Full text: Arbeit & Wirtschaft - 1969 Heft 01 (01)

Sozialversicherung -
Privatversicherung, ein Vergleich
KURT SWOBODA
Die privaten Versicherungsunternehmen legen nun auch
in Österreich eine immer größere Aktivität in der Werbung
für die private Kranken- und Pensionsversicherung an den
Tag. Das wirkungsvolle Massenmedium der Fernseh¬
werbung wird eingesetzt. Die Tageszeitungen bringen
ganzseitige Werbeanzeigen. Man bedient sich dabei ähn¬
licher Schlagworte wie
• Soll Ihre Frau von heute auf morgen ihren Lebens¬
standard verlieren?
• Verhindern Sie ein plötzliches Absinken Ihres Lebens¬
standards durch eine Privatpensionsversicherung!
• Der neue Trend — Privatpatient durch eine private
Krankenversicherung.
Sinn und Zweck dieser Darstellung ist es keineswegs,
gegen den Gedanken zusätzlicher privater Vorsorge zu
polemisieren, sondern die Arbeitnehmer durch verglei¬
chende Untersuchungen zu informieren, damit sie entschei¬
den können, ob eine private Krankenversicherung oder
Pensionsversicherung für sie in Betracht kommt.
Pension durch Privatversicherung
Welche Pensionsarten bieten die bedeutenden Ver¬
sicherungsunternehmen an?
1. Sofort beginnende Leibrente
Die sofort beginnende Leibrente wird gegen Einmal¬
prämie mit Gewinnbeteiligung und ohne ärztliche Un¬
tersuchung während der Lebensdauer des Versicherten
gewährt. Diese Pensionsart ist verhältnismäßig teuer,
weil nur noch ein von Monat zu Monat sinkendes Rest¬
kapital Zinsen bringt. Die Einmalprämie ist um so
niedriger, je älter der Versicherte ist, denn die Dauer
der Rentenzahlung nimmt mit steigendem Alter ab.
Für eine monatliche, sofort beginnende Leibrente
von 1000 S beträgt der Einmalerlag bei einem 60jäh-
rigen Mann 163.800 S, bei einem 65jährigen Mann zirka
137.000 S. Die sofort beginnende Leibrente hat den
Nachteil, daß mit dem Tod des Versicherten die Renten¬
zahlung sofort aufhört. Um diesen Nachteil auszu¬
gleichen, werden mehr und mehr sofort beginnende
Leibrenten mit Rückgewähr ausgestattet. Die Einmal¬
prämie ist in diesem Fall natürlich höher. Wird bei der
sofort beginnenden Leibrente die Rückzahlung der
nicht konsumierten Einmalprämie (im Zeitpunkt des
Todes) an eine bezugsberechtigte Person mitversichert,
so erhöht sich die Einmalprämie auf etwa 191.646 S
(17 Prozent Zuschlag) beziehungsweise 169.880 S
(24 Prozent Zuschlag). Die sofort beginnende Leibrente
kommt praktisch nur dann in Frage, wenn einer allein¬
stehenden Person, die sich zur Ruhe setzen will, ein
verhältnismäßig großes Kapital zur Verfügung steht.
Dieses Kapital stammt häufig aus der Veräußerung von
Vermögensobj ekten.
2. Aufgeschobene Leibrente
Die aufgeschobene Leibrente wird gegen Einmal¬
prämie oder gegen laufende Prämienzahlung bis zum
Rentenanfall gewährt.1
Bei einem 40jährigen Mann, der ab Vollendung sei¬
nes 60. Lebensjahres eine monatliche Leibrente von
1000 S erhalten will, beträgt die Einmalprämie 85.980 S.
Würde dieser Mann die Leibrente erst mit Vollendung
des 65. Lebensjahres in Anspruch nehmen, so beträgt
die Einmalprämie etwas weniger, nämlich 57.680 S.s
Ein 40j ähriger Mann entschließt sich zu einer laufen¬
den Prämienzahlung. Er will mit Vollendung des
60. Lebensjahres eine monatliche Leibrente von 1000 S
erhalten. Die monatliche Prämie beträgt in diesem Fall
536 S. Würde er eine monatliche Leibrente von 1000 S
erst ab Vollendung des 65. Lebensjahres erhalten wol¬
len, so würde sich die monatliche Prämie auf 315 S ver¬
ringern.3
Wird die Rückzahlung der nicht konsumierten Ren¬
tenablöse (im Zeitpunkt des Todes) mitversichert, so er¬
höhen sich die einmaligen oder laufenden Prämien etwa
um 16 Prozent beziehungsweise 22,5 Prozent. An Stelle
der Leibrente kann auch eine einmalige Kapitalabfin¬
dung vereinbart werden.
3. Uberlebensrente
Die Überlebensrente wird entweder gegen Einmal¬
prämie oder gegen laufende Prämienzahlung auf
Lebensdauer eines Hinterbliebenen (Witwenrente)
oder bis zu einem bestimmten Zeitpunkt (Waisenrente)
ab Tod des Versorgers gewährt.
4. Alters- und Invalidenrente
Die Alters- oder Invalidenrente wird meistens gegen
laufende Prämie bis zum Rentenanfall gewährt. Die
Rente beginnt mit Eintritt der Erwerbsunfähigkeit,
spätestens aber bei Erreichung der Altersgrenze.
5. Vollständige Privatpensionsversicheruns
Die meisten Lebensversicherungsunternehmen, die
das Rentengeschäft betreiben, bieten heute die „Voll¬
ständige Privatpensionsversicherung" an. Sie ist eine
Variante aus aufgeschobener Leibrente und Über¬
lebensrente und ist begreiflicherweise kostspieliger als
entweder eine Alters- und Invaliditätsrente allein für
Versicherte oder eine bloße Überlebensrente.
Die Leistungen der „Vollständigen Pensionsversiche-
1 Bei der aufgeschobenen Leibrente gegen Einmalprämie wird
in der Regel schon ein Kapital (zum Beispiel durch Erbschaft,
Schenkung, Verkauf eines Hauses oder Geschäftes usw.) zu einem
Zeitpunkt zur Verfügung stehen, in dem die Rentenzahlung noch
nicht gewünscht wird. In diesem Fall ist es nun möglich, eine
auf einen bestimmten Zeitpunkt aufgeschobene Leibrente gegen
Einmalprämie zu erwerben.
1 Bei der aufgeschobenen Leibrente gegen laufende Prämien¬
zahlung bis zum Rentenanfall ist die Prämie bei gleicher Renten¬
höhe und gleichem Rentenbeginnalter um so niedriger, je jünger
der Versicherte beim Eintritt in die Versicherung ist. Bei der
laufenden Prämienzahlung handelt es sich sinngemäß um einen
Sparvorgang, während dessen ein Kapital angesammelt wird, das
dann bei Rentenbeginn wie eine Einmalprämie für eine sofort
beginnende Leibrente behandelt wird.
' Genau wie bei der Einmalprämie kann die Rentenleistung mit
oder ohne Rückgewähr abgeschlossen werden. Die erste Möglich¬
keit überwiegt bei weitem, ist aber auch teurer.
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