Full text: Arbeit & Wirtschaft - 1967 Heft 06 (06)

die ja durch hohe Profitraten angezogen werden — ihre
Dividenden und Zinsen erhalten. Analoges gilt bei klei¬
nem Umsatz. Wir finden also zwangsläufig eher bei den
Kleineren die höchsten Profitraten, weil sie nur mit deren
Hilfe in die größten 500 hineinwachsen und sich dort
halten konnten.
Schnell wachsen oder sterben
Wir wenden uns nun der Notwendigkeit des Wachsens
zu. Den ersten Hinweis erhalten wir, wenn wir jenen
Umsatz, von dem an die 500 beginnen, für die Jahre 1955
und 1965 vergleichen. Im Jahre 1955 genügten schon
55,5 Millionen Umsatz, um zu den größten 500 zu gehören.
Zehn Jahre später hatte sich dieses Minimum fast ver¬
doppelt, und erst ein Umsatz von 109,5 Millionen garan¬
tierte die Zugehörigkeit zu den größten 500. Selbst wenn
wir in Betracht ziehen, daß in diesem Jahrzehnt das
Preisniveau um 11,3 Prozent stieg, bleibt immer noch
eine reale Erhöhung der „Untergrenze" im Ausmaß von
77 Prozent. Man muß sehr rasch wachsen, um unter den
größten 500 im Rennen zu bleiben!
Wer nicht rasch
genug wächst, der
stirbt oder — um
bei unseren Daten zu
bleiben — der ver¬
schwindet aus den
Reihen der größten
500. Von 1964 auf
1965 verschwanden
- 26 Unternehmen aus
der Fünfhundert¬
ste. In neun Fällen
handelte es sich um Verschmelzung mit einem anderen
Unternehmen. Die restlichen 17 sind tatsächlich zu lang¬
sam gewachsen. Ist ein Unternehmen etwas größer, kann
es sogar einen Rückgang des Umsatzes absorbieren,
ohne gleich zu „verschwinden". Ein typisches Beispiel in
dieser Hinsicht ist die Firma Studebaker, die von 1964 auf
1965 den größten Umsatzrückgang von allen 500 erlitt —
nämlich über 26 Prozent — und von Rang 233 auf Rang 325
zurückfiel.
Von den 26 Neuen, die an die Stelle der 26 Verschwun¬
denen treten, gehörten neun schon früher den größten
500 an, sind also gewissermaßen „Heimkehrer", die nur
vorübergehend verschwanden. Von den restlichen 17 wur¬
den drei früher nicht als Industrieunternehmen gewertet
und waren nur aus diesem Grund nicht unter den 500 —
ihr Umsatz wäre groß genug gewesen (die drei erreichten
auf Anhieb die Ränge 56, 323 und 341). Scheiden wir diese
drei Ausnahmefälle aus, weil sie nicht in die oberste
Gruppe hineingewachsen sind, dann zeigt sich, daß die
neun Heimkehrer und 14 echten Neuen im Rang nach
dem Umsatz nur sehr mäßig abschneiden, denn 22 Unter¬
nehmen konnten nur ins unterste Fünftel hineinwachsen.
Auch diese Tatsache zeigt deutlich, welch rapides Wachs¬
tum erforderlich ist, um auf dem Markt bestehen zu
können.
Schließlich soll noch eine dritte Datenzusammenstellung
das Ausmaß des erforderlichen Wachstums illustrieren.
Wir gehen dabei von einem längerfristigen Zeitraum aus,
nämlich vom Jahrzehnt 1955 bis 1965. In Tabelle 3 sind
ja
die zehn Unternehmen angegeben, die in diesem Zeitraum
den größten Zuwachs beim Umsatz zu verzeichnen hatten,
samt ihrem Rang 1965. Die Zuwachsraten sind, wie man
sieht, enorm hoch. Das beste Unternehmen konnte sei¬
nen Umsatz im Durchschnitt jedes Jahr verdoppeln, und
noch das zehntbeste erreichte die Verdopplung innerhalb
von drei Jahren. Aber selbst so ungewöhnlich rapide
Expansionen konnten keinen Niederschlag in entspre¬
chend hohen Rängen finden. Die Hälfte der Unternehmen
landete im vorletzten Fünftel (eines sogar nur im letzten),
ein einziges Unternehmen konnte mit Rang 72 ins oberste
Fünftel vorstoßen.
USA-Unternehmen mit den höchsten jährlichen
Zuwachsraten beim Umsatz, 1955—1965
Durchschn.
jährlicher
Zuwachs
Unternehmen des Umsatzes
in Prozent
Ling-Temco-Vought 107
Litton Industries 59
Walter (Jim) 58
Gulf & Western Industries 50
Cons. Electronics Industries 37
Rheingold 35
Ampex 34
Xerox 34
Lear Siegler 34
Murphy Oil 33
Tabelle 3
Rang
1965
204
72
374
341
265
472
385
171
327
354
Auch bei Betrachtung eines längeren Zeitraumes zeigt
sich übrigens, daß Unternehmen starke Umsatzrückschläge
nicht mit dem Verschwinden aus den oberen 500 bezahlen
müssen, wenn sie nur am Anfang, als der Verfall begann,
groß genug waren. Der Umsatz von Studebaker beispiels¬
weise sank im Jahrzehnt 1955 bis 1965 jährlich um durch¬
schnittlich 8,7 Prozent, und das Unternehmen purzelte von
Rang 75 auf Rang 325, blieb aber noch im Rennen.
Die USA und der restliche Westen
Wir wollen nun dazu übergehen, die Großen der USA
mit den Großen der restlichen westlichen Welt zu ver¬
gleichen. Die Grundlage ist die eingangs schon erwähnte
Zusammenstellung der 200 größten Unternehmen außer¬
halb der USA (und außerhalb des Ostblocks). In Tabelle 4
sind die zehn Unternehmen mit dem größten Gewinn
angegeben (wieder nach Abzug der Steuern). An der
Tabelle 4
Westliche Spitzenunternehmen
nach der Höhe des Gewinnes 1965
Gewinn
(Millionen
Unternehmen und Land Dollar)
Royal Dutch Shell (Holland, Großbritannien) 628
British Petroleum (Großbritannien) 226
Imperial Chemical Industries (Großbritannien) 208
Unilever (Holland, Großbritannien) 178
Intern. Nickel (Kanada) 144
British-American Tobacco (Großbritannien) 118
Philips Gloeilampenfabrieken (Holland) 110
De Beers Consolidated Mines (Südafrika) 102
Volkswagenwerk (BRD) 94
Petroleo Brasileiro (Brasilien) 87
15
        

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