Full text: Arbeit & Wirtschaft - 1985 Heft 01 (01)

erprobten Stand der Technik moder¬
nisiert werden. Der Kongreß forderte
ferner die Verbindung von Energie¬
nutzung, Umwelt und Naturschutz,
die Fortsetzung der Bemühungen um
»Recycling«, die Förderung umwelt¬
gerechter Verfahren.
Anton Benya: Die Wirtschaft, Indu¬
strie, Handel und Gewerbe brauchen
genügend elektrische Energie, und
zwar elektrische Energie, die umwelt¬
freundlich und möglichst billig ist. Ich
denke an die Nachkriegszeit zurück,
als Kaprun gebaut wurde. Da ent¬
standen große Vorwürfe, warum man
denn Eisen und Beton in diese Mauer
hineinliefere, obwohl es doch not¬
wendiger wäre, viel mehr und viel ra¬
scher Wohnungen zu bauen! Der
damalige Energieminister Karl Wald-
brunner sagte aber, wenn wir wieder
einmal richtig produzieren wollen,
dann brauchen wir genug Strom, und
so wurde Kaprun gebaut. Wir haben
eine Reihe von Kraftwerken gebaut,
obwohl man uns immer wieder ge¬
sagt hat, es gebe zuviel elektrische
Energie, doch hat sich herausgestellt,
daß wir immer knapp gewesen sind.
Auch heute noch importieren wir
elektrische Energie, und für die Ener¬
gie, die wir in den kalorischen Werken
erzeugen, zahlen wir für Kohle, Gas
oder Öl wertvolle Devisen an das Aus¬
land. Wenn wir umrüsten, also wenn
wir genügend Energie aus der Was¬
serkraft bekommen, wenn das eine
Kernkraftwerk in Betrieb genommen
wird, na, dann könnten wir natürlich
auf viele Zulieferungen verzichten
und diese Gelder für andere Zwecke
verwenden.
Achtzig Milliarden
abschreiben?
»Arbeit & Wirtschaft«: Das Parla¬
ment muß bis zum 31. März über
Zwentendorf entscheiden. Wird es
vielleicht also doch einen Akt des
Parlaments geben, oder scheint das
ausgeschlossen?
Anton Benya: Wenn man Aussa¬
gen verschiedener führender Politi¬
ker hört, könnte man das Gefühl ha¬
ben, daß in Österreich eine Gruppe
von Bürgern aus Schiida eingezogen
ist, die sich nicht darüber einigen
können, ein fertiges Bauwerk in Be¬
trieb zu nehmen. Aber ich habe im¬
mer noch Hoffnung, denn die öster¬
reichischen Menschen mit ihrem ho¬
hen Intelligenzgrad-sonst hätten wir
uns nach 1945 nicht so gut erholen
12 aita^ Wirtschaft 1/85
können - werden es manchen Politi¬
kern noch erklären können, daß man
den politischen Streit weglassen solle
und sich nur nach den wirtschaftli¬
chen Notwendigkeiten richtet. Wenn
man aber die wirtschaftlichen Fragen
und nicht Parteipolitik in den Vorder¬
grund rückt, dann müßte eigentlich
das Atomkraftwerk in Betrieb ge¬
nommen werden. Ich kann einfach
nicht glauben, daß der österreichi¬
sche Bürger zehn Milliarden Schilling
ausgegeben hat, um ein Kraftwerk zu
bauen, und keinen Groschen aus die¬
sem Kraftwerk an Strombezug her¬
ausbekommen soll. Wenn das auf
zwanzig Jahre Betrieb hochgerech¬
net wird, kann das einen Schaden von
etwa achtzig Milliarden Schilling be¬
deuten. Wenn ich also sage, zehn Mil¬
liarden sind schon verbaut und wir
könnten später noch viele Milliarden
aus dem Betrieb herausholen, habe
ich das Gefühl, daß sich auch die Poli¬
tiker, die aus Parteiräson heraus
glauben, nein sagen zu müssen, be¬
sinnen. Sie sind ja nicht für eine Par¬
tei gewählt worden, sondern sie sind
gewählt worden, um den Bürgern des
Staats zu helfen, nicht um ihnen zu¬
sätzliche Kosten aufzuerlegen.
Einig im Neinsagen
»Arbeit & Wirtschaft«: In den Aus¬
einandersetzungen um Zwentendorf
und Hainburg gibt es Befürworter
und Gegner in allen Generationen
und in allen Parteien, auch in der Ge¬
werkschaftsbewegung. Das muß
man ja erkennen, doch scheint die
Hauptmasse der Verneinenden jene
Generation zu sein, die mit der Not
der Kriegszeit und der Not der Auf¬
baujähre keine persönliche Bindung
mehr hat. Wie siehst du eigentlich die
Gegner dieser Projekte?
Anton Benya: Sicherlich gibt es zu
verschiedenen Fragen immer auch
verschiedene Meinungen, zu Hain¬
burg, zum Kraftwerksbau, aber die
Dinge werden zusätzlich hochge¬
spielt. Es entstehen Gruppen, wie ja
in einer pluralistischen Gesellschaft
immer wieder Gruppen entstehen
und auch entstehen sollen.
Da sind nun Gruppen, die mit dem,
was ist, nicht zufrieden sind, die ganz
einfach Änderungen wollen. Sie
brauchen nun irgendeinen Kristalli¬
sationspunkt. Begonnen hat das ja,
daß sie sich einig gegen Zwentendorf
waren. Sie waren auch der Meinung,
wir brauchen keine zusätzliche
Landebahn in Schwechat, sie sind
sich einig gegen den weiteren Kraft¬
werksbau, sei es in Großraming, sei
es in Hainburg, sei es jetzt im Dorfer-
tal. Sie sind sich also einig gegen et¬
was, finden sich geschlossen gegen
etwas, aber ich habe noch nichts ge¬
hört, was positiv sein sollte. Sie haben
seinerzeit gemeint, ein sogenanntes
Nullwachstum wäre das richtige.
»Arbeit & Wirtschaft«: Wenn auch
das Wort »Nullwachstum« ein Sprach¬
ungeheuer ist, versteht man doch,
was damit gemeint ist, daß nämlich
ungehemmtes Wachstum auch
schädlich sein kann.
Anton Benya: Wenn ich für dieses
Nullwachstum eintrete, bedeutet das,
daß die Menschen auf einem gewis¬
sen Lebensstandard stehenbleiben,
womit sie aber nicht zufrieden sein
werden. Aber es gibt viele, viele Men¬
schen, die den Normalstandard, den
Durchschnittsstandard noch nicht
haben. Die könnten nichts mehr be¬
kommen, wollen wir das? Wollen wir
nicht jenen helfen, die noch eine
schwächere Lebenshaltung haben?
Wenn wir ihnen aber helfen wollen,
muß ein Wachstum vorhanden sein.
Dazu braucht man zusätzliche elek¬
trische Energie und anderes mehr.
Diese Gruppen, die das Nullwachs¬
tum predigen, gehen im Kreis. Wollen
wir denn in eine Vergangenheit zu¬
rück, wo die Menschen den elektri¬
schen Strom noch nicht gehabt ha¬
ben, wo man noch nicht mit dem Au¬
tomobil gefahren ist? Sie sagen ja
den Menschen gar nicht, hört auf mit
dem Auto, gebt alles zurück, geht
wieder nur zu Fuß, fahrt nur mit dem
Rad, sie fahren zum Teil - richtiger¬
weise - selbst mit dem Auto.
Kontaktnahme -
nicht bloß
Schlagwortabtausch
»Arbeit & Wirtschaft«: Kannst du
mit Vertretern dieser Gruppen in die¬
ser Richtung diskutieren, ohne zornig
zu werden?
Anton Benya: Zornig nicht. Man
kann mit ihnen reden, aber leider ist
ihre Bewegungsfreiheit klein, sie sind
einfach dagegen. Sie sehen das eine
ein, sie sehen das andere ein, aber
dann kommen sie trotzdem zum
Schluß, wir wollen das alles nicht. Es
stimmt mich traurig, daß sie stets nur
eine Antwort haben: »Ja, aber die
Luftverschmutzung, die Verschmut¬
zung der Gewässer, die Gesundheit
        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.