Full text: Arbeit & Wirtschaft - 1953-54 Heft 06 (06)

mitbringt. Auch das Feiertagsgesetz hat uns diesmal am
15. August zu schaffen gemacht, wo eine Reihe von Inter¬
ventionen notwendig war. In einem Fall über das Mutter¬
schutzgesetz mußten die Gewerkschaft sowie das Arbeits¬
gericht in Anspruch genommen werden. Es waren auch
152 Betriebsbesuche sowie Interventionen und Erhebungen
notwendig."
Aus einem längeren Bericht der Fachausschüsse des
Gast- und Beherbergungsgewerbes sei das folgende ent¬
nommen:
„Es wurden und werden auch weiterhin Verhandlungen
geführt, um den Abgebauten und noch Abzubauenden wieder
einen Arbeitsplatz zu verschaffen. Trotz aller dieser Schwie¬
rigkeiten und bei Berücksichtigung der jeweiligen un¬
günstigen Bedingungen konnten neue Kleinbetriebe gewerk¬
schaftlich erfaßt und die Wahl von Betriebsvertrauens¬
männern erstmalig in diesen Betrieben durchgeführt werden.
Auch die Einstellungen von Lehrlingen und Jugendlichen
auf Grund des Lehrlingseinstellungsgesetzes, die von unseren
Unternehmern sehr zurückhaltend durchgeführt werden,
weil sie noch auf eine Abänderung des Gesetzes für das
Hotel- und Gastgewerbe warten, werden systematisch ver¬
folgt und überwacht.
Sehr eingehend wurden in den Sitzungen auch die
Fragen der Förderung und Schulung unseres Jugend¬
nachwuchses sowie die Gefährdung der Fortführung
des Sonderklassenunterrichtes unserer Fachschule wegen
Mangel der dafür aufzubringenden Geldmittel besprochen.
Dank der verständnisvollen Einstellung der Vertreter der
Arbeiterkammer im Achterausschuß ist nunmehr der
Sonderklassenunterricht gesichert und den Fachausschüssen
die erforderliche Summe als zusätzliche Subvention zur
Fortführung dieser außerordentlich bewährten Sonder¬
klassen bewilligt und zugesagt worden. Ansonsten konnten
noch in manchen Betrieben sozial- und lohnrechtliche Ver¬
besserungen und in einem Betrieb sogar als bescheidener
Anfang eine Zulage für die Nachtarbeit den Arbeitern ge¬
bracht werden."
Der Fachausschuß der Wiener Zuckerbäcker teilt mit:
„Seit dem 11. Februar 1953 hat der Fachausschuß insgesamt
16 Sitzungen durchgeführt und außerdem zwei große Werbe¬
versammlungen abgehalten. Zwecks der Werbetätigkeit und
der Aufklärungsarbeit in den Wiener Konditoreibetrieben
wurden zwei Flugblätter herausgebracht. Neben dieser
Arbeit wurden im Monat Juni und Juli 1953 in allen Wiener
Bezirken Bezirksversammlungen durchgeführt.
Die Mitglieder des Fachausschusses sind in sämtlichen
Ausschüssen der Landesinnung der Wiener Zuckerbäcker,
soweit sich diese mit Arbeitnehmer- oder Lehrlingsfragen
beschäftigen, vertreten. Im Schulausschuß der Zuckerbäcker
sind ebenfalls zwei Funktionäre tätig und allmonatlich zwei
Sitzungen anberaumt. Die Vertreter im Schulausschuß
nehmen regen Anteil an dem Fortgang der Schultätigkeit,
und mit der Schuldirektion ist ein enger Kontakt fest¬
zustellen."
Dem Halbjahresbericht des Fachausschusses der
Lederwarenerzeuger sei das nachfolgende entnommen:
„Es haben während des ersten Halbjahres 1953 sechs
Gesellenprüfungen mit jeweils 4 bis 7 Lehrlingen
stattgefunden, an denen jedesmal Vertreter des Fachaus¬
schusses als Beisitzer der Prüfungskommission teilgenommen
haben; einige Male wurden die einzelnen Klassen in der
Berufsschule von Vertretern des Fachausschusses besucht.
In der Zeit von Januar bis Juni haben drei Schulausschu߬
sitzungen stattgefunden, an denen je drei Vertreter des
Fachausschusses teilgenommen haben. Ebenso an der Schul¬
schlußfeier im Juni, wo aus diesem Anlaß den besten
Schülern jeder Klasse vom Vertreter des Fachausschusses in
dessen Namen ein Werkzeug oder ein Buch überreicht
wurde. Bei diesem Anlaß wurde auch auf die Bedeutung des
Fachausschusses der Arbeiterkammer und der Gewerkschaft
hingewiesen. Auch die Modeschule der Stadt Wien in
Hetzendorf, wo außer anderen modischen Artikeln auch
Lederwaren hergestellt werden, wurde von uns zweimal
besucht und die dortigen Einrichtungen besichtigt. Bei
unserer Nachschulungswerkstätte in der Severingasse wird
ständig nach dem Rechten gesehen."
Der Fachausschuß hat mit den Lehrlingen Exkur¬
sionen in drei Lederfabriken veranstaltet und drei Fort¬
bildungskurse, und zwar für Preßvergolder (32 Teilneh¬
mer), für Taschner (38 Teilnehmer) und für Galanterie
(35 Teilnehmer), durchgeführt. Für die Vertrauens¬
männer der gewerblichen Betriebe hat er vier Ver¬
sammlungen, zwei Diskussionsabende und zwei Film¬
vorträge, ferner je zwei Wochenendschulungskurse mit
45 beziehungsweise 41 Teilnehmern abgehalten.
Der Fachausschuß der Färber, Textildrucker und
Teppichreiniger berichtet über seine Tätigkeit im ersten
Halbjahr 1953:
„Mit Einlangen von Geldbeträgen aus den Mitteln der
Arbeiterkammer wurde im Februar, weil bei den Fach¬
prüfungen mangelhafte Kenntnisse im theoretischen Teil
sowie insbesondere in der Stoffkunde zu bemerken waren,
beschlossen, diesem Lehrgang einen zusätzlichen Fachunter¬
richt erteilen zu lassen und mit dem 3. Lehrgang eine
Exkursion in die Vöslauer Kammgarnspinnerei zu machen.
Dem theoretischen Nachhilfeunterricht folgte ein prak¬
tischer und im Juni eine Exkursion in die Lenzinger Zell¬
stoffwerke und als Schulschlußfeier eine Rundfahrt über den
Großglockner, mit dem Appell an die Jugend, im späteren
Berufsleben die Freizeit zu Ausflügen, den Urlaub zur Er¬
kundung der Heimat zu verwenden.
Die Fachschullehrer, die an den Exkursionen teilgenom¬
men haben, erklärten, daß beide Exkursionen, wie der zu¬
sätzliche Unterricht dem allgemeinen und fachlichen Wissen
der Schüler sehr dienlich waren."
Über Betriebserhebungen zur Kontrolle der Ein¬
haltung der Arbeitsschutzbestimmungen berichtet zum
Beispiel der Fachausschuß der Maler, Anstreicher,
Lackierer, Schilder- und Industriemaler und Vergolder:
„Der Fachausschuß führte 107 Erhebungen in Betrieben
durch, wo über die Einhaltung des Kollektivvertrages sowie
über die Arbeitszeit und Ausbildung der Lehrlinge besonders
geachtet wird."
Dem Bericht des Fachausschusses der Bürsten-,
Pinsel-, Kamm- und Haarschmuckerzeuger und Korb¬
macher sei das folgende entnommen:
„Bezüglich der Lehrlinge wurde die Wahrnehmung
gemacht, daß im letzten Jahre immer mehr Lehrlinge die
Gehilfenprüfung nicht bestehen und daher sechs Monate
nachlernen müssen. Dies ist darauf zurückzuführen, daß sich
ein Großteil der Kleinbetriebe, die Lehrlinge halten, speziali¬
siert haben und daher die Lehrlinge einseitig ausbilden. Die
Groß- und Mittelbetriebe halten überhaupt keine Lehrlinge.
Es wurde in einer Sitzung des Fachausschusses beschlossen,
an die zuständigen Innungen heranzutreten und zu fordern,
daß jenen Kleingewerbetreibenden, die die Lehrlinge so
einseitig ausbilden, das Recht der Lehrlingshaltung entzogen
werden soll. Ferner wurde beschlossen, in der allernächsten
Zeit einen Nachschulungskurs für junge Gehilfen durch¬
zuführen, da in den einzelnen Berufssparten ein Fach¬
arbeitermangel besteht, während andererseits eine ganze
Reihe von jungen Gehilfen arbeitslos ist und wegen mangel¬
hafter Berufsausbildung keine Arbeit finden kann.
Der Fachausschuß lenkte sein Hauptaugenmerk darauf,
alle Kleinst- und Kleinbetriebe zu besuchen, um sich davon
zu überzeugen, ob auch alle sozialrechtlichen und kollektiv¬
vertraglichen Bestimmungen in den Betrieben eingehalten
werden. Unser Fachobmann hat in diesem Zusammenhange
im ersten Halbjahr 49 Betriebe besucht. In 15 Betrieben war
eine Intervention nötig, weil dort arbeitsrechtliche Bestim¬
mungen nicht oder mangelhaft eingehalten wurden."
Nach diesen Proben kann man wohl eine weitere
Entfaltung und die immer bessere Verankerung der
Fachausschüsse im Berufsleben der gewerblichen
Arbeiter- und Angestelltenschaft voraussagen. Die
Arbeiterkammern werden immer bereit sein, diese Ent¬
wicklung im Interesse einer besonders schutzbedürfti¬
gen Arbeiterschichte nach besten Kräften zu fördern.
Alt-Nationalrat HEINRICH ALLINA:
Hugo Breitner, der Gewerkschafter
Ein Erinnerungsblatt aus Anlaß der 80. Wiederkehr
seines Geburtstages
Eine Woche, nachdem wir diesen Aufsatz aus der
Hand des Autors entgegennahmen, wenige Wochen
nach der Vollendung seines 75. Lebensjahres, ereilte
ihn der Tod. Er hatte noch die Genugtuung, daß sein
Wirken für die Angestellten als Gewerkschafter un
2
        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.