Full text: Arbeit & Wirtschaft - 1966 Heft 06 (06)

Sein eigenes Bild in Riesenformat begrüßte den indonesischen Präsidenten Sukarno bei seinem Besuch im von Indonesien in
Besitz genommenen West-Neuguinea (West Irian).
Der teilnehmende Beobachter fühlt dabei nicht nur Be¬
dauern darüber, daß seine Entwicklungshilfe für
Prestigeinvestitionen vergeudet wird, sondern vor allem
darüber, daß dadurch etwas anderes vernachlässigt wird,
was viel wichtiger wäre: eine kräftige Hebung der Bil¬
dung und der Lebenshaltung der Massen. Er sieht, daß
die neugewonnene Freiheit für diese Massen nichts oder
nicht genug gebracht hat.
Ganz besonders schwer wird es uns, die Rüstungsaus¬
gaben junger Staaten gutzuheißen. An sich ist auch hier
ein gewisses Verständnis nötig. Ein Staat braucht Polizei
und Soldaten. Die Regierung muß Ordnung halten und
sich gegen Umstürzler behaupten können. Sie muß auch
über ein Heer verfügen, wenn sie vermeiden will, daß
die Armeen der Nachbarstaaten unerwünschte Spazier¬
gänge in ihr Hoheitsgebiet unternehmen. Wo aber die
Rüstungen über das Nötige hinausgehen, wo der Ver¬
dacht des Soldatenspielens aufkommt oder wo es sich um
die Vorbereitung eines Angriffs handelt, dort ist Kritik
am Platze.
Nationen ohne Nationalsprache
Nun wollen wir etwas tiefer schürfen. Sehen wir uns
zunächst den „berechtigten" Nationalismus näher an. In
Europa versteht man unter einer Nation meist eine Men¬
schengruppe, die die gleiche Sprache spricht. Als Muster
kann man die französische oder die italienische Nation
anführen. Danach wären allerdings die Belgier keine
Nation, weil sie teils flämisch, teils französisch reden, und
es gäbe erst recht keine Schweizer Nation. Wendet man
die sprachliche Definition auf die Deutschsprechenden an,
so ergeben sich wieder andere Schwierigkeiten. Wenn es
in Europa nur wenige Staaten gibt, die mit einer
„Nation" im Sinne einer .Sprachgemeinschaft identisch
sind, gibt es dann nur dort Nationalismus? Nein, es gibt
zum Beispiel in Belgien einen flämischen und einen
wallonischen, in Jugoslawien einen serbischen und einen
kroatischen Nationalismus; aber er wirkt sich dort als
Regionalismus aus. Er verstärkt nicht das Machtbewußt¬
sein des Gesamtstaates, er schwächt es eher. Während man
1914 wohl von einem deutschen Nationalismus sprechen
konnte, war von einem „österreichisch-ungarischen"
Nationalismus nicht die Rede, Innerhalb des Habsburger¬
reiches hingegen gab es einen ungarischen, einen
tschechischen Nationalismus usw.
Suchen wir unter den Entwicklungsländern nach sol¬
chen, bei denen die Voraussetzungen für einen echten,,
sprachlich begründeten Nationalismus gegeben sind,
dann finden wir fast keine. Die Entwicklungsländer
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