Full text: Arbeit & Wirtschaft - 1973 Heft 11 (11)

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finden Sie
Das Licht
am Ende der
Welt
Seite 8
»So leben die Chi¬
lenen nach dem Um¬
sturz wirklich
CHILE freier, satter, froher!«
So jubelt die deutsche Tratsch-, Klatsch-
und Sexillustrierte »Praline« in der Über¬
schrift einer Reportage aus dem Chile des
Generals Augusto Pinochet. »Praline« malt
das Chile der Junta in den glühendsten
Farben. Das Blatt fühlt sich dazu berufen,
weil »in den meisten Zeitungen und Zeit¬
schriften der Bundesrepublik wenig zu le¬
sen« gewesen sei, wie sehr sich das Leben
der Chilenen gebessert hat.
Wir können nicht mit großartigen Repor¬
tagen aus dem heutigen Chile aufwarten,
aber dafür formte unser ständiger außen¬
politischer Mitarbeiter Otto Fielhauer aus
ungezählten Unterlagen und aus eigener
Anschauung ein plastisches Bild des Le¬
bens Salvador Allendes. Den Titel wählte
er nach einer Erzählung Jules Vernes.
Das Licht ist nun erloschen, aber die Erin¬
nerung daran wird sicherlich noch lange in
den Herzen nicht nur der Chilenen brennen.
Politisch zersplitterter
Gewerkschaftskongreß
Seite 16
England ist nicht nur das Ursprungsland
des Kapitalismus, sondern auch die Wiege
der Gewerkschaftsbewegung. Daher
schmerzt es jeden Gewerkschafter zu hö¬
ren, daß zum Beispiel der heurige TUC-
Kongreß nicht weniger als 20 Verbände
aus dem TUC ausschloß, weil sie mehr
oder minder durch die Umstände gezwun¬
gen sind, sich den Bedingungen des Ge¬
setzes über die Arbeitsbeziehungen zu un¬
terwerfen. J.W. Brügel berichtet ausführlich
über den Kongreß des TUC, der im Sep¬
tember in Blackpool tagte.
/
Grundsätzliches
zum Wesen
des Streiks
Seite 19
Laut dem »Hand¬
buch des Gewerk¬
schafters« ist der
Streik die gemein¬
same vorübergehen¬
de Arbeitsniederle¬
gung durch Arbeitnehmer als letztes Mittel
zur Abwehr von Verschlechterungen (Ab¬
wehrstreik) oder zur Durchsetzung von
Verbesserungen (Angriffsstreik). Der Streik
ist also kein Gesellschaftsspiel, sondern
das letzte Stadium einer Auseinander¬
setzung zwischen Arbeitnehmern und Ar¬
beitgebern, sofern sie nicht auf dem Wege
von oft mühsamen und langwierigen Ver¬
handlungen beigelegt werden kann.
Die Aktion, mit der die chilenischen Trans¬
portunternehmer den Sturz der Regierung
Allendes vorbereiteten, wurde zwar welt¬
weit Streik genannt, war aber in Wahrheit
ein Boykott. Erwin Weissei, von der Wirt¬
schaftswissenschaftlichen Abteilung der
Wiener Arbeiterkammer, wagt es als Na¬
tionalökonom in ein Gebiet der Sozialpoli¬
tiker einzudringen und legt seine Ansichten
zu Streik, Aussperrung und Boykott dar.
Frage nach der Meinung der Leser
Seite 25
Einer der Herausgeber von »Arbeit & Wirt¬
schaft« äußerte den Wunsch, die Mei¬
nungsbefragung eines repräsentativen
Querschnitts von möglichen Beziehern der
Zeitschrift (siehe Nummer 7/8 »Leser unter
dem Röntgenschirm«) durch eine breitge¬
streute und umfassende Leserbefragung zu
ergänzen. Das ist aber nur durch eine
Fragebogenaktion möglich. Im Redaktions¬
komitee waren ziemlich skeptische Stim¬
men zu den Erfolgsaussichten einer solchen
Leserbefragung zu hören. Chefredakteur
Gottfried Duval erläutert, warum er den¬
noch auf eine rege Beteiligung an dieser
Umfrage hofft.
Das Berufs¬
förderungs¬
institut — eine
wichtige
Einrichtung der
Erwachsenen¬
bildung Seite 30
Die Bildung soll zum Motor für die Ver¬
änderung der gesellschaftlichen Verhält¬
nisse werden. Zu den wichtigsten Zielen
der Erwachsenenbildung gehört es, dem
Menschen zur größtmöglichen Entfaltung
seiner Persönlichkeit zu verhelfen. Diese
Ansichten sind für den ÖGB-Bildungsrefe-
renten Josef Eksl eine Selbstverständlich¬
keit. Als Geschäftsführer des Berufsförde¬
rungsinstituts befaßt sich Eksl mit der
Frage, ob und wie das BFI mithilft, die
oben dargelegten Idealvorstellungen zu
verwirklichen.
Die offene Arbeitsvermittlung
in der Praxis Seite 36
Es gehört zur politischen Aussage konser¬
vativer Kreise auch in Österreich, Schwe¬
den als moderne Hölle darzustellen, wobei
der Weg zu dieser Hölle mit übergroßer
und oft ungewollter Fürsorge um den so¬
zial gesicherten Lebensweg des Menschen
gepflastert sei. Gewerkschafter haben sich
von solchen Verteufelungen der schwedi¬
schen Verhältnisse nie schrecken lassen.
Sie prüften und prüfen vielmehr, was die
Schweden auf diesem oder jenem Gebiet
uns voraus haben. Eines dieser Gebiete
ist die moderne Arbeitsvermittlung. Der
Leiter des Wiener Landesarbeitsamtes gibt
dazu einen Überblick über das schwedische
Beispiel.
Mitbestimmung in der
Wirtschaftspolitik Seite 42
Ausländische Besucher finden manches in
Österreich merkwürdig, aber bemerkens¬
wert. Dazu gehört die Einrichtung der seit
mehr als eineinhalb Jahrzehnten bestehen¬
den Paritätischen Kommission. Nicht weni¬
ger bemerkenswert ist jedoch ein Ableger
der Paritätischen Kommission, der Beirat
für Wirtschafts- und Sozialfragen. Er ist
nun zehn Jahre alt geworden.
IP
rES?
Zum Thema
Industrie¬
gruppen¬
organisation
Seite 48
Auf dem Dritten
Deutschösterreichi¬
schen Gewerkschaftskongreß vom Jahre
1928 erklärte der Delegierte Arbeitel, ein
Vertreter der kaufmännischen Angestellten,
die Verhältnisse seien reif für die Industrie¬
gruppenorganisation. Damals waren die
Privatangestellten auf ein Dutzend Organi¬
sationen aufgesplittert.
1928 stellte sich die Gewerkschaftskommis¬
sion — aus der auf diesem Kongreß der
Bund Freier Gewerkschaften wurde — die
Zusammenfassung der Privatangestellten in
der 14. von 16 Industriegruppenorganisa¬
tionen vor. Eigentlich sind die damaligen
Vorstellungen im Jahre 1945 beim Aufbau
des ÖGB weitgehend verwirklicht worden.
Zum Thema Industriegruppenorganisation
nimmt nun ein Pionier der österreichischen
Gewerkschaftsbewegung, der frühere So¬
zialminister Anton Proksch, Stellung.
Ausländische
Arbeitskräfte:
Ist die Grenze
erreicht?
Seite 53
Vor zwanzig Jahren
zählte Österreich an
die 300.000 Arbeits¬
lose, heute haben
wir an die 300.000 Gastarbeiter. Im öster¬
reichischen Durchschnitt ist jeder zehnte
Arbeitnehmer ein Ausländer, in Vorarlberg
sogar schon jeder vierte. Damit scheint eine
Grenze erreicht, die nicht mehr überschrit¬
ten werden sollte. Für Österreich ist — so
Erich Hofstetter — die Entwicklung eigent¬
lich unerwartet und verhältnismäßig sehr
rasch gekommen. Damit drückt der Lei¬
tende ÖGB-Sekretär aus, daß zumindest
einige Versäumnisse aufzuholen sind.
Obwohl es nicht mehr ganz einfach ist, an
diese Frage heranzugehen, ohne Gefühls¬
stürme der Abneigung, ja der Fremden¬
feindlichkeit aufzuwühlen, vermeidet es
Hofstetter, öl ins Feuer zu gießen. Er wägt
sachlich Vorteile und Nachteile der Aus¬
länderbeschäftigung gegeneinander ab,
weist auf die ungenügende »Infrastruktur«
für die Gastarbeiter (Wohnungen, Versor¬
gung, Freizeit Schule usw.) hin und ver¬
langt nebst einem Stopp für den illegalen
Zuzug von fremden Arbeitskräften auch
energische Maßnahmen zugunsten der be¬
reits im Lande befindlichen.
Der Künstler
in der Gesell¬
schaft von heute
Seite 60
Ist der Künstler ein
Gewerbetreibender?
Kann der Künstler
einer Gewerkschaft
— also einer Vereinigung von Arbeitneh¬
mern — angehören? Der akademische Ma¬
ler Professor Robert Schmitt, der jahrelang
für das Bildungsreferat des ÖGB tätig war,
beschäftigt sich nicht nur mit der Stellung
des Künstlers, sondern auch mit der Frage,
ob Kunstwerke gleichsam wie Gebrauchs¬
gegenstände auf dem Fließband erzeugt
und vervielfältigt werden können.
11/73 iirlNil Wirtschaft i
        

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