Full text: Arbeit & Wirtschaft - 1999 Heft 09 (09)

»Nicht ohne die Betriebsräte!« Gespräch mit OGB-Präsident Fritz Verzetnitsch über... »...die tagtägliche Arbeit, die Be¬ triebsräte und Gewerkschaftsfunk¬ tionäre leisten müssen, wird madig gemacht - ohne zu wissen, um was es geht ... Mehr denn je braucht eine Gewerkschaftsbewegung, die verändernd und gestaltend wirken will, die Mitarbeit der Betriebs¬ rate ...« Seite 4 Die Aktion Fairness: Keine Gerechtigkeit fiir 1,2 Millionen Arbeiter? Bei unserer Aktion Fairness geht es um Gerechtigkeit für 1,2 Millio¬ nen Arbeiterinnen und Arbeiter in Österreich. Ein Beispiel: Ein und derselbe Betrieb, ein und dieselbe Erkrankung, die Arbeiter haben dann nur vier Wochen volle Ent¬ geltfortzahlung, die Angestellten sechs Wochen. Das ist nicht ge¬ recht... Seite 12 Gesamtwirtschaftliche Auswirkungen der Budgetkonsolidierung Die Erreichung der fiskalischen Konvergenzkriterien war in den letzten Jahren das wichtigste Ziel der Wirtschaftspolitik in Europa. Um an der europäischen Wäh¬ rungsunion teilnehmen zu können, haben die EU-Staaten zwischen 1995 und 1997 ihre Budgetdefizite halbiert. Es gab Befürchtungen, dieser Konsolidierungswettlauf in Europa könne eine Rezession aus¬ lösen und damit zu negativen Aus¬ wirkungen aufWachstum und Be¬ schäftigung führen... Seite 20 10-Punkte-Programm der AK für wirksamen Konsumentenschutz Konsumenten werden immer öfter gelegt und getäuscht - dem muss Einhalt geboten werden, sagt AK- Präsident Herbert Tümpel. Die Zahlen der Konsumentenbe- schwerden sprechen deutlich für sich: Jährlich kommen 40.000 Konsumenten persönlich in die AK- Konsumentenschutz-Beratungs¬ stellen und 110.000 holen sich te¬ lefonisch Rat. Allein in der Wiener AK suchten im Vorjahr 11.000 Konsumenten Hilfe. Seit 1995 ist die telefonische Beratung um das Zweifache gestiegen, die persönli¬ che um das Zweieinhalbfache... Seite 28 Zehn Jahre nach der Wende Das Jahr 1989 war das Jahr des end¬ gültigen Zusammenbruchs der un¬ demokratischen kommunistischen Regime in Ost- und Mitteleuropa, mit dem auch die Abkehr von der Planwirtschaft und die Rückkehr zur Markt- und Privatwirtschaft einherging. Obwohl der Nieder¬ gang des alten »Ostblocks« seit län¬ gerem unübersehbar gewesen war, waren die ehemals herrschenden Kräfte nicht im Stande gewesen, eine schrittweise Transformation einzuleiten, sodass eine mehr oder weniger abrupte »Implosion« un¬ vermeidbar war. Überall war daher ein radikaler Neubeginn notwendig geworden - politisch, wirtschaftlich und gesellschaftlich... ^ EDITORIAL Die Macht der Schwachen Die Unternehmer haben gar keine Freude mit dem ÖGB. In einer Wirtschaftszeitung wurde kürzlich eine Umfrage ver¬ öffentlicht, nach der ihn nur 15 Prozent für kompetent halten. Das scheint mir aber kein Grund, betrübt zu sein. Ich glau¬ be, bedenklich wäre nur, wenn es andersherum wäre und die Mehrzahl der Chefmenschen den ÖGB loben würde. Speziell die Betriebsräte sind ihnen doch ziemlich lästig. Da kann es schon vorkommen, dass einer dieser Herren die Haltung verliert, die Contenance, und sich in wüsten Be¬ schimpfungen und Verleumdungen ergeht. Viel interessanter oder auch bedenklicher ist, was die Me¬ dien daraus machen. Welche Schadenfreude da aufkommt! Wie das alles genüsslich wiederholt und wiedergekäut wird! Und noch bestürzender ist, wenn man aus diesen Meldun¬ gen heraushören kann, dass jene, die hier wiederkäuen, kei¬ ne Ahnung haben von der Arbeitsverfassung, geschweige denn vom Procedere einer Betriebsratswahl. Die Welt hinter den Fabrikstoren oder in den Bürohäusern ist weitgehend eine unbekannte. Die öffentlich-rechtlichen »Sender« bringen fast nur den Einheitsbrei der amerikani¬ schen Kulturindustrie, die privaten sind da auch nicht an¬ ders... Die Gewerkschaft, das sind wir, die Mitglieder, aber vor al¬ lem die Betriebsräte und Personalvertreter, die sich tagtäg¬ lich für ihre Kolleginnen und Kollegen einsetzen, die kom¬ petent für die Belange und Interessen der Arbeitenden ein¬ treten und die sich auch nicht stören lassen, wenn einer von diesen Kapitalherren öffentlich rülpst oder furzt. Was die Gerichte betrifft, so sind wir dort sowieso Stamm¬ kunden: Im Schnitt erstreiten die Gewerkschaften pro Jahr mehr als eine Milliarde Schilling an vorenthaltenen Löhnen und Gehältern oder anderen gegenüber den Arbeitgebern bestehenden Ansprüchen. Unsere Arbeitsrechtler sind Spe¬ zialisten, welche die Gesetze aus dem Effeff kennen und de¬ nen als Praktiker nicht so leicht jemand etwas vormacht. Da¬ bei ist diese Milliarde Schilling sicher nur die Spitze eines Eisberges, denn bevor man sich an die Gerichte wendet, stehen viele Verhandlungen und Gespräche, und oftmals genügt ein Anruf, um einen vorenthaltenen Anspruch oder einen Streitfall zu klären. Im Interview mit dem ÖGB-Präsidenten (auf der nächsten Seite dieses Heftes) kann man es nachlesen: Jährlich sitzen Gewerkschafter den Unternehmern gegenüber und handeln Kollektivverträge aus, die 1000 Milliarden Schilling an Lohn¬ summen in Österreich bewegen. Und wir österreichischen Gewerkschafter stehen nicht al¬ lein, sondern als Teil des Europäischen Gewerkschaftsbun¬ des verhandeln wir auch im Rahmen der EU; als Teil des In¬ ternationalen Bundes Freier Gewerkschaften hat unsere Stimme weltweit Gehör; den multinationalen Unternehmun¬ gen steht oder sitzt auch eine weltweit agierende Gewerk¬ schaftsbewegung gegenüber. Das einzelne Gewerkschafts¬ mitglied ist eingebettet in Netze der Zusammenarbeit, die weit über die Grenzen unseres Landes hinausreichen. Grundlage dieses globalen Maßstabs ist aber die kleinste Zelle, ist die Vertretung im Betrieb, die unsere Stärke aus¬ macht. »Gemeinsam sind wir stark« oder, mehr dichterisch gesagt: »Verbunden sind auch die Schwachen mächtig!« Siegfried Sorz 9/99 iirbcit ivirtsriiaft 3

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