Volltext: Arbeit & Wirtschaft - 1999 Heft 10 (10)

FRAUEN großen Teil weibliche Pub¬ likum zum Beispiel, dass Madeleine Petrovic abends kaum isst, dass Barbara Pram- mer eine Halskette von Eduscho trägt, dass Maria Rauch-Kallat im Burgenland Gräfin sein muss, dass Heide Schmidt viel über Emanzipa¬ tion gelernt hat und dass sich Karin Landauer eine Frau als Finanzminister wünscht. Und man konnte sich des Ein¬ drucks nicht erwehren, dass auch manche der Politikerin¬ nen etwas über ihre Kollegin¬ nen der anderen Fraktionen erfuhr, das sie vielleicht nicht erwartet hätte. Für die Frei¬ heitliche Karin Landauer war es nicht einfach, die »Stop- der-Überfremdung«-Plakate ihrer Partei angesichts einer Madeleine Petrovic zu vertei¬ digen, die erzählte, dass sie ge¬ rade wieder ausländerfeindli¬ che Post bekomme. Briefe, die ihre beiden Töchter zum Weinen bringen und die im¬ mer nur dann in so großer Zahl kommen, wenn solche politischen Kampagnen lau¬ fen. Vielleicht mehr als sonst wurde bei dieser Veranstal¬ tung auf eine frauengerechte Sprache geachtet. Werden auch Politiker im Wahlkampf nach der Betreuung ihrer Kin¬ der gefragt? Warum wird die Frage »Müssen Frauen arbei¬ ten?« gestellt und nie die Frage Bundes sind, enthalten. Die Be¬ handlung von Anträgen auf wei¬ tere Förderungsmittel im Aus¬ maß von etwa einer Milliarde Schilling für Magna-Werke ist im Laufen.) Brave Arbeiterin war plötzlich »Unruhe¬ stifterin« Es stimmt schon, dass Stro- nach bisher 1,677 Milliarden Schilling in drei bestehende österreichische Magna-Betrie- be investiert und knapp 800 Ar¬ beitsplätze geschaffen hat. Dennoch muss sich auch er an die Bestimmungen des öster¬ reichischen Arbeitsrechts hal¬ ten. Reinhard Göweil dazu im »Kurier«: »Bei offiziellen Anläs¬ sen wird Frank Stronach nicht müde, seine Mitarbeiter zu lob¬ preisen. Sogar am Gewinn sei¬ en sie beteiligt. Die Aktionen, die der Magna-Konzern setzt, stehen diesen Aussagen dia¬ metral gegenüber: Da werden Mitarbeiter unter Druck gesetzt (>dann sperren wir das Werk zu<), da werden Mitarbeiter (nicht nur in Österreich) gekün¬ digt, weil sie einen Betriebsrat möchten. Die Weizerin, die gekündigt wurde, war sieben Jahre brav, plötzlich 'Unruhe¬ stifterin'.« »Müssen Männer arbeiten?«? Und warum sagt man bei Männern Strategie und nennt es bei Frauen »tricksen«? Mehr von uns ... Selbstverständlich wurde auch die Frage nach der Frau¬ ensolidarität gestellt. Die gibt es sogar parteiübergreifend — nämlich immer dann, wenn es um Sexismus geht, um Verlet¬ zung der Würde und Rechte aller Frauen. Gewünscht hät¬ ten sich manche der anwesen¬ den Politikerinnen diese Soli¬ darität auch, wenn es darum geht, Punkte des Frauenvolks¬ begehrens umzusetzen. Zu guter Letzt, nach zwei- GENAU BETRACHTET einhalb Stunden heftiger, aber auch heiterer Diskussion, kam noch die Frage »Sind Frauen die besseren Politikerinnen?«. Nicht zum ersten Mal an die¬ sem Abend wurde Johanna Dohnal, Ex-Frauenministe- rin, zitiert: »Frau sein allein ist noch kein Programm.« Über die Parteigrenzen hinweg wa¬ ren sich die Politikerinnen ei¬ nig, dass Frauen sicher nicht die besseren Politikerinnen sind. Frauen sind aber anders, war der Grundtenor der Ant¬ worten, in ihrem Handeln, Denken, ihrer Sprache und ihrer Sozialisation — es sollte mehr von uns in der Politik geben. Katharina Klee Stronachs Befürworter »Frank Stronach sagt immer: Der Staat kann dir nur geben, was er dir vorher weggenom¬ men hat - und dazwischen ge¬ hen 80 Prozent verloren. Daher muss dieser Prozentsatz redu¬ ziert werden!« Diesen selten unvernünftigen ? Ausspruch seines obersten Bosses zitierte Sigi Wolf, der Chef von Magna-Europa im Kleinformat. Er hat zwar nichts direkt mit dem aktuellen Konflikt zwischen der Gewerkschaft als Interessenvertretung und dem streitbaren Milliardär zu tun, aber er gibt einen guten Ein¬ blick in die Gedankenwelt des austro-kanadischen Konzern¬ herrn: Hätte Stronach Recht, so wären ja 80 Prozent der Kinder¬ gärten, Schulen und Spitäler, für Straßen, Universitäten und Polizei aufgewendeten Steuer¬ gelder hinausgeworfen. Man fragt sich, wie jemand, der wirt¬ schaftlich so erfolgreich ist, so einen Unsinn reden kann. (Übrigens: In diesem »verlore¬ nen« Geld wären dann auch die 311 Millionen Schilling Förde¬ rungsgelder, von denen 278 Millionen echte Geldgeschenke des Landes Steiermark und des Die Fakten, worüber in den letz¬ ten Wochen die Wogen zwi¬ schen der österreichischen Ge¬ werkschaftsbewegung und dem Milliardär hochgingen, sind hinlänglich bekannt: In ei¬ ner Vereinbarung zwischen Vertretern des österreichischen Magna-Managements und der Gewerkschaft Metall-Bergbau- Energie vom 11. Februar er¬ klärte das Management, dass Arbeitnehmer und Arbeitneh¬ merinnen, die Funktionen als Betriebsräte anstreben, nicht diskriminiert werden. Knapp zwei Wochen später wurde die Fließbandarbeiterin Sonja Eisner, der nie irgendein Vorwurf gemacht worden war, gekündigt. »Ihre einzige Ver¬ fehlung war es offensichtlich, sich für die Gewerkschaft und die Schaffung eines Betriebsra¬ tes einzusetzen«, so MBE-Vor- sitzender Nürnberger an Frank Stronach. (Nachher bezeichne¬ te Magna-Sprecher und einsti¬ ger Haider-Liebling Karl-Heinz Grasser die Frau als »Queru¬ lantin«.) In einer Urabstimmung, bei der, wie die Gewerkschaft beweisen kann, Druck auf die Arbeitneh¬ mer ausgeübt wurde, stimmten 80 Prozent der Teilnehmer ge¬ gen die Rücknahme der Kündi¬ gung. Nach der Gewerkschaftsklage beim Arbeitsgericht erklärte Stronach in einem Interview: »Ich werde meinen Arbeitern raten, so lange keine Gewerk¬ schaftsbeiträge zu zahlen, bis die Gewerkschaften ihre Bü¬ cher offen legen.« Dann ver¬ glich er die Gewerkschaftsbei¬ träge mit »Schutzgeldzahlun¬ gen an die Mafia«. In der Folge gab es einen Solidarisierungs- effekt vieler Arbeitnehmer mit der Gewerkschaft und eine ÖGB-Klage wegen Rufschädi¬ gung. Haider für Stronach Zur Verteidigung Stronachs rückte der FP-Spitzenkandidat und Papierindustrielle Thomas Prinzhorn aus: »Stronach hat inhaltlich recht, viele denken so wie er.« Zu den »vielen« gehört auch Jörg Haider, der zwar die Wortwahl des Milliardärs ab¬ lehnte, der aber öffentlich er¬ klärte, im Konflikt zwischen ÖGB und Stronach, sei er »ab¬ solut auf der Seite Stronachs«. Das ist nicht überraschend, hat doch Haider auch versucht, durch die Gründung einer FPÖ- Spaltergewerkschaft dem ÖGB zu schaden. Die FGÖ ist aber zum Flop geworden. karoh 4 2 ;irlx4t wtrtsduifl 10/99

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