, Schottenfeldgasse 24.
Tel. B 33-0-19. — Druck: Druck- und Ver¬
lagsanstalt „Vorwärts", Wien V, Rechte
Wienzeile 97.
32
        

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