Full text: Arbeit & Wirtschaft - 1950-51 Heft 10 (10)

während des Heilverfahrens
64,186.406.91 S gegenüber. Die
Rentenleistungen allein betrugen
rund 62,800.000 S.
Für Sachleistungen wur¬
den 23,025.864.42 S verausgabt.
Diese Sachleistungen setzen sich vor
allem zusammen: aus den Kosten
für Krankenhauspflege in den eige¬
nen und fremden Krankenanstalten
in der Höhe von rund 5 Mill. S; aus
den Kosten der Krankenbehandlung,
einschließlich der Nachbehandlung
in eigenen und fremden Anstalten,
in der Höhe von 3,200.000 S; aus
dem Bauschbetrag von 14 Mill. S,
der gemäß § 64 des SV-ÜG an die
Krankenversicherung als Ersatz für
die Behandlung Unfallverletzter
zu leisten ist; schließlich aus den
Kosten für Körperersatzstücke, Be¬
rufsfürsorge und andere Sach¬
leistungen von rund 700.000 S.
Für die Unfallverhütung
wurden im Jahre 1949 rund 735.000
Schilling aufgewendet. Die Aufwen¬
dungen für Unfallserhebung und
Rentnerkontrolle betrugen rund
580.000 S.
Der allgemeine Verwaltungs¬
aufwand gliedert sich in den
eigenen Aufwand in der Höhe von
5,865.950 S und in die Vergütung an
die Krankenkassen für die Bei¬
tragseinhebung in der Höhe von
rund 2,445.000 S.
Die übrigen Ausgabenposten sind
Abschreibungen von Mobilien und
Immobilien sowie von Forderungen,
ferner Verluste aus Vermögens¬
anlagen und sonstige außerordent¬
liche Aufwendungen.
Der Reinerfolg 1949 ergab
nach Abzug aller Ausgabenposten
rund 43,500.000 S.
Im Jahre 1950 war der sich aus
Beitragseinnahmen und Ausgaben
ergebende Überschuß nur mehr
17,006.726 S. Der Reinerfolg wird
natürlich höher sein, aber bei wei¬
tem nicht mehr die Zahl des Jahres
1949 erreichen.
Das Reinvermögen der An¬
stalt betrug am 31. Dezember 1949
190,008.464.39 gegen 146,481.959.35 S
Ende 1948.
Ende 1950 wird das Reinvermögen
der Allgemeinen Unfallversiche¬
rungsanstalt nach Berücksichtigung
aller Abschreibungen und sonstigen
Verpflichtungen rund 180 Mill. S
betragen, also gegenüber 1949 um
zirka 10 Mill. S gesunken sein.
Im Jahre 1949 sind die Leistungen
der Allgemeinen Unfallversiche¬
rungsanstalt gegenüber dem Jahre
1948 gestiegen: die Barleistungen
von rund 49,600.000 S auf 64,200.000
Schilling, die Sachleistungen von
rund 15,150.000 S auf rund 23 Mil¬
lionen Schilling. Diese Steigerung
hat im Jahre 1950 weiter angehalten.
Die Höhe der Sachleistungen mit
fast 40 Prozent der Barleistungen
zeigt die hohe Bedeutung, die der
Heilung von Unfallfolgen und der
Wiederherstellung der Arbeits¬
fähigkeit der Unfallverletzten bei¬
gemessen wird.
Von den zirka 5,800.000 S eigenen
Verwaltungskosten entfallen auf
Personalausgaben rund 4,430.000 S,
auf den Sachaufwand 1,250.000 S.
Die Kosten der Selbstverwal¬
tungskörper betrugen 184.000 S.
Diese 184.000 S Kosten der Selbst¬
verwaltungskörper strafen alle Be¬
hauptungen von den hohen Kosten
der Selbstverwaltung in den Sozial¬
versicherungsinstituten Lügen. Es
wird knapp ein Promille der Ein¬
nahmen, für die Tätigkeit der Selbst¬
verwaltung aufgewendet.
Der gesamte Verwaltungsaufwand
einschließlich des Sachaufwandes
und der Kosten der Verwaltungs¬
körper macht 3,87 Prozent der Ge¬
samteinnahmen und 5,6 Prozent der
Gesamtausgaben aus. Gegenüber
dem Jahr 1948 ist im Verhältnis zu
den Gesamtausgaben eine Senkung
von, 6,47 Prozent auf 5,6 Prozent
eingetreten. Die Personalkosten
allein betrugen im Berichtsjahr 1949
nur 2,92 Prozent der Gesamt¬
einnahmen.
In dem Voranschlag für 1951 sind
weitere Erhöhungen für Bar- und
Sachleistungen vorgesehen.
Die buchmäßigen Verluste aus
Vermögensanlagen, die bereits im
Jahre 1949 mit rund 4,8 Mill. S aus¬
gewiesen sind, im Jahre 1950 rund
10 Mill. S betragen werden und für
1951 ebenso hoch vorgesehen sind,
ergeben sich daraus, daß die All¬
gemeine Unfallversicherungsanstalt
in Erfüllung ihrer Verpflichtungen,
für eine sachgemäße medizinische
Betreuung der Unfallverletzten zu
sorgen, eigene Unfallkrankenhäuser
in Linz und Salzburg baut, daß sie
ferner in Tobelbad bei Graz eine
große Sonderstation für eine ent¬
sprechende Nachbehandlung der
Unfallverletzten errichtet, in Graz
einen bedeutenden Erweiterungsbau
zum bestehenden Unfallkranken¬
haus aufführt, auch in Kärnten
die Errichtung entsprechender Sta¬
tionen und in Wien die Errichtung
eines zweiten Unfallkrankenhauses
plant.
Es ist selbstverständlich, daß der
Bauaufwand für diese Unfallkran¬
kenhäuser und Sonderstationen
buchmäßig nicht mit 100 Prozent als
Vermögenswert eingesetzt werden
kann. Es wird daher dieser Aufwand
sofort zu 50 Prozent abgeschrieben,
woraus sich diese buchmäßigen Ver¬
luste ergeben. In Wahrheit bedeutet
aber der Bau der Unfallkranken¬
häuser und Sonderstationen nicht
einen Verlust für die Anstalt, son¬
dern den zweckentsprechenden Auf¬
wand der vorhandenen Mittel im
Dienste der Aufgaben der Allgemei¬
nen Unfallversicherungsanstalt. Sie
dienen einer Verbesserung des Heil¬
verfahrens und damit der Wieder¬
herstellung der Arbeitsfähigkeit der
Unfallverletzten; außerdem bewir¬
ken sie eine Ersparnis der Anstalt in
der Bezahlung von Barleistungen
(Renten) an Unfallverletzte.
Es ist nicht die oberste Aufgabe
der Unfallversicherung Renten an
Unfallverletzte zu bezahlen, son¬
dern ihre Arbeitsfähigkeit wieder¬
herzustellen. Dem Unfallverletzten
selbst ist viel mehr dadurch gedient,
wenn er wieder die volle Arbeits¬
fähigkeit erlangt, als wenn er Zeit
seines Lebens, oft durch Jahrzehnte,
ein Rentenbezieher bleibt. Die
Rente wird nie den vollen Arbeits¬
lohn ersetzen können, den er mit
gesunden Gliedern erreichen kann.
ERNST WIN K L E R (Arbeiterkammer Wien):
Die Denkschrift der Landwiitschaftskammern
Die österreichischen Landwirt¬
schaftskammern haben am 21. Fe¬
bruar 1951 in Wien eine Präsidenten¬
konferenz abgehalten. In dieser Kon¬
ferenz wurden „die notwendigen
Voraussetzungen und Maßnahmen
zur Förderung und Steigerimg der
land- und forstwirtschaftlichen Pro¬
duktion festgelegt und beschlossen,
sie in einer Denkschrift zusam¬
menzufassen". Diese Schrift liegt
nun im Druck vor. Sie enthält die
agrarpolitischen Forderungen der
Landwirtschaftskammern.
Die Denkschrift weist einleitend
auf die günstige Entwicklung der
landwirtschaftlichen Produktion
nach dem ersten Weltkrieg hin. Vor
1938 deckte die Eigenerzeugung der
österreichischen Landwirtschaft den
Verbrauch von Milch und Molkerei¬
produkten vollständig; von Kartof¬
feln, Zucker, Wein, Obst und Ge¬
müse zu 90 bis 100 Prozent; von
Schlachtvieh, Schweinen, Geflügel
und Eiern zu 80 bis 90 Prozent. Der
Bedarf an Brotgetreide wurde nur
zu 75 Prozent durch die heimische
Produktion gedeckt. Es fehlte vor
allem an Weizen; Roggen wurde fast
in bedarfsdeckenden Mengen er¬
zeugt.
Der zweite Weltkrieg brachte un¬
serer Landwirtschaft einen kata¬
strophalen Rückschlag.
Die Produktion seit 1945
Die Denkschrift stellt dann fest,
daß „seit 1945 die Schäden, die die
land- und forstwirtschaftlichen Be¬
triebe in der Kriegszeit erlitten
haben, weitestgehend behoben und
die Produktion in den einzelnen
Wirtschaftszweigen seither stark ge¬
steigert werden konnte".
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