Full text: Arbeit & Wirtschaft - 1967 Heft 06 (06)

Erwin Weissei
Die Großen werden größer
Die wirtschaftliche Entwicklung der heutigen Zeit zeich¬
net sich durch eine Tendenz in Richtung Monopol aus.
Sie kommt allerdings nicht nur im gegenseitigen Nieder¬
kämpfen, Vernichten oder Aufkaufen oder in Absprachen,
Kartellen usw. zum Ausdruck. Seit dem Standardwerk
Chamberlins ist auch die berühmte Möglichkeit theore¬
tisch analysiert worden, dem Konkurrenzkampf dadurch
auszuweichen, daß
man das eigene Pro¬
dukt irgendwie von
anderen, gleicharti¬
gen Produkten dif¬
ferenziert — ein
Phänomen, das wir
bei langlebigen Kon¬
sumgütern (Kühl¬
schränken, Fernseh¬
geräten usw.) genau¬
so beobachten können
wie etwa bei Wasch¬
mitteln.1
Zu richtigen Monopolen kommt es jedoch nicht. Es
bleibt bei einer bloßen Tendenz, weil selbst die Produkt¬
differenzierung den Wettbewerb nicht völlig umgehen
kann (die verschiedenen Waschmittel- oder Kühlschrank¬
marken konkurrieren ja doch mehr oder weniger mitein¬
ander), und an die Stelle niedergekämpfter oder vernich¬
teter Unternehmen treten neue Unternehmen. Das letztere
setzt jedoch voraus, daß keine „Barriere" besteht, keine
„Hürde", die genommen werden muß, damit man sich in
der Branche etablieren kann. Nun bestehen aber einige
solcher Hürden, und die vielleicht wichtigste ist das Er¬
fordernis einer bestimmten Mindestausstattung mit Kapi¬
tal oder, wenn man es so nennen will, einer bestimmten
Mindestgröße.
Wir wollen im folgenden diesen wichtigen Aspekt der
modernen Marktkämpfe näher betrachten. Dabei stützen
wir uns auf sehr eindrucksvolles Zahlenmaterial, das von
der amerikanischen Zeitschrift „Fortune" wie alljährlich,
so auch heuer wieder veröffentlicht und zum Teil analy¬
siert wurde, nämlich auf Daten über die 500 größten
1 E. Chamberlin, „The Theory oi Monopolistic Competition", Cam¬
bridge 1932.
Industrieunternehmen der USA und die 200 größten
Industrieunternehmen in der übrigen Welt außerhalb des
Ostblocks.
Die GrößenVerhältnisse
Die 500 größten Industrieunternehmen der USA,
auf die wir zunächst unsere Betrachtung beschränken wol¬
len, erzielten im Jahre 1965 einen Umsatz von insgesamt
298 Milliarden Dollar und einem Gewinn von insgesamt
20 Milliarden Dollar. Nach der Anzahl sind es ein viertel
Prozent der Gesamtzahl der Industrieunternehmen in den
USA, aber sie vereinigten rund 60 Prozent des Gesamt¬
umsatzes und 70 Prozent des Gesamtgewinnes auf sich.
Diese ausgeprägte Anhäufung der Umsätze und Gewinne
bei den Großen macht sich natürlich auch innerhalb
dieser illustren Gruppe bemerkbar. In Tabelle 1 sind die
zehn Unternehmen mit den größten Gewinnen angegeben
Tabelle 1
USA-Spitzenunternehmen nach Höhe des Gewinnes 196S
Gewinn
(MillionenUnternehmen Dollar)
General Motors 2126
Standard Oil (N. J.) 1036
Ford Motor 703
Texaco 637
IBM 477
Gulf Oil 427
Du Pont 407
Standard Oil (Kalifornien) 391
General Electric 355
Mobil Oil 320
(nach Abzug der Steuern, also netto). Von den insgesamt
über 20 Milliarden Gewinn der 500 Großen entfielen fast
6,9 Milliarden oder über ein Drittel auf diese zehn Größten
der Großen. General Motors allein fielen 10 Prozent zu
und Standard Oil (N. J.) 5 Prozent, diese beiden allein
weisen also fast die Hälfte des Anteils der zehn Größten
aus.
Ganz analog ist das Ergebnis, wenn wir die Umsätze
betrachten. An der Spitze stehen nicht dieselben Unter¬
nehmen wie in Tabelle 1, weil ein höherer Umsatz nicht
auch einen entsprechend hohen Gewinn bedeuten muß.
Von den insgesamt über 298 Milliarden Umsatz der
500 Großen entfielen über 75 Milliarden oder ein Viertel
auf die zehn Größten. Betrachten wir noch, um das Bild
abzurunden, das Vermögen (unter Berücksichtigung aller
Arten von Abschreibungen) einschließlich der Staats¬
papiere zur Aufrechnung gegen Steuerverpflichtungen.
Wieder sind es nicht genau dieselben Unternehmen wie
in Tabelle 1, weil ja auch ein höherer Kapitaleinsatz
nicht unbedingt einen entsprechend höheren Gewinn be¬
deuten muß. Die Summe der Aktiva aller 500 Großen
beträgt über 251 Milliarden. Davon entfallen über 66 Mil¬
liarden oder über ein Viertel auf die zehn Größten.
Wir können aus den Zahlen zwei Tatsachen ableiten.
Erstens sind Umsatz, Gewinn und Aktiva höchst ungleich¬
mäßig verteilt; einer großen Masse mit kleinen Anteilen
an der Gesamtsumme steht eine kleine Gruppe mit großen
Anteilen gegenüber. Das gilt auch, wenn wir andere
Größen betrachten. So entfallen etwa von der Gesamt¬
summe des eingesetzten Kapitalstocks, die über 154 Mil-
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