Full text: Arbeit & Wirtschaft - 1999 Heft 05 (05)

Streitpunkt »Karenz¬ geld fiir alle« Interview mit dem AK-Präsi- denten Herbert Tümpel »Die einen wollen Frauen eine Er¬ werbstätigkeit ermöglichen, von der sie leben können, plus familien¬ fördernde Maßnahmen als Unter¬ stützung. Die anderen stellen die Familienförderung in den Vorder¬ grund, damit Frauen >nicht arbeiten gehen müssen<, wie sie sagen. Ich bin Anhänger der ersten Konzepti¬ on«, erklärt Herbert Tümpel... Seite 10 Steuerreform 2000 ÖGB erreicht 17 Milliarden Schilling Lohn- und Einkom¬ mensteuersenkung Nach langem Tauziehen hat sich die Bundesregierung aufdie Steuer¬ reform 2000 geeinigt. Sie wird den Arbeitnehmerinnen und Arbeit¬ nehmern eine deutliche Entlastung bei der Lohnsteuer bringen. Ge¬ meinsam mit den gleichzeitig in Kraft tretenden Verbesserungen durch das Familienpaket kann die jährliche Ersparnis durchaus bis zu einem ganzen Nettomonatsein¬ kommen gehen, erklärt Richard Leutner, Sektretär des ÖGB. Seite 16 Schafft die Arbeitnehmer ab Die Renaissance der Mitarbeiterbeteiligung Die Firma Stasto in Tirol geht neue Wege. Gemäß einer Pressemittei¬ lung vom Herbst 1998 rühmt sich der Geschäftsführer, dass die Ge¬ sellschaft fast keine Mitarbeiter mehr hat, sondern nur noch Mit¬ unternehmer. Die Belegschaft von Stasto hat sich bereit erklärt, sämt¬ liche über den Kollektivvertrag hi¬ nausreichenden Zahlungen erfolgs¬ abhängig zu machen. Alle Beschäf¬ tigten werden als leitende Mitarbei¬ ter im Angestelltenverhältnis einge¬ stuft. Arbeitszeit- und Arbeitsruhe¬ gesetz verlieren damit ihre Gel¬ tung... Seite 24 Wie weiter mit der ÖIAG? Nach der Teilprivatisierung der Verstaatlichten durch die ÖIAG stellt sich die Frage, welche Funkti¬ on diese Holding künftig haben soll. Von den Arbeiterkammern und den betroffenen Fachgewerk¬ schaften wurde der Vorschlag ent¬ wickelt, der ÖIAG künftig eine ak¬ tive Rolle bei der Verwaltung der Beteiligungen des Staates an Wirt¬ schaftsunternehmen zu verpassen. Lutz Holzinger wollte von Werner Muhm, Direktor-Stellvertreter der Arbeiterkammer Wien, genauer wissen, was darunter zu verstehen ist... Seite 34 Heiße Fracht und kalte Abschiebung Menschenhandel, Frauenhandel, Händler und Käufer Mit Menschen ist leichter zu han¬ deln als mit Drogen. Meist bezah¬ len sie ihren Transport selber und nehmen einiges in Kauf. Gabriele Müller versucht hier, Hintergründe wie auch gängige Vorurteile aufzu¬ zeigen... Seite 42 EDITORIAL Karenzgeld für die »züchtige Hausfrau«? »Und drinnen waltet Die züchtige Hausfrau, Die Mutter der Kinder, Und herrschet weise Im häuslichen Kreise.« Der alte Friedrich Schiller hat »Das Lied von der Glocke« vor genau 200 Jahren veröffentlicht. Diese Verse werden ergänzt von jenen über die Rolle des Mannes: »Der Mann muß hinaus Ins feindliche Leben, Muß wirken und streben Und pflanzen und schaffen, Erlisten, erraffen, Muß wetten und wagen, Das Glück zu erjagen.« Diese Verse bilden eine Art Apologie, eine Verteidigung und Rechtfertigung der strengen Trennung der Ge¬ schlechterrollen in der damaligen Gesellschaft (1799). Heutzutage ist alles anders. Was uns aus der zeitlichen Entfernung vielleicht noch als romantische Idylle erschei¬ nen mag, mit der wir seinerzeit vielleicht in der Schule ge¬ quält wurden, entspricht nicht der sozialen Realität. »Hinaus ins feindliche Leben« müssen beide, und die »häuslichen Kreise«, soweit dies die Hausarbeit betrifft, werden ebenfalls von beiden erledigt... (hoffentlich). Die Frage, ob sich die Zeit zurückdrehen lässt, ist mit der Diskussion um die Familienpolitik und insbesondere um das Karenzgeld neu aufgeflammt. Wir haben in den letz¬ ten Ausgaben immer wieder berichtet, und jetzt steht dazu auch AK-Präsident Herbert Tümpel im Interview Rede und Antwort (Seite 14). Um den sozialen Frieden steht es vielleicht ähnlich wie um den Weltfrieden. Doch beide gehören gefördert. Was den Frieden in unserer Gesellschaft betrifft, hat Sach¬ buchautor Hans-Peter Martin persönlich einen Preis ge¬ stiftet: »Social Peace«. »So wie die Natur durch ungezü¬ gelte Industrialisierung bedroht war, ist heute durch zu egoistisches Gewinnstreben der soziale Zusammenhalt in unserer Gesellschaft gefährdet«, meint er. Wir haben ihn interviewt, lange bevor er zum Kandidaten für das EU- Parlament wurde - auf Seite 5 nachzulesen (samt aktuel¬ ler Ergänzung). Hintergründe und Details zur Steuerreform, von der wir ja alle betroffen sind, werden in diesem Heft genauso be¬ handelt wie die Zukunft der Verstaatlichten, zu der sich Werner Muhm von der AK Wien äußert. Die so genannte Mitarbeiterbeteiligung betrifft nur ein bis zwei Prozent der Arbeitnehmer in Österreich - trotzdem sollte man über diese Modelle Bescheid wissen. Last, not least und vor allem, weil Europa immer wichtiger wird, haben wir auch versucht, die Mannschaft von ÖGB und AK in Brüssel wie auch ihre Tätigkeit vorzustellen. Wer will und wer die Zeit aufbringen kann, um zu lesen, dem wird in dieser Ausgabe einiges an Information gebo¬ ten. Vielleicht ein Grund, um diese Zeitschrift öfter als einmal in die Hand zu nehmen... Siegfried Sorz 5/99 nrbeit nlrtsrhaft 3

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