Full text: Arbeit & Wirtschaft - 1977 Heft 11 (11)

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finden Sie
Die große Angst
Seite 2
Vor einem Jahr — im Novemberheft 1976 —
brachte »Arbeit & Wirtschaft« den ersten
Teil einer englischen Studie über die de¬
moralisierende Wirkung anhaltender Ar¬
beitslosigkeit. Seither werden aus den
westlichen Industriestaaten immer wieder
erschreckende Arbeitslosenzahlen bekannt.
Die Bundesrepublik Deutschland hatte im
September mehr als 900.000 Arbeitslose
und 157.000 Kurzarbeiter. Millionenzahlen
werden auch aus Frankreich und Gro߬
britannien gemeldet, und es schaut nicht
nach baldiger Besserung aus. Während aber
im Sommer in den neun Staaten der Euro¬
päischen Gemeinschaft die Zahl der Ar¬
beitslosen von Mai bis August um 440.000
zunahm, erreichte Österreich im August
einen neuen Rekordbeschäftigtenstand.
Nach Voraussagen von Wirtschaftsfor¬
schern seien jedoch in den nächsten Jah¬
ren leider auch in Österreich höhere Ar¬
beitslosenzahlen zu erwarten. Ob die Vor¬
aussagen in allen Punkten stimmen, kann
man erst im nachhinein feststellen. Auf
jeden Fall werden schon die nächsten zwei
Jahre nicht leicht sein. Das ist kein Krank¬
jammern, sondern die Wirklichkeit.
Gewerkschaftsmüdigkeit?
Seite 17
Im Novemberheft 1975 von »Arbeit & Wirt¬
schaft« setzte sich Fritz Klenner mit der
immer wieder erhobenen Forderung nach
Urwahlen im ÖGB auseinander. Sie seien,
erklärte er damals, kein geeignetes Mittel,
das Vertrauensverhältnis zwischen Mitglie¬
dern und Spitzenfunktionären zu verbes¬
sern. Den Ausführungen Kienners folgten
Diskussionsbeiträge, die sich über einen
iängeren Zeitraum erstreckten. Mit diesem
Beitrag wird es wahrscheinlich nicht viel
anders sein.
Klenner weist den vor allem von Gegnern
der Gewerkschaft gerne gebrauchten
Begriff Gewerkschaftsmüdigkeit zurück,
spricht aber von Desinteresse, womit er
meint, daß viele Arbeitnehmer noch gar
keine Beziehung zur Gewerkschaft gefun¬
den haben. Aus dieser Erkenntnis heraus
schlägt Klenner die Ausweitung der ge¬
werkschaftlichen Tätigkeit vor, allerdings
anders, als es sich jene vorstellen, die dann
gleich über die drohende Gefahr des Ge¬
werkschaftsstaates jammern.
Mit der Ausweitung gewerkschaftlicher Tä¬
tigkeit soll erreicht werden, daß die Ar¬
beiter und Angestellten das Gefühl haben,
die Gewerkschaft ist immer und überall
für sie da.
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Fernsprechgeheimnis
auch im Betrieb
Seite 20
Es ist nicht das erstemal, daß sich »Ar¬
beit & Wirtschaft« mit der Telefonabhör¬
anlage der Firma Reisner & Wolff, Metall¬
warenfabrik in Wels, beschäftigt. Zuletzt
hat Gustl Zickler (im Juli-August-Heft) dar¬
über seiner Empörung Luft gemacht.
Der Autor des Beitrages im vorliegenden
Heft, Dr. Wilfried Mörkelsberger, Sekretär
der oberösterreichischen Arbeiterkammer,
hat in Vertretung der betroffenen Betriebs¬
räte und im Auftrag der Gewerkschaft
eine Serie von Prozessen geführt. Deren
Ergebnis ist auf den ersten Blick etwas
mager, denn es sagt nichts anderes als:
»Das unbemerkbare Mithören auch von
Dienstgesprächen ist verboten.«
Mörkelsberger stellt jedoch fest, es wäre
wünschenswert, könnte jeder Arbeitnehmer
sicher sein, daß er sofort merkt, wenn ein
Dritter in der Leitung ist. Ein zwangsweises
Aufschaltzeichen zeige ja nicht nur das
erlaubte Mithören an, es verrate auch Ver¬
botenes. Darin liege gerade für Betriebs¬
räte der große Wert einer solchen Vor¬
richtung.
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Soziale Ursachen der Inflation
Seite 32
Grundlage dieses Beitrages von Universi¬
tätsprofessor Dr. Anton Burghardt, dem
Vorsitzenden des Instituts für Allgemeine
Soziologie und Wirtschaftssoziologie an
der Wiener Wirtschaftsuniversität, ist eine
Studie des Instituts über die Haushalts¬
variable der Inflation. Die Studie sollte er¬
sichtlich machen, welchen Anteil man den
Haushaltsausgaben an der Inflation zu¬
messen könnte.
Der Autor ist der Ansicht, es wäre Zeit und
Sache unter anderem einer Verbrauchs¬
erziehung in den Schulen und in den
ihrer sozialpädagogischen Aufgabe weitge¬
hend noch nicht gewachsenen sogenann¬
ten Massenmedien, die Bevölkerung dar¬
auf hinzuweisen, daß auch sie ohne we¬
sentlichen Genußverzicht von sich aus
einen Beitrag zur Reduktion der Preise
bestimmter Güter zu leisten vermag. Aller¬
dings wären dabei sicherlich Auseinander¬
setzungen mit den jeweiligen Werbeab¬
teilungen zu erwarten.
Statt Waffen
nützliche Dinge erzeugen
Seite 40
»Das Ziel unseres Corporate-Plans ist ein
doppeltes. Erstens unseren Mitgliedern ihr
Recht auf Arbeit dadurch zu schützen, daß
eine Reihe von Ausweicherzeugnissen vor¬
geschlagen wird, mit denen sie beschäf¬
tigt werden könnten, falls es in der Flug¬
zeugindustrie zu weiteren Drosselungen
kommen sollte. Zweitens sollen unter die¬
sen Erzeugnissen solche sein, die von
sozialem Nutzen für die Gesellschaft sind.«
Das vereinigte Betriebskomitee der Firma
Lucas Aerospace versucht mit diesem
Plan unter anderem die Zersplitterung zu
überwinden, die in der gewerkschaftlichen
Organisation nicht nur größerer britischer
Betriebe oft die gewerkschaftliche Tätig¬
keit sehr behindert. Immerhin waren Ver¬
trauensleute von mehr als zehn Gewerk¬
schaften zu verstärkter Zusammenarbeit
bereit. Antrieb für diese Zusammenarbeit
war auch Empörung darüber, daß die
»Logik« der Marktwirtschaft und der Ra¬
tionalisierungsprogramme in den großen
Gesellschaften zum Anwachsen des Ar¬
beitslosenheeres führt, mit all der Herab¬
setzung, dem Leiden und dem Verlust der
Wirtschaftskraft Hunderttausender beruflich
gut ausgebildeter, hochqualifizierter Män¬
ner und Frauen.
Die Autorin, Susi Valter von der Wiener
Arbeiterkammer, hat anläßlich eines länge¬
ren Englandaufenthalts Gelegenheit ge¬
habt, diesen bemerkenswerten Plan näher
zu studieren. Ein Plan, der, selbst wenn er
nur zum Teil verwirklicht werden kann,
wertvolle Erkenntnisse für die gewerk¬
schaftliche Tätigkeit auch in anderen Län¬
dern zeitigen wird.
11/77 arlN'ilnirtM'ittil) ^
        

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