Full text: Arbeit & Wirtschaft - 1973 Heft 12 (12)

?In diesem Heft finden Sie Bildungsfülle und Bildungs¬ notstand Seite 5 Franz Senghofer, seinerzeit Bildungsrefe¬ rent des ÖGB, im »Ruhestand« tätig wie eh und je, betrachtet die durch rege Re¬ formdiskussion offenkundige Unzufrieden¬ heit mit dem Stand unseres Schulwesens als gutes Zeichen. Seiner Ansicht nach gilt es für die Schule, unnötig gewordenen Ballast abzuwerfen, um den Zukunftserfordernissen entsprechen zu können. Da wir aber kein Volk seelenloser Roboter werden sollen, darf geistige und musische Erziehung nicht aufhören. Viel wäre schon getan, würde dem Bedürfnis der Jugend, in der Gegenwart leben und lernen zu wollen, mehr als bisher ent¬ gegengekommen. Mehr Lehrfreiheit für Lehrer, mehr Lernfreiheit für Schüler! Die Zukunft der Erwachsenenbildung sieht Senghofer in einer Kombination von Mas¬ senbildung über Rundfunk und Fernsehen mit Spezialbildung über weithin gestreute Kulturstätten, etwa Bildungsheime, für das ganze Volk. Dabei hat auch das gewerkschaftliche Bil¬ dungswesen seinen Platz und seine große Aufgabe, denn auch für die Gewerkschafts¬ bewegung trifft das zu: Ohne Pflege ihrer Ideen und ohne geistiges Ringen kann es keine auf Dauer erfolgreiche und gesi¬ cherte Bewegung geben! Der ÖGB begrüßt die Neuordnung des Hochschulwesens Seite 8 Zur Neuordnung des Hochschulwesens, wie sie durch ein Universitäts-Organisations- gesetz angepeilt wird, hat der ÖGB eine im grundsätzlichen positive Stellung bezo¬ gen. Warum, wird hier in einem halben Dutzend Punkten umrissen. Auch die Hoch¬ schulen müssen sich eben an die allgemei¬ nen Bedürfnisse einer Gesellschaft anpas¬ sen. Isolierten sie sich — und so manche Hochschule ist auf dem besten Wege dahin — in zunehmendem Maße von gesellschaft¬ lichen Tendenzen, müßte auch die Wissen¬ schaft selbst Schaden erleiden. Der bildungs¬ politische Auftrag der Arbeiter¬ kammern Seite 9 Was ist sinnvoller, reines Merkwissen oder lebenslanges Lernen? Hans Fellinger, dem Bildungsreferenten der Wiener Arbeiter¬ kammer, fällt die Wahl nicht schwer. Er tritt ohnehin für Gleichrangigkeit von ge¬ schickten Händen und von Intelligenz ein. Eigentlich geht es da schon um eine Inte¬ gration, denn in diese Richtung steuert >*7 i i Fellinger mit seinem Beitrag, in dem er unter anderem erklärt, daß nur gebildete Menschen sich auch gegenüber Fachleuten durchsetzen werden können. Hindernisse erwachsen aus der geringen Mitbestimmungsmöglichkeit im Experten¬ staat. Fellinger schwebt der mündige, selbstbewußte Mensch, der nicht zu gän¬ gelnde Bildungsbürger vor. Eine Utopie? Seinerzeit waren auch Gewerkschaften und Arbeiterkammern nichts als Utopien. Schließlich spricht Fellinger — so wie Fritz Klenner im Septemberheft — von Freizeit¬ zentren. Wenn auch die Arbeiterkammern auf diesem Gebiet bereits beachtliche Lei¬ stungen aufweisen, so müssen sie doch — laut Fellinger — in Zukunft noch weit größere Leistungen vollbringen. Sicherlich auch die Gewerkschaften. Politik und Geschäft Seite 17 Von der Entschei¬ dung eines leiten¬ den politischen Be¬ amten hängt es oft ab, wem Millionen¬ profite zukommen. Anderseits hängt die Wahl eines Politikers zu einem hohen Amt oft von der Höhe der Wahlspenden ab, die er von leitenden Wirtschaftsführern kassie¬ ren kann. Damit umreißt Albert Miller das Grundproblem in seinem Beitrag. Miller untersucht amerikanische Zustände, ohne sich mit der Frage abzugeben, ob die kon¬ fliktträchtige Verbindung von Politik und Geschäft nicht auch anderswo zu finden ist. Sie ist es! Die Amerikaner haben aber manch anderem Volk eines voraus. Es fin¬ den sich immer wieder Persönlichkeiten, die es wagen, »ohne Rücksicht auf Ver¬ luste« gegen Übelstände im eigenen Lande anzukämpfen. Die Streikwelle in der deutschen Metallindustrie Seite 24 Eine Welle von spontanen Arbeitsniederle¬ gungen wogte heuer vor allem durch die deutsche Metallindustrie. Der deutsche Ge¬ werkschaftsjournalist Edmund Möller schil¬ dert, wie es dazu kam. Es ging aber nicht nur um Geld, sondern auch um mensch¬ lichere Arbeitsbedingungen. Maßnahmen gegen den Bodenwucher Seite 26 Auf eine Wohnung zu sparen, wie es seinerzeit für junge — und auch für nicht mehr so junge — Leute üblich war, ist durch die rasante Steigerung der Baulandpreise zu einer Sisyphusarbeit, zu einer vergeblichen Mühe geworden. Günther Chaloupek, Mitarbei¬ ter der Wirtschaftswissenschaftlichen Ab¬ teilung der Wiener Arbeiterkammer, zeich¬ net ein ungeschminktes Bild der Situation, die für die betroffenen Bevölkerungsschich¬ ten eine beträchtliche Senkung ihres Real¬ einkommens bedeutet. Chaloupek hält es auch für wahrscheinlich, daß selbst nach Verabschiedung des Assanierungs- und Bodenbeschaffungsgesetzes der Boden¬ preisauftrieb in Österreich anhalten wird. Eine wirksame Bekämpfung des Boden¬ wuchers hält er nur für möglich, wenn Österreich in dieser Frage dem schwedi¬ schen Vorbild folgt. Das Recht, ein Mensch zu sein Seite 32 Vor 25 Jahren be¬ schloß die Haupt¬ versammlung der Vereinten Nationen die »Allgemeine Deklaration der Menschen¬ rechte«. Vorher hatte es schon manches Papier gegeben, auf dem Grundfreiheiten und Grundrechte verzeichnet waren, wobei in Virginia 1776 zum erstenmal der Satz geprägt wurde, daß alle Menschen von Natur aus in gleicher Weise frei und un¬ abhängig sind und bestimmte angeborene Rechte besitzen. Wie es ein Vierteljahrhundert nach dem historischen Tag der Vereinten Nationen, dem 10. Dezember 1948, mit einigen der Menschenrechte in der Praxis aussieht, etwa mit dem Schutz vor willkürlicher Haft, vor Mißhandlung und Folter, beschreibt der Sparkassenangestellte Heinz Decker, der Mitglied einer Wiener Gruppe von Amnesty International ist und gerade fünf Jahre alt war, als die Vereinten Nationen feierlich die allgemeine Erklärung der Menschen¬ rechte beschlossen. Frankreichs Uhren gehen anders Seite 40 Was in Besanpon vor sich geht, ist nach Aussagen von LIP-Arbeitern nicht ein Experiment der Ar¬ beiterselbstverwaltung, sondern ein Akt der Selbstverteidigung gegen Unterneh¬ merwillkür im Umgang mit dem Schicksal arbeitender Menschen. Susi Valter, Volon¬ tärin der Wirtschaftswissenschaftlichen Ab¬ teilung der Wiener Arbeiterkammer, be¬ schreibt Ursachen und Ablauf des Kampfes um die Arbeitsplätze der Uhrenarbeiter von Besanpon. Sterben für die Klagemauer? Seite 52 In einem gerafften Abriß derGeschichte Israels —vom Herzi¬ schen Traum bis zur Realität unserer Tage - unterscheidet un¬ ser außenpolitischer Mitarbeiter Otto Fiel¬ hauer acht Stationen, acht Israel. Das, wenn auch nur vorläufige Ende des vier¬ ten arabisch-israelischen Krieges — vor¬ läufig deswegen, weil der Krieg jede Mi¬ nute wieder aufflammen könnte, denn die Frage Krieg oder Frieden wird ja leider noch immer nicht von der Vernunft beant¬ wortet — scheint für Fielhauer auch das Ende des siebenten, des Dayan-Israel zu sein. Das achte Israel wird hoffentlich, endgültig von seinen Nachbarn anerkannt, einer ruhigen und friedlichen Entwicklung entgegengehen können. Wie es allerdings aussehen wird, das wissen wir noch nicht. LIPernes 12/73 arirät wirtsriiiifl

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