Full text: Arbeit & Wirtschaft - 1966 Heft 06 (06)

Die gute alte 5eit
Mit Hoydn und Moxort wor
nicht viel los
Es ist ein Gespräch zwischen
Kaiser Joseph II. und dem
Komponisten Ditters von Dit¬
tersdorf erhalten. „Was sagen
Sie zu Haydns Kompo¬
sitionen?" erkundigt sich der
Kaiser. Dittersdorf antwortet:
„Von seinen Theaterstücken
(Opern) habe ich keines ge¬
hört." Der Kaiser meint dar¬
auf: „Sie verlieren nichts da¬
bei, denn er macht es gerade¬
so wie Mozart." (Fritz Hug,
Bern, Mozartstudie, Zeitschrift
Oberland, Sommer 1962.)
Der Sieg über die Revo¬
lution 1848
„Osterreich ist gerettet! Ein
junger, starker, gerechter und
aufgeklärter Kaiser regiert
hier mit ebensolcher Mach»
wie seine Vorgänger. Die
Demokratie wurde zerschmet¬
tert, die Monarchie siegte.
Auf göttlichem Rechte be¬
ruhend, hat sie alles wieder¬
erlangt, sogar die öffentliche
Meinung. Der revolutionäre
Geist flüchtete sich, überall
verjcgt. zum Pöbel herab, wie
der bcs^ Geist, der, als ihn
Jesus Chris'us aus dem Körper
eines Mannes austrieb, sich in
eine Herde Schweine ver¬
kroch." (Gräfin Lulu Thürheim,
Mein Leben, Erinnerungen aus
Österreichs» großer Welt 1819
bis 1852, vierter Band, Seite
176, Verlag Georg Müller,
München 1914.)
Ein kleiner Irrtum
Am 23. Oktober 1962 hielt der
Nobelpreisträger Universitäts¬
professor Dr. Otto Hahn
(Göttingen) im Auditorium
maximum der Wiener Univer¬
sität unter dem Titel „Erinne¬
rungen eines alten Radioche¬
mikers" einen Vortrag, den die
Dezembernummer der „Oster¬
reichischen Volkshochschule"
zum Abdruck bringt. Die Er¬
innerungen weisen auch auf
Professor Hahns Wiener Mit¬
arbeiterin Lise Meitner hin und
bringen die folgenden hei¬
teren Sätze: „Der Begriff der
wissenschaftlichen Frau war
damals (1914) manchem noch
etwas unheimlich. Lise Meh¬
ners Antrittsvorlesung behan¬
delte die seinerzeit noch ziem¬
lich rätselhaften ,Probleme
der kosmischen Physik'. Dem
Berichterstatter für die Zeitung
schien dieses Thema offenbar
zu unweiblich. Er nannte den
Vortrag deshalb ,Probleme
der kosmetischen Physik'!"
Wir in der guten alten Zeit
Der Wiener Lokal-Chronik
1863 ist zu entnehmen:
20. Jänner: „Die Not der Ar¬
beiter in Wien war Gegen¬
stand einer vertraulichen Sit¬
zung des Gemeinderates.
Scharen von Arbeitern, zu¬
meist Weber, waren in das
Magistratsgebäude gekom¬
men und hatten Arbeii ver¬
langt. Man führte sie zum
Stadtbauamt. Viele von ihnen
wurden sofort auf Rechnung
der Kommune aufgenommen,
andere vorgemerkt. Der Bür¬
germeister zeigte weiter an,
daß er sich mit dem Staats¬
ministerium ins Einverständnis
gesetzt habe, um eine Be¬
schäftigung für die Arbeiter zu
finden, daran festhaltend, daß
es vor allem Sache der Regie¬
rung sei, sich mit der Ange¬
legenheit zu befassen. Auch
wurde die Lage der arbeiten¬
den Klasse nicht für so
schwierig erkannt, um außer¬
ordentliche Maßregeln zu
rechtfertigen. Arbeiter, die
hier nicht zuständig sind, sol¬
len, wenn sie nicht binnen
kurzem Beschäftigung finden,
von Wien entfernt werden." —
23. Jänner: „Auf dem Giacis-
raum, wo ehemals das Bank-
notenverbrennhaus stand, ist
den Arbeitern eine neue Er¬
werbsquelle erwachsen. Die
Polizei hat nämlich gestattet,
daß unter gewissen Vorsich¬
ten daselbst Knochen gesam-
meli und sodann verkauft
werden dürfen."— 31.Jänner:
„Unter dem Vorsitz des Bür¬
germeisters Dr. Zelinka ver¬
sammelte sich an diesem Tage
im Präsidialbüro des Ge¬
meinderates ein Komitee, be¬
stehend aus den Fabrikanten
Reckenschuß, Entres, Regen¬
hart, Reder, Garben, Mohr
und Engelhart, dem Ge¬
meinderat und Obmann der
Armensektion J. Nikola und in
Vertretung der Redaktion der
,Morgenpost' das Mitglied
derselben A. Fanta, zur Ein¬
leitung von Sammlungen unter
der Arbeiterbevölkerung
Wiens für brotlos gewordene
Weber." — 28. Februar:
„Nach einer langen Reihe von
Jahren hatte Wien wieder
eine italienische Oper. Unter
der Direktion des Impresario
Merelli begann heute im Carl¬
theater eine italienische Ge¬
sellschaft einen Zyklus von
22 Vorstellungen im Abonne¬
ment. Ungeachtet, daß der Preis
einer Loge per Abend auf
30 Gulden, eines Balkonsitzes
auf 6 Gulden und eines Sperr¬
sitzes im Parterre auf 4 Gul¬
den und 3 Gulden fünfzig
Kreuzer im Abonnement fest¬
gesetzt wurde, war die Be¬
teiligung eine so große, daß
sämtliche Logen und ein Teil
der Sperrsitze bei Beginn der
Vorstellungen vergriffen
AMj'Sr
Bernsteingelbe Augen leuchten in der Dunkelheit;
Unheimliches Geräusch dringt aus dem Unterholz;
Vom Tiger sehen wir nur die Silhouette.
Angst und Furcht erfüllt die Nacht.
Rotgelbes Funkfeuer leuchtet in der Dämmerung;
Schwirren und Dröhnen erfüllt die Luft;
Sirenen heulen;
Bomben morden aus Zuversicht!
Ein böser Traum, die Wahrheit;
Noch eh' wir endlich aufgewacht,
Sterben Schlafende im Bombenhagel;
Brücken stürzen; Kinder schreien;
Bomben fallen in der Nacht!
Menschen werden dann in Ballen
Wie Papier verfrachtet nach Irgendwo.
Regimenter marschieren in Gefangenschaft;
Solang, bis der letzte Soldat ist fortgeschafft.
Die einen hier — die anderen dort.
Oh, bernsteingelbe Augen leuchten in der Dunkelheit-
Unheimliches Geräusch dringt aus dem Unterholz;
Vom Tiger sehen wir nur die Silhouette.
Angst und Furcht erfüllt uns mit Macht!
Peter Wilhelm Prameshuber
Ntftizcnltram
des Arbeiterbildners
Das Heute und
der nahe Morgen
In seinem Buch „Die
Revolution des Um-
denkens" (Europa Ver¬
lag, Wien) schreibt
Bryan Magee (Jahrgang
1930): „Ich wünsche mir
eine kühne, radikale
Labour Party, die der
Gegenwart und der
nahen Zukunft zu¬
gewandt ist, und nicht
J einer fernen Zukunft
und der Vergangenheit."
Dos große Los
Jeder Raucher kauft mit
seiner Lieblingsmarke
ein Los. Hauptgewinn ist
der Lungenkrebs; die
anderen Preise sind Ge¬
fäßstörungen, der soge¬
nannte „Raucherfuß",
der meist zur Amputa¬
tion führt; Raucher¬
katarrh; Beeinträchti¬
gung des Nervensystems.
Die Chancen, einen der
Preise zu gewinnen,
steigen, je mehr Lose
(sprich: Zigarettenpak-
kungen) von den einzel¬
nen gekauft werden,
(„trotzdem", Zeitschrift
für junge Sozialisten,
Wien, Dezembernummer
1965.)
Erinnerung an die
Kriegsgefangenschaft
Acht Personen faßt der
, Förderkorb, der uns in
die Tiefe des „Gorki-
Schachtes" bringen soll.
Acht Personen, acht
i verschiedene Nationen,
| aber acht gleiche Ge¬
danken spiegeln sich auf
: den Gesichtern der
Männer wider. Be¬
stimmt sind alle Gedan¬
ken noch auf der Erd¬
oberfläche; das geistige
Auge sieht noch die zu
neuem Leben erwachte
Taiga vor sich. Krampf¬
haft hält der kleine
sehnige Tartare ein Bir¬
kenzweiglein in der
Faust. Er liebt genau so
wie ich das Grüne, das
Leben! Mit Worten kann
er es nicht sagen, aber
seine Augen sprechen
eine Sprache, die von
allen Nationen verstan¬
den wird! Längst sind
wir acht gute Freunde
geworden. (Aufsatz eines
oberösterreichischen
Bauarbeiters aus „Bil¬
dungsheim Weinberg",
aus dem viel zuwenig
gewürdigten Buch Jo¬
hann Mokres „Aus der
Welt des Arbeiters",
[ Dokumente zur Arbei¬
terkunde, Wien 1955.)
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