Full text: Arbeit & Wirtschaft - 1996 Heft 02 (02)

Hoffnung und
Zweifel
Betrachtungen
zu Österreichs Wirtschaft
Die »Financial Times« brachten
am 23. November 1995 einen
Aufmacher mit dem Titel »Eight
States >on Course< for Emu«.
Darin wird die Europäische
Kommission zitiert, die in bezug
auf die Errichtung der
Währungsunion optimistisch sei,
weil die Mehrheit der Mitglieds¬
länder eben »on course« sei.
Jahrelang haben so gut wie alle
politischen Kräfte den Beitritt
des Landes zur Europäischen
Union mit Nachdruck unter¬
stützt und angestrebt. Sie ha¬
ben sich diesen Weg mit einem
überzeugenden Votum des
Volkes bestätigen lassen.
Von Helmut Kramer
Durch all die Jahre hindurch galt
Österreich gleichzeitig als Beispiel
für politische Stabilität und wirtschaftli¬
che Prosperität, obschon noch nicht
EU-Mitglied. Und plötzlich macht sich
Zweifel breit.
Dem Land war mehrfach attestiert
worden, ein logischer und willkomme¬
ner Kandidat für die Teilnahme an der
Währungsunion zu sein, war es doch ge¬
lungen, was zum Beispiel Schweden und
Finnland nicht schafften, von Italien
ganz zu schweigen, den Schilling seit
mehr als eineinhalb Jahrzehnten fest an
die Deutsche Mark zu binden und dabei
keine Leistungsbilanzkatastrophen zu
ernten, sondern vielmehr Stabilität ei¬
nerseits und Innovationen wie Effizienz
andererseits.
Endlich tritt Österreich 1995 der EU
bei. Und schlagartig ändert sich das
Bild: Probleme werden akut, die früher
kaum erkennbar waren. Die Bevölke¬
rung ist von den BeitrittsefFekten beun¬
ruhigt bis enttäuscht, die Politik gerät
ins Trudeln, sie schafft die budgetpoliti¬
schen Vorgaben nicht. Das Land kommt
ins Gerede, in die Schlagzeilen der inter¬
nationalen Medien und in das Raunen
der politischen Couloirs.
Was ist geschehen? Wie kann
man sich das erklären?
Der für die Währungsunion zustän¬
dige Kommissär Yves-Thibault de Sil—
J
guy, so wird in der FT berichtet, habe
zunächst festgestellt, daß die Mehrheit
der Mitglieder noch zu tun haben wer¬
de, um die Kriterien für den Eintritt in
die dritte Stufe der WWU zu erfüllen.
Nur drei Mitglieder erfüllen derzeit alle
Kriterien (Deutschland, Luxemburg
und Irland), drei weitere werden die De¬
fizitmarke erreichen oder unterschreiten
(die Niederlande, Finnland und Däne¬
mark). Auch für Frankreich und Gro߬
britannien sei damit zu rechnen. Von
den verbleibenden sieben müßten
18 arbdi Wirtschaft 2/96
        

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