Full text: Arbeit & Wirtschaft - 1963 Heft 03 (03)

Gewerkschaftliche Rundschau
Nehden Sie unsere ,
BERUHlGrUN6rS"TABLETTEN !
VORHER,
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NACHHER
Nehmen Sie unsere ,
AUFPUIVERUNGS-PIUEN !
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VORHER. NACHHER.
eine Unzahl sogenannter neuer Pro¬
dukte, die aus Reklamegründen nur
unter neuen wohlklingenden Namen
verkauft werden. (Denken wir nur an
die rund 40 verschiedenen Bezeich¬
nungen des schrecklichen Contergans.)
Häufig werden auch längst bewährte
Medikamente mit geringfügigen Ver¬
änderungen ebenfalls unter neuen Na¬
men und zu stark erhöhten Preisen auf
den Markt gebracht. Dazu kommen
dann noch die Kombinationen bekann¬
ter Medikamente zur „Aufforstung des
Medikamentendschungels", wie ein
Fachmann auf diesem Gebiet kürzlich
feststellte. Die Einführung neuer Ta¬
bletten ist sicher neben der Medika¬
mentensucht vieler Menschen mit ein
Grund, weshalb sich die Zahl der Ver¬
ordnungen pro Krankenkassenpatienten
in den letzten zehn Jahren von jährlich
9,6 Verordnungen bis 1961 auf 15,2 er¬
höhte. Eine einzelne Verordnung kostete
1961 durchschnittlich 13 Schilling; 1951
genügte noch eine Ausgabe von rund
6,5 Schilling pro Verordnung.
Reklame für Giftt
Als ein Abgeordneter des Schweizer
Nationalrates kürzlich bekanntgegeben
hatte, in der Schweiz würden jährlich
150 Millionen Beruhigungstabletten
konsumiert, begannen einzelne Kantone
mit den zuständigen Sanitätsbehörden
Maßnahmen zu beraten, wie der Medi¬
kamentendetailhandel dazu bewogen
werden könnte, auf Publikumswerbung
zu verzichten. Gleichzeitig wurde von
verschiedenen Stellen eine systematische
Aufklärungskampagne gegen die Ta¬
blettensucht in die Wege geleitet. Wie
notwendig dies ist, beweisen die Fest¬
stellungen einer Schweizer Ärztekom¬
mission: Mehr als 20.000 Schweizer
haben in letzter Zeit durch ständiges
Einnehmen schmerzstillender Medika¬
mente schwere Gesundheitsschäden er¬
litten; ja es werden sogar immer häufi¬
ger schwervergiftete Patienten in Spi¬
täler eingeliefert, wo sie an der Wir¬
kung überdosierter schmerzstillender
Mittel sterben. Ursprünglich wollten
diese bedauernswerten Opfer der Re¬
klame für Arzneimittel jedoch nur die
Symptome harmloser Erkrankungen be¬
seitigen. Wie viele Menschen allerdings
glauben, die Symptome einer harm¬
losen Erkrankung mit einem der vielen
angepriesenen Mittelchen selbst be¬
kämpfen zu können und solcherart ein
schweres Leiden verschlampten, dies
geht leider aus keiner Statistik hervor.
Sicher ist es jedoch keine Übertreibung,
zu behaupten, viele Menschen könnten
noch leben, hätten sie anstatt der selbst
verordneten Tabletten, die nur die Sym¬
ptome eines schweren Leidens be¬
kämpften, den Weg zum Arzt und damit
zu einer gründlichen Untersuchung ge¬
wählt. Doch selbst wenn wir weniger
pessimistisch sind und nicht gleich
den drohenden Tod an die Wand malen,
so steht doch eines fest: Vielen Leu¬
ten könnte manche langwierige Be¬
handlung erspart bleiben, würden sie
nicht mit den Pillen der „Pepitant" an
sich selbst „herumdoktern". Wahr¬
scheinlich geht auch manche zu früh
verlorene oder durch Krankheit ver¬
ringerte Arbeitskraft auf das Schuld¬
konto der verantwortungslosen Reklame
für Arzneimittel. Gerade bei allen Ge¬
schäften mit der Gesundheit, oder bes¬
ser gesagt mit der Krankheit, ist jede
Spekulation mit der Unerfahrenheit der
Käufer noch mehr zu verurteilen als
bei allen anderen Geschäften.
Völlig schmerzfrei
durch:
'C.
nado"

    

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