Full text: Arbeit & Wirtschaft - 1999 Heft 09 (09)

Nicht ohne die Betriebsräte! Gespräch mit ÖGB-Präsident Fritz Verzetnitsch über aktuelle Fragen »Arbeit & Wirtschaft«: Lieber Kolle¬ ge Verzetnitsch, zum Einstieg gleich eine Grundsatzfrage: Wie sieht das heutige Bild der Gewerkschaften aus? Verzetnitsch: Wir befinden uns in ei¬ ner Zeit, wo wir immer wieder an allen Ecken und Enden merken, dass wir un¬ ter völlig anderen Vorzeichen stehen: Es ist nimmer der sichtbare Peitschen knal¬ lende Unternehmer mit der dicken Zi¬ garre, der uns gegenübersteht, sondern es ist schleichend eine neue Einstellung oder Ideologie, der Neoliberalismus, eine neue Wirtschaftsphilosophie, die man von einem anderen Kontinent übernimmt, die uns als Gewerkschaften herausfordert. Oft genug in dieser schnelllebigen Zeit der 30-Sekunden- Nachrichten wird die tagtägliche Arbeit, die Betriebsräte und Gewerkschafts¬ funktionäre leisten müssen, madig ge¬ macht, ohne zu wissen, um was es geht. Dennoch: Mehr denn je braucht eine Gewerkschaftsbewegung, die verän¬ dernd und gestaltend wirken will, die Mitarbeit und Zusammenarbeit der Be¬ triebsräte. Die Stärke unserer Organisation ... Das ist der Punkt. Und wenn wir die Betriebsräte nicht hätten und das ganze System, und es ist ja oft auch eine unbe- dankte Arbeit der vielen Betriebsfunk¬ tionäre, die viele leidergar nicht so sehen ... Das macht die Stärke der Organisati¬ on in Wirklichkeit aus und ich glaube, dass der wirtschaftliche Wandel, das Verändern unserer Gesellschaft in Rich¬ tung bessere Zukunft ohne die Mitge¬ staltung- und hier sind die Betriebsräte, die Personalvertreter die Träger dieser Mitgestaltung — in Wirklichkeit nicht zu Stande kämen. Wir brauchen Leute, die Interessen bündeln, die Interessen ver¬ treten, die sich auch einsetzen für ande¬ re, die eben nicht die Stärke haben, die auch nicht den gesetzlichen Schutz ha¬ ben, und die in Wirklichkeit zur Verän¬ derung unseres Landes beitragen. Und es wäre völlig falsch zu glauben, in Hin¬ kunft macht das irgendjemand oder ei¬ ner allein hat die Weisheit, sondern Stär¬ ke heißt für mich, die Zusammenarbeit von vielen zu nutzen und nicht wie Schiller imWilhelm Teil gesagt hat »Der Starke ist am mächtigsten allein.« Schil¬ ler sagt auch: »Verbunden werden auch die Schwachen mächtig«, daher sage ich »Gemeinsam sind wir stärker«. Fairness Wenn es um die gemeinsame Stärke geht: die Erfahrungen mit der »Aktion Fairness« — da dürften doch einige ent¬ täuscht sein, dass wir das bis jetzt noch nicht durchgebracht haben. 4 iirbdt wlrtsdmft 9/99

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