Full text: Arbeit & Wirtschaft - 1963 Heft 03 (03)

Gewerkschaftliche Rundschau
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„Zwa Jahr muaß i schon die Kinder
vom Master umfragen, no a Jahr, und
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nachweis kriegen."
ringfügiger Vergehen regnete es für den
Lehrling Prügel. Soweit es möglich war,
wurden die Fälle dem Gericht über¬
geben. Allerdings stellten sich die Ge¬
richte meist gegen die Lehrlinge, und
die Meister erhielten nur geringe
Strafen.
Besonders scharf wurde gegen Lehr¬
linge vorgegangen, die Mitglieder des
„Verbandes jugendlicher Arbeiter"
waren. Als man im Jahre 1906 in Mar¬
gareten eine Jugendversammlung für
die „Einführung des Tagesunterrichtes
an den Fortbildungsschulen" abhielt,
wurden dazu auch Flugblätter verteilt.
Einen bei diesem „Verbrechen" auf fri¬
scher Tat ertappten Lehrling verurteilte
der Magistrat der Stadt Wien als poll¬
tische Behörde erster Instanz zu fol¬
gender Strafe: „Strafweise die Lehrzeit
um sechs Monate verlängert und über¬
dies eine Geldstrafe von 10 Kronen."
Die Tätigkeit der „Zentralstelle für
Lehrlingsschutz" sowie der Gewerk¬
schaften und der Lehrlinge selbst be¬
wirkte langsam eine Änderung in der
Lage der Lehrlinge. Herbert Steiner
Sozialversicherung aktuell
Weis geschah seit 1945!
In den Jahren bis 1955 sorgte in der
Sozialversicherung die Anpassungs¬
gesetzgebung dafür, daß die Renten
nicht nur an die geänderten Lohn- und
Preisverhältnisse angepaßt, sondern
auch in ihrem Realwert erhöht wur¬
den. Dies geschah durch folgende ge¬
setzliche Maßnahmen.
1. Juli 1946: Einführung von Beihil¬
fen zu den Renten aus der Invaliden¬
versicherung (Rentenversicherung der
Arbeiter), monatlich 20 S für Direkt¬
rentner (10 S für Witwenrentnerinnen).
1. Jänner 1947: Erhöhung aller Ren¬
ten um 50 Prozent.
1. August 1947: Weitere Erhöhung
aller Renten um 662/s Prozent.
1. Oktober 1948: Erhöhung aller Ren¬
ten um 6 Prozent; Einführung der Er¬
nährungszulage von monatlich 34 S für
Direktrentner (17 S für Witwenrentne¬
rinnen).
1. Juni 1949: Weitere Rentenerhöhung
"m 9 Prozent; Angleichung der Grund¬
beträge in der Invalidenversicherung
an die Angestelltenversicherung.
1. Juli 1949: Einführung von Zusatz¬
renten für die Angestellten- und Berg¬
arbeiterrentner.
1. Oktober 1950: Erhöhung der Er¬
nährungszulagen auf 114 S im Monat
für Direktrentner (67 S für Witwen¬
rentnerinnen).
16. Juli 1951: Erhöhung aller Renten
um 10 Prozent; weitere Erhöhung der
Ernährungszulage auf monatlich 239 S
(für Witwen auf 147 S).
1. April 1952: Verbesserung der Be¬
rechnungsvorschriften für alle Renten
durch das Sozialversicherungs-Neurege-
lungsgesetz.
1. Jänner 1954 beziehungsweise 1. Jän¬
ner 1955: Inkrafttreten des Rentenbemes¬
sungsgesetzes: Valorisierung (Nach¬
ziehung) aller Renten; erstmalige Ge¬
währung einer dreizehnten Rente im
Oktober 1954; Nachziehung der Alt-
Unfallrenten.
Die im Zuge der Anpassungsgesetz¬
gebung nach Kriegsende eingeführten
Mindestrenten sollten, unabhängig von
den Erhöhungen, die der jeweiligen
Alters- und
Invaliditätsrentner
Pensions- Mindest¬
art . . renteMindest- zuzüglich
rente Ernährungs¬
zulage
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Preis- und Lohnentwicklung Rechnung
trugen, jedem Rentenbezieher ein be¬
stimmtes Existenzminimum sichern; die
gleiche Absicht verfolgte die Gesetz¬
gebung mit der Einführung der Er¬
nährungszulagen.
Diese weitaus stärkere Anhebung der
niedrigsten Leistungen bewirkte eine
erhebliche Nivellierung der Renten¬
höhen, die man mit dem Renten¬
bemessungsgesetz und später mit der
ersten Novelle zum ASVG zu beseitigen
versuchte. In den ersten Nachkriegs¬
jahren waren jedoch die Maßnahmen
zur Erhöhung aller, auch der gering¬
sten Renten auf ein zum Leben aus¬
reichendes Minimum von ungeheurer
Bedeutung, besonders da die damals
noch geltende Reichsversicherungsord¬
nung und die übrigen reichsrechtlichen
Vorschriften sehr niedrige Renten¬
ansprüche ergaben.
Die Mindestrenten wurden für Alters¬
und Invalidenrentner am 1. Jänner
1947, für Hinterbliebenenrentner am
1. Juni 1949 (für Witwenrentner erst am
16. Juli 1951) eingeführt. Sie betrugen:
Witwenrentner Waisenrentner
Mindest¬
rente
Mindest¬
rente
zuzüglich
Ernährungs¬
zulage
Mindest¬
rente
Mindest¬
rente
zuzüglich
Ernährungs¬
zulage
ab S S s
1. 1. 47 . 75 — — — — —
1. 8. 47 135 — — — —
1. 10. 48 143 177 — — — —
1. 6. 49 156 190 78 95 63 210
1. 10. 50 156 270 78 155 63 210
16. 7. 51 172 411 86 233 70 217
30
        

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