Full text: Arbeit & Wirtschaft - 1996 Heft 02 (02)

AUSSTELLUNG
Tina Modotti
Im Rahmen der AK-Begegnungen ist zurzeit in Wien eine
Ausstellung über das Leben und das fotografische Werk dieser
faszinierenden Frau zu sehen, deren Geburtstag sich heuer
zum hundertsten Mal jährt.
Am 17. August 1896 wurde
sie in Udine als Assunta Adelai¬
de Luigia, als drittes von insge¬
samt sechs Kindern geboren.
Die Eintragung im Kirchenbuch
lautet: »Eheliche Tochter des
Giuseppe Modotti, von Beruf
Mechaniker, und der Assunta
Mondini, mit den häuslichen
Funktionen betraut.« Die Fami¬
lie zieht ein Jahr nach ihrer Ge¬
burt nach Ferlach in Kärnten
und nach St. Ruprecht bei Kla¬
genfurt und kehrt erst 1905
nach Udine zurück. Der Vater
verläßt die Familie, um in San
Francisco - dort sind bereits
17.000 italienische Einwande-
und wird auch als Sängerin be¬
kannt. 1918 heiratet sie Robo
und erhält kleinere Filmrollen.
Das Studio ihres Mannes wird
zu einem Treffpunkt für Litera¬
ten und Künstler.
1920 treffen auch die Mutter
und Geschwister in San Fran¬
cisco ein, die während der
Kriegsereignisse aus Udine
evakuiert waren. Tina spielt
eine Hauptrolle in dem Film
»The Tiger's Eye«. Sie ist eine
verführerische mexikanische
Schönheit, die sich als reiche
Dame ausgibt, um den Helden
des Films für sich zu gewinnen.
Ihr exotisches Kleid ist eine Ba-
Direktor der Maler Xavier Guer-
rero ist.
Gemeinsam mit dem Foto¬
grafen Edward Weston geht sie
1923 nach Mexiko, wo Tina
1924 erste fotografische Por¬
trätaufträge erhält. Ihre Arbeiten
sind in dieser Zeit noch ganz
durch den Einfluß Westons ge¬
prägt.
Mexiko und die »mexikani¬
sche Renaissance« faszinieren
fortschrittliche kulturelle Kreise
vor allem in den USA, die zu län¬
geren Besuchen ins Land kom¬
men.
In einer »Gewerkschaft der
Künstler« wird ein Manifest ver¬
abschiedet. Es richtet sich an
»die jahrhundertelang ge¬
demütigte indianische Rasse,
an die von den herrschenden
Militärs in Henker verwandelten
Soldaten, an die vom Geiz der
Reichen gegeißelten Arbeiter
und Bauern, an die von der
Bourgeoisie noch nicht entwür-
Tina Modotti in San Francisco
(ca. 1920)
sehe Tradition ist unser größter
Besitz.«
Weston kehrt 1924 nach den
USA zurück. Im Dezember ist in
V
Mädchen beim Wasserholen
(Mexiko 1926)
rer - eine neue Existenz aufzu¬
bauen. Es dauert acht Jahre, bis
er genug Geld gespart hat, um
auch seine Tochter Assuntina
(Tina) nachzuholen.
Das Mädchen arbeitet, wie
schon in den Jahren zuvor, als
Textilarbeiterin in kleinen Fabri¬
ken. 1915 lernt Tina Modotti den
Dichter und Maler Roubaix de
L'Abrie Richey (»Robo«) ken¬
nen.
Die beiden lassen sich 1917
in Los Angeles nieder. Tina ar¬
beitet wieder als Schneiderin
Tina Modotti in Hollywood (1920)
tik von Robo. Ihr Mann reist
nach Mexiko und stirbt dort im
Alter von 31 Jahren an den
Pocken.
Tina reist zu seinem Begräb¬
nis im Februar 1922 das erste
Mal nach Mexiko, wo sie Diego
Rivera und andere Freunde ih¬
res Mannes kennenlernt. Im
März stirbt Tinas Vater, und sie
kehrt zurück nach Los Angeles,
beschäftigt sich mit der Fotogra¬
fie und ist an einer mexikani¬
schen Volkskunstausstellung
beteiligt, deren künstlerischer
mm.
m -r .
W H
Frau mit roter Fahne (Mexiko 1928)
digten Intellektuellen«. Dort
kommt der Satz vor: »Die Kunst
der mexikanischen Völker ist
der größte und reinste Ausdruck
auf der Welt, und seine indiani-
»El Universal« zu lesen: »Mr.
Weston überläßt sein Studio
Miß Tina Modotti, deren Arbei¬
ten sehr gelobt wurden.« Sie
veröffentlicht Bilder in Zeitschrif-
44 tirbrii Wirtschaft 2/96
        

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